DC-Relaunch #4: Batman, Supergirl, Wonder Woman

Mein Comicdealer Der Grobe Unfug – hier ihr Blog, hier auf Twitter, alles sehr sympathische und superkompetente Leute, bei denen man auch per Mail Serienabos verwalten und Mailorders aufgeben kann – sponsort mir dankenswerterweise alle 52 Neustarts während des Reboots der wichtigsten Serien von DC Comics, jede Woche werde ich zu allen erschienenen Ausgaben mindestens ein paar Worte verlieren. Heute: Batman, Birds of Prey, Blue Beetle, Captain Atom, Catwoman, DC Universe presents: Deadman, Green Lantern Corps, Legion of Super-Heroes, Nightwing, Red Hood and the Outlaws, Supergirl, Wonder Woman.

tl;dr: Wieder eine sehr durchwachsene Woche mit wenigen guten (Batman, Supergirl, Wonder Woman), ein paar netten (Blue Beetle, Deadman, Red Hood and the Outlaws), ein paar egalen (Birds of Prey, Catwoman, Green Lantern Corps, Nightwing) und zwei ziemlich schlimmen (Captain Atom, Legion of Super-Heroes). Abo: Batman, Supergirl, Wonder Woman.

Toller Neustart für Batman! Scott Snyder kann einfach grandios Geschichten erzählen, die hier ist praktisch die Rede von Bruce Wayne zu seiner Vision eines zukünftigen Gothams, visuell bebildert mit Rückblenden eines Kampfes zwischen ihm und praktisch der versammelten Supervillains aus dem Batman-Universum, minus Joker. Dazu wie immer technischer Schnickschnack und Snyder gibt der Story eine typische Dreiteiligkeit, beginnend mit dem Kampf, dazu aus dem Off der Beginn seines Vortrags:

Every Saturday, the Gotham Gazette includes a small lifestyle piece calles ‘Gotham is’. In the column, random Gothamites are asked to complete the sentence ‘Gotham is…’ using three words or less. The Gazette has been running the ‘Gotham is’ column for years, ever since I was a boy.

Here are some of the words used to describe Gotham the past few weeks: Damned. Cursed. Bedlam. Murderous… Gotham is ‘vollainous’. Gotham is ‘a losing game’. Gotham is hopeless.

Diesem Auftakt zu Bruce Waynes Rede zur Zukunft Gothams folgt in der Rückblende ein einziges, kleines Panel, in dem man Batmans mittleres Gesicht sieht, und er sagt: „*sigh* There’s no place like home.“ Danach verteilt Batman Prügel. Dem folgt der zweite Teil: Bruce Waynes Rede zur Zukunft Gothams und dem wiederum folgt der Auftakt zur eigentlichen Storyline. Klassischer Dreiakter, elegant erzählt und ineinander verwoben. Toll!

Die Zeichnungen sind gut, manche Panels sogar toll, aber die mangaesken Figuren Bruce Waynes und seiner drei Ex- und aktuellen Robins verstören und wollen nicht zum dreckigen und düsteren restlichen Stil passen, auch wenn man das als gewollten Stilbruch betrachten könnte. Aber auch die stellenweise durchwachsenen Zeichnungen nehmen der Story nichts. Definitive Empfehlung, Ryder könnte mit seinem Batman ‘nen ziemlich großen Wurf landen.

Ein Wort noch zum neuen Batman-Logo: Wer diese typografische Vollkatastrophe verbrochen hat, sollte umgehend gefeuert werden. Dagegen war das bereits unpassende und schlechte vergangene Logo ein grafisches Wunderwerk.

Birds of Prey sind ein Superhelden-Team aus Batman-Protagonistinnen aus der zweiten und dritten Reihe. Ich hab’ nicht verstanden, was das Heft mir erzählen will, ich kannte die meisten der Figuren nicht, sie werden auch nicht erklärt und ich war auch zu faul, mich mit ihnen zu beschäftigen, weil mir das Comic die Charaktere nicht schmackhaft machen konnte. Durchschnittlich gezeichnet, uninteressant erzäht, vergessenswert, egal. Als Reboot äußerst schwach, für Hardcore-Fans des Batman-Universums aber wahrscheinlich ein Muss.

 

Blue Beetle hat mich überrascht. Eigentlich ist das Comic ziemlich durchschnittlich: Ein blauer Skarabäus landet nach galaktischem Gemetzel auf der Erde, hunderte Jahre später kloppen sich ein paar Supervillains darum und zufällig kommt ein Teenager vorbei, der sich mit dem Vieh verbindet und zum zukünftigen Blue Beetle wird. Durchschnittlich gezeichnet, die Story ist eigentlich auch nichts neues und obendrein spielt das alles im Green Lanter-Umfeld, was für mich immer ein Grund ist, ein Comic wegzulegen. Aber irgendwas an der Story hat mich angemacht und ich werde die Serie im Auge behalten.

 

Zu Captain Atom das „beste“ gleich zu Beginn: Die Zeichnungen sind angenehm verschroben. Das war’s. Darüberhinaus passen die Einzelteile der Panels nicht zusammen, Captain Atom selbst ist „weichgezeichnet“, der Rest in harten Farb-Flächen mit großzügigen schwarzen, ebenfalls flächigen Schattierungen ohne Outlines gezeichnet. Passt nicht, ist nicht wirklich gut, aber es ist graphisch seltsam, was nicht ganz uninteressant ist.

Die Story ist schlecht. Cap Atom ist im Reboot praktisch ein Ripoff von Dr. Manhattan aus Alan Moores Watchmen, zunächst verwandelt er einen Roboter in einen Menschen, dann siniert er zusammen mit seinem Mentor Dr. Megala (jeez!) darüber, dann bricht selbstverständlich ein Vulkan in Manhattan aus, ein Kernreaktor explodiert fast und in San Francisco passiert auch irgendwas. Der Rythmus des Storytelling ist völlig unbeholfen und willkürlich, dazu die „interessanten“ Zeichnungen. Wahrscheinlich das schlechteste Comic dieser Woche des DC Reboots.

 

Seufz, Catwoman. Was soll man jetzt dazu sagen. Ich hab’ ja generell nichts gegen Titten und Ärsche, aber DC Comics kann man in diesem Comic durchaus Sexismus vorwerfen. Ich meine, die Dame zeigt auf den ersten Seiten praktisch überall eine halb-entblösste Brust. Nix gegen Erotik in Superhelden-Comics, aber mit der groben Kelle muss man mir die dann auch wieder nicht einflößen. DC schreit in diesem Comic gradezu in Großbuchstaben: CATWOMAN IZ THE FUCKBABE! Wie gesagt: Seufz. Gottseidank gibt’s ab dem Mittelteil ein bisschen mehr Substanz, nur um am Ende bei einer Nummer mit Batman zu landen.

Das alles ist freilich nicht wirklich schlecht, aber das Heft wirkt wie die in Comic gegossene Form einer Dame, die ich mal vor Jahren in einem Club traf. Die war so dermaßen horny, dass sie sich wirklich so offensichtlich jedem so heftig an den Hals schmiss, dass keiner auf sie Bock hatte. Natürlich ist das alles sexy und auch gut gezeichnet, ich bevorzuge aber ehrlich gesagt subtilere Damen.

 

DC Universe presents wird eine Serie mit unbekannteren Figuren aus dem DC Universum. Die erste Ausgabe handelt von Deadman, einem Geist, der in problemgeplagten Menschen lebt und diesen weiterhilft, oder so ähnlich. Als Serienkonzept ist DC Presents sicher interessant, der Auftakt mit Deadman ist schön erzählt und gut gezeichnet. Kann man empfehlen, muss man aber nicht haben. Nett.

 

Green Lantern Corps, das Comic um Green Lanterns intergalaktische Polizeiwache, der Reboot mit jeder Menge auseinandergeschnittenen Aliens, die auch explizit gezeigt werden. Das Gemetzel macht die Grüne Leuchte hier sogar für mich interessant, aber ich muss trotzdem immer lachen, wenn ich die riesige Grüne Lampe auf dem Planeten Oa sehe. Was für ein (im negativen Sinne) beklopptes Konzept. Das Heft ist okay, die Serie wird aber trotzdem doof.

 

Legion of Super-Heroes sind jede Menge Superhelden aus der Zukunft, die irgendwelche Sachen können und irgendwelche Dinge damit tun. Mehr habe ich nicht geschnallt. In dem Heft trifft man auf ungefähr 1247 unterschiedliche Figuren – wahrscheinlich sind es etwas mehr! –, eine Storyline gibt es (glaube ich) nicht. Die Serie hat außerdem irgendwas mit den Legion Lost-Comics zu tun, und das war das schlechteste Heft der vergangenen Woche. Die Zeichnungen sind Durchschnitt, das Comic aber völlig uninteressant. Zweitbestes Heft der Woche von hinten.

 

Nightwing ist Dick Grayson, Batmans Ex-Robin, in seiner eigenen Comic-Reihe. Eigentlich ist er Batman in einem anderen Kostüm und mit Zirkus-Schnickschnack statt Technik-Schnickschnack, der Rest ist praktisch gleich. Der Reboot ist als solcher okay, Dick Grayson kommt zurück nach Gotham, kloppt sich ein bisschen und hüpft bei alten Freunden im Zirkus rum. Ein wenig ärgerlich finde ich, dass man das Ende der Story nur wirklich begreift, wenn man das erste Batman-Heft aus dem Reboot gelesen hat. Selbstverständlich ist das toll für die Hardcore-Fans, die ohnehin alles aus dem Batman-Universum lesen und deshalb auch wissen, was das erste Birds of Prey-Heft sein sollte. Nett, ja, auch okay gezeichnet, werde ich aber nicht weiter verfolgen.

 

Red Hood and the Outlaws haben auch irgendwas mit dem Batman-Umfeld zu tun, zumindest fällt ein paar mal das Wort „Gotham“. Roy Harper ist jedenfalls gefangen im fiktiven Land Qurac im mittleren Osten, wo er von Red Hood aka Jason Todd rausgehauen und zwar mit jeder Menge Wumms. Und auf ihrer Flucht kommt Starfire, eine rothaarige Alien-Dame, und macht 50 Panzer platt. Der Rest ist Sex mit Alien-Dame auf exotischer Insel und ein paar Cliffhanger.

Für Starfire gilt dasselbe wie für Catwoman: Äußerst sexy gezeichnet, äußerst üppig, in der letzten Hälfte des Heftes nur mit ausgestrecktem Arsch und im Bikini zu sehen. Das macht (natürlich) durchaus Spaß, aber das Wort Sexismus kriege ich beim Lesen einfach nicht aus dem Kopf. Die Zeichnungen sind stellenweise fast sensationell, die Panel-Layouts ebenso, die Story ist trotz aller Vorwürfe interessant. Sehr nett, behalte ich definitiv im Auge und zu den Sexismus-Vorwürfen sollte sich DC vielleicht mal mit die Reaktionen von Kids auf diese Figuren durchlesen. Just saying.

 

Supergirl hat mir trotz der minimalen Story sehr gut gefallen: Ein waschechter Reboot, Supergirl landet in Sibirien, weiß nicht, wo sie ist und was sie hier soll, als auf einmal ein paar Mechas auftauchen und sich mit ihr anlegen. Als die Sonne aufgeht, entdeckt sie ihre Superkräfte, die sie noch nicht wirklich unter Kontrolle hat und kurz bevor sie die Mechas plattmacht, letztlich nur Soldaten eines Alien-Begrüßunskommittees oder sowas, die nichts wirklich böses im Schilde führen, schwebt am Ende in der Luft: Supes.

Schnönes Comic, durchschnittlich gezeichnet und die Story… nun ja, sie kämpft während des ganzen Heftes nur gegen die Bots und entdeckt ihre Superkräfte. Dennoch sehe ich ziemlich viel Potential, werde ich auf jeden Fall weiterlesen.

 

Wonder Woman ist ein ziemlicher Wurf und das trotz eher nur okayer Zeichnungen. Ich bin kein Fan von Wonder Woman, obwohl ich sehr auf griechische Mythologie stehe. Was ich da bislang gelesen habe, war mir immer zu glatt und zu… golden. Außerdem: Ein unsichtbarer Jet. Das ist fast so schlimm, wie eine grüne Leuchte.

Nicht so hier: Der Reboot ist für Wonder Woman-Verhältnisse angenehm düster, eigentlich ist es strenggenommen eine Horror-Story mit Monstern, abgetrennten Pferdeköpfen und in der Luft verbrennenden Mädchen. Dabei frei an griechischer Mythologie orientiert. Ich weiß nicht, ob ich die Serie lange lesen werde, aber ich habe sie mir erstmal abonniert. Das beste Heft der Woche, zusammen mit Batman.