Sweet Tooth: Bambi meets Mad Max

Kurze Version: Sweet Tooth ist eins der besten Comics, das ich ich den letzten Jahren gelesen habe. Und in diesem Jahr das beste – mit Abstand.

Sweet Tooth kommt von Jeff Lemire, dessen „The Nobody“ (quasi ein Comic-Mashup von „Twin Peaks“ und Wells „The Invisible Man“) ich damals hier abgefeiert hatte. Und der legt nun mit Sweet Tooth ein Comic vor, das er selbst als „Bambi meets Mad Max“ beschreibt. Haut hin.

Sweet Tooth spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der die Menschheit grade dabei ist, von einer rätselhaften Krankheit dahingerafft zu werden. In dieser Welt lebt Gus, ein Mutanten-Kind mit Geweih, dessen Mutter früh an der Seuche starb, mit seinem Vater abgeschieden in einer Hütte im Wald. Gus weiß nichts von der Welt jenseits des Waldes und sein Vater lehrt ihn einige Regeln und Religion. Als der Vater ebenfalls stirbt, verlässt Gus den Wald, wird prompt überfallen von ein paar Gestalten, die komische Worte wie „Hybrid“ oder „Deer-One“ gebrauchen und natürlich wird Gus gerettet von einem Mann namens Jepperd. Wortkarg, groß, muskulös… Typ Willis, nur etwas sicker.

Der erzählt Gus von einem „Preserve“, wo man sich um Mutanten wie ihn kümmern würde, beide machen sich auf die Reise und auf dem Weg lernt Gus viel von der Krankheit und die Welt, in der er lebt. Und selbstverständlich ist nichts so, wie es zunächst erscheint.

Ein grandioses Comic, wer „The Nobody“ gelesen hat, kennt Jeff Lemires eher lakonischen Erzählstil und die eher groben, aber dennoch genauen Zeichnungen. Sweet Tooth kombiniert das mit einer stellenweise brutalen Dystopie, durchmischt die locker mit Zitaten aus Filmen (ich habe unter anderem Motive aus „28 Days later“ und natürlich „Mad Max“ entdeckt), paart seinen Indie-Comicstyle mit handfester Action und streut auch die ein oder andere psychedelische Sequenz ein.

Die Charaktere sind detailiert gezeichnet und machen eine konsequente Entwicklung durch, Rückblenden werden pointiert und sparsam eingesetzt. Genug, um die Figuren zu verstehen, ohne die Geschichte in einer Erklärbärsoße zu ertränken.

Mit anderen Worten: Sweet Tooth ist ein fantastisches Comic und nicht nur für Leute mit Apokalypsen-Fetisch interessant. Für Comicfreunde ein Must-Have. Als Sammelband gibt es bisher die ersten fünf Ausgaben (Book One: Out of the Deep Woods), der Sammelband mit den nächsten sechs Heften erscheint erst im Dezember (Book Two: In Captivity), deshalb empfehle ich jedem: Rennt zu Eurem Comichändler und holt Euch die Einzelhefte. Das Ding ist wahnsinn, versprochen!

Danke für den Tipp an Nilzenburger, der Sweet Tooth schon vor einer ganzen Weile besprochen hatte, ich habe die Hefte aber erst heute morgen fertiggelesen, hier die Links zu Amazon, nach dem Klick noch ein paar weitere Panels.

Amazon-Partnerlinks: Sweet Tooth Vol. 1: Out of the Woods, Sweet Tooth Vol. 2: In Captivity