Sita sings the Blues – Die Story eines Animationsfilmes und seines Copyright-Blödsinns


(Googlevideo Direktsita, via Lines and Color)

Ich verfolge die Geschichte des Films „Sita sings the Blues“ von Nina Paley schon eine ganze Weile, nicht nur, weil ich den Film so toll finde (er hatte auf der Berlinale letztes Jahr Premiere und hat auch einen Bären gewonnen), sondern weil die Hintergründe ein ziemlich haarsträubender Copyright-Shitfuck ist. Denn eigentlich dürftet Ihr den Film gar nicht sehen.

Der Film funktioniert auf drei Ebenen. Vordergründig erzählt er die Geschichte von Ramayana, die Geschichte eines Prinzen namens Rama, der seine Sita betrügt und sie schließlich umbringt. Die zweite Ebene ist die Geschichte der Regisseurin, die von ihrem Mann sitzengelassen wurde und das im Film verarbeitet. Die dritte Ebene sind 90 Jahre alte Songs von Annette Hanshaw (1901-1985), die ebenfalls genau diese Themen behandeln und auf den Punkt bringen.

Der Film funktioniert nur genau in dieser Konstellation und jegliche Änderung würde das Werk zerstören, auch wenn die Komposition der Songs nach wie vor urheberrechtlich geschützt sind und die Rechteinhaber 220.000$ von Nina Paley haben wollen. Für 90 Jahre alte Songs! Das hätte fast das Ende für die Distribution des Films bedeutet, nun hat sich Paley aber mit den Rechteinhabern auf 50.000$ unter einigen Auflagen geeinigt (wofür die Frau einen Kredit aufnahm), der Film lief im Fernsehen und war auf einer amerikanischen Website zu sehen, die nicht-amerikanische Besucher leider ausgeschlossen hatte, keine Chance, bis vor wenigen Tagen.

„Sita sings the Blues“ ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Urheberrecht Kunst und Kultur verhindern kann und nur dem Einsatz verschiedenster Menschen (u.a. Roger Eberts Review, siehe Link unten) ist es zu verdanken, dass es hier gut ausging: Der Film ist jetzt nämlich unter CC-Lizenz in HD auf Archive.org runterladbar und auf Google-Video wurde er auch schon geuppt, siehe oben. Snip von der Filmwebsite:

I hereby give Sita Sings the Blues to you. Like all culture, it belongs to you already, but I am making it explicit with a Creative Commons Attribution-Share Alike License. Please distribute, copy, share, archive, and show Sita Sings the Blues. From the shared culture it came, and back into the shared culture it goes.

You don’t need my permission to copy, share, publish, archive, show, sell, broadcast, or remix Sita Sings the Blues. Conventional wisdom urges me to demand payment for every use of the film, but then how would people without money get to see it? How widely would the film be disseminated if it were limited by permission and fees? Control offers a false sense of security. The only real security I have is trusting you, trusting culture, and trusting freedom.

That said, my colleagues and I will enforce the Share Alike License. You are not free to copy-restrict (“copyright”) or attach “Digital Rights Management” (DRM) to Sita Sings the Blues or its derivative works.

Mehr: Roger Eberts Review des Films, Interview with animator Nina Paley about how her award-winning, feature-length film “Sita Sings The Blues” is blocked from distribution because of copyright restrictions on music used in the film.