Zwei Alben von beiden Enden der Skala

Dieser Tage sind zwei Alben erschienen, auf die der eine oder andere lange und gespannt gewartet hat. Die “Killers” mit “Sam’s Town” und die “Scissor Sisters” mit “Ta Dah”. Das eine ist ein Ärgernis ohnegleichen, das andere eine Offenbarung. Des einen Vorgänger mochte ich, mit dem Debut der Scissors konnte bis auf wenige Songs nicht viel anfangen.

The Killers – Sam’s Town

Der erste Song “Sam’s Town” startet mit unglaublichem Pathos, schwurbelt mit unfassbar weinerlichem Gejaule inn vermeintliche Himmel und nimmt in der Mitte das Tempo raus (gut) um in einen dämlichen Seemannschor zu verfallen (ekelhaft) um schließlich in scheinbar Beatlesken Tuba-Dings zu enden… Skip…

“Enterlude” soll nach dieser Tortur den eigentlichen Einstieg ins Album darstellen, na gut. Ein minimalistisches Pianodings mit netter Zeile und banaler Melodie…

Weiter gehts mit der ersten Single “When you were young”, einem der wenigen komplett hörbaren Songs des Albums und noch am nächsten am Vorgänger dran. Natürlich auch sehr bedeutungsschwanger und vollgestopft mit Synthies und Flüchen, die allerdings im Gegensatz zu manchen Totalausfällen, die noch kommen werden, wenigstens nicht komplett dämmlich und billig klingen.

“Bling” startet mit erneuten Gejaule von Sänger Brandon Flowers und geht mit einem unfassbar schlechten Stampferdings weiter. Ehrliche Assoziation: Chris DeBurgh. Der Refrain ist unterlegt von billigsten Synthies, die nur durch eine recht spannende tiefe Fläche ertragbar bleibt, was das eigentliche Ärgerniss von “Sam’s Town” aufzeigt: eigentlich okaye Ideen oder Parts werden erstickt in Pathos, dümmmlichen Sound und grottigen Melodien unterster Schublade. Man mag die Lieder gerne haben, es wird einem aber durch die “Produktion”, die eher ein Phil Spectorsches übereinanderschichten ist, unmöglich gemacht…. Skip.

Der nächste Song “For Reasons unknown” startet sehr vielversprechend und ist vielleicht am ehesten der Rocker des Albums. Beim Refrain beginnen die Zehennägel zu rollen, legen sich aber schnell wieder hin, weil es erträglich bleibt und es zeigt sich das nächste Problem: alles, was an “The Darkness” als Trash und Spaß wahrgenommen wird, das meinen die Killer bierernst. Dieses Lied ist aber hörbar. Nicht mehr, nicht weniger.

“Read my Mind” beginnt mit unfassbarem Schmalz, mit Synthies, die man von schlechten Alleinunterhaltern zur Genüge kennt. Das Unfassbare dieses Songs: der Refrain wird für “Sams Town” fast gut, nur um wieder in die Synthiesoße zu stürzen. Will man sich wirklich von einer guten Idee zur nächsten durch fast unhörbare Kacke quälen? Ich habe es getan, und hätte ich die Platte physisch da, ich hätte sie wohl nach dem dritten Durchgang an die Wand geknallt, denn das Gitarrensolo dieses Songs ist so unglaublich schlecht, mündet in einer netten Stelle und zack: Männerchöre!… Skip!

“Uncle Johnny” startet schwerfällig, aber nicht ganz übel, bleibt allerding ganz und gar langweilig, lediglich der Refrain ist nett, aber eine 1:1-Kopie von “Jenny was a friend of mine” vom Vorgängeralbum… Skip!

“Bones” startet mit einem Männerchor und neuen aber wieder ganz und gar billigen Synthies, man will schon skippen, bemerkt aber einen von furchtbar schlechten Ideen durchsetzten guten Songs, der mit Trompetern arbeitet, die vielleicht bei Huey Lewis funktionierten, aber nicht hier. Und wieder die Männerchöre! Skip!

“My List” will “Tender” von Blur sein, versaut aber gleich alles mit Katzenjammer-Synthies (die kennt jeder!) und hat wieder diese Melodie, die man gut finden will, die man allerdings unter einem ganzen Haufen Murcks hervorkratzen muss. Der Refrain mit schweren Gitarren und pathosschwangeren Gesang hilft da auch nicht mehr raus… skip!

“The River is Wild” kombiniert dann endlich alles schlechte am Album und startet mit schlechten Synths und Chor und mündet mal wieder in einem anständigenn Song, der sogleich von Katzenjammer zunichte gemacht wird und diesmal ist es ausnahmsweise der Refrain, der das Lied eigentlich unhörbar macht… Skip!

“Why do I keep counting” bietet endlich mal einen okayen Einstieg, ein ruhiges nettes Popsongchen. Denkt man. Schon heben wieder Chöre an und es werden weitere Flächen und weitere Schlechtigkeiten drübergelegt, um das ganze wieder in einem okayen Part landen zu lassen, der wiedermal sofort von peinlichem “Yayayaya”-Trallalla niedergemacht wird…. Skip!

Dann kommt ENDLICH der letzte Song und bietet wieder einen ganz passablen Song, der schön reingeht, weil er eben keine Synthies enthält. Geschafft!

Fazit: Ein Album, von dem jeder die Finger lassen sollte! Die Dinge, die bei “Hot Fuss” gut waren sind bis auf Ansätze komplett verschwunden und alles, was den Vorgänger eigentlich zu schwer und pathetisch machte, wurden verdoppelt, ach was, verdrei- oder gar vervierfacht. Dieses Album ist ein einziges Ärgernis und hätte ich hier Bewertungen, gäbe es 1 von 5 Punkten.

Scissor Sisters – Ta Dah

Das nächste Album also: “Ta Dah” von den Scissor Sisters, der schwulsten Truppe seit Abba und den Village People. Ein Album, das gar nicht mal, wie sein Vorgänger, seine Klasse in den Uptempo-Nummern entwickelt, sondern eher bei ruhigen Momenten begeistert. An die Stimme von Sänger Jake Shears muss man sich zwar erstmal gewöhnen, aber wer wie ich Radiohead zu seinen Lieblingsbands zählt, der kann das.

Der Opener “I feel like Dancing” ist eine Bee Gees Nummer vor dem Herrn, wobei ich den Bee Gees nie etwas abgewinnen konnte. Doch dieser Song hat Potenzial zum Hit (und ist auch einer, laut unseren Downloadcharts), ist tanzbarer Shit und wird hoffentlich Petrys Hölle auf Dorfdiskos endlich in den Keller verbannen.

“She’s my Man” beerbt Elton John auf eine sehr sympathische Weise, der Song hat Schmiss und man ist sofort geneigt, ein beliebiges Mädchen zu schnappen und eine flotte Nummer aufs Parkett zu legen (wenn man denn tanzen könnte, also nicht so wie ich). Lediglich die sägende Gitarre nervt etwas auf Dauer, bleibt aber alles im grünen Bereich.

Die nächste Nummer “I Can’t Decide” ist eine super Western-Dingsbums, superwitzig, äußerst charmant und mit gehörigem Trash-Potenzial! Super!

Dann mal wieder die Bee Gees mit “Lights”, einer funkigen Nummer, die allerdings genug Pop und Harmonien enthält, um auch mich mitzureißen. Auch hier jede Menge Streicher und Pathos, aber hier funktioniert es im Gegensatz zu den “Killers”, hier hat das seinen Platz und hier ist es berechtigt, auch mal die ollen Trompeten auszupacken. Schöner Song! Dennoch… Skip!

“Land of A Thousand Words” ist eine ruhige Nummer, wir sind wieder bei Elton John, nur nicht ganz so brillant. Ein schöner Song, keine Frage, der vor allem im Finale zeigt, was er kann, dennoch reißen mich die Harmonien nicht zu sehr vom Hocker. Aber ein schöner Song bleibt ein schöner Song.

“Intermission” ist Slapstick, Varieté, Komik. Ein schönes Intermezzo.

“Kiss you off” beginnt mit genau den Synthies und Chören, die man den Killers gewünscht hat, mündet aber in einen Blondie-Song mit Gitarrenwänden und bleibt auch so. Ein guter Song, keine Frage, nur leider ohne viel Profil und einem seltsamen Hook im Refrain. Anständig. Skip.

“Ooh” ist wieder ein Bee Gees Song. Okayer Dance. Skip.

“Paul McCartney” ist ein B52s Song und super, mit genialen Ideen und Stimm-Ideen, die man so nur aus großartigen Songs aus den 80ern kennt, die mir grade nicht einfallen und ein Lied, dass jeden, aber auch jeden auf die Tanzfläche magisch auf die Tanzfläche zieht. Wenn man mit solchem Dada-Dance etwas anfangen kann. Super!

“The Other Side” ist fast moderner Chill Out mit hypnotischem Gesang, der dich in einen Nebel aus Gitarrensprengeln zieht und in der Straßenbahn die Stadt mit allem Schlechten darin vorüberziehen läßt. Das Gitarrensolo darin stört etwas, aber das mag Geschmackssache sein, ein großartiger Song bleibt das trotzdem.

“Might Tell You Tonight” startet als ruhiger Salloon-Unterhalter mit komplexerer Melodie und wartet mit einem unglaublichen Refrain auf, dass einem die Spucke wegbleibt vor Schönheit! Man sitzt vor dieser mit einer Melone und Streifenanzug bekleideten Band und bewundert die Klarheit dieses Songs, die so ganz und gar nicht Dance sein will. Bei diesem Song wünscht man sich allerdings mit der Süßen am Strand bei Sonnenuntergang. Genial!

“Everybody Wants The Same Thing” ist der Rocker des Albums, natürlich tanzbar und die Bee Gees klopfen wieder an die Tür. Ein bißchen zu sehr auf Druck produziert und etwas überflüssig, aber immer noch ein guter Song, verblasst aber ein wenig angesichts der vorher gehörten Songs. Warum dieser mit 6 Minuten Spielzeit der längste des Albums ist, bleibt mir verborgen…. Skip!

“Transistor” läßt das Album schön ausklingen mit Massive Attackschem Dubgefummel und wirklich netten Sample-Ideen, die man bei den Scissors so nie erwartet hätte.

Fazit: Ein großes Album, das für die Scissor Sisters ungewöhnlich vor allem bei den ruhigen Nummern überzeugt und einen ab und zu sogar sprachlos zurückläßt! Auch wenn man mit Quietschestimmen nichts anfangen kann, sollte man “Ta Dah” eine Chance geben. Denn man verpasst einiges an wundervollen Harmonien und Ideen, falls nicht. Und wenn ich ein Wertungssystem hätte, gäbe es 4 von 5 Punkten.