DC-Reboot #5: All Star Western, Superman, Justice League Dark

Mein Comicdealer Der Grobe Unfug – hier ihr Blog, hier auf Twitter, alles sehr sympathische und superkompetente Leute, bei denen man auch per Mail Serienabos verwalten und Mailorders aufgeben kann – sponsort mir dankenswerterweise alle 52 Neustarts während des Reboots der wichtigsten Serien von DC Comics, jede Woche werde ich zu allen erschienenen Ausgaben mindestens ein paar Worte verlieren. Heute: All Star Western, Aquaman, Batman – The Dark Knight, Blackhawks, Green Lantern – New Guardians, I, Vampire, Justice League Dark, Savage Hawkman, Superman, Teen Titans, The Fury of Firestorm, The Flash, Voodoo.

tl;dr: Auch der letzte Run im DC-Neustart ist eher durchwachsen, wenn auch stärker als die vorangegangene Woche mit einem richtigen Kracher (All Star Western), ein paar guten (Superman, I, Vampire, Aquaman, Justice League Dark), ein paar egalen (Blackhawks, Green Lantern – New Guardians, Teen Titans, Voodoo), zwei, die’s wirklich besser verdient hätten (Flash, Savage Hawkman, Batman – The Dark Knight) und einem blöden (The Fury of Firestorm). Abos: Superman, Aquaman, Flash, All Star Western.

All Star Western ist DCs Neuauflage ihrer klassischen Western-Serie aus den 50er und 70er Jahren. In den Siebzigern begann Jonah Hex seine Karriere als vernarbter Western-Badass in dieser Serie und auch die dritte Neuauflage des Hefts beginnt mit einer Hex-Story. Und mit was für einer! Im Gotham Anfang des 19. Jahrhunderts geht ein Jack the Ripper-ähnlicher Killer um, die Polizei tappt im Dunkeln und holt Psychiater Doktor Amadeus Arkham dazu. Obendrein heuert man Kopfgeldjäger Jonah Hex an, beide zusammen sollen den Fall lösen.

Ein sehr „schön“ erzähltes, fast grandioses Comic. Ich nehme Hex sogar seinen Klischee-Südstaatenslang ab („Ah’ll kill ya’ll!“), die Mixtur der Charaktere Psychodoktor und Badasskopfgeldjäger funktioniert fantastisch: Hex ballert und prügelt sich durch das Comic, während wird er von Arkham analysiert: „Seeking out dangerous Situations, Alcohol, Gambling and Promiscuity are likela his primary Motivating factors. In addition to his orgiastic approach to violence, it may possibly be his only means of finding enjoyment. I am fascinated and terrified by him.“

Dazu die Zeichnungen, alle westerngerecht in braun und Ockertönen gehalten, mit lockerem, schnellen, aber detailierten Strich, gezeichnet. Das alles macht ganz, ganz großen Spaß und ist eins der besten Comics des kompletten Neustarts. Definitiv abonniert.

 

Prinzipiell ein guter Aquaman-Neustart, schöne Geschichte mit einem zurückkehrenden Aquaman, der genervt ist, weil ihn alle für einen lamen Superhelden halten (ich übrigens nicht, ich bin Aquaman-Fan) und denken, er könne nur mit Fischen reden. Nachdem er mal flugs ein paar flüchtende Bankräuber dingfest gemacht hat und daraufhin von einem Cop gefragt wird, ob er ein Glas Wasser brauche „or something“, hüpft er erstmal aus der Stadt und setzt sich in ein Fischrestaurant (jeez!) wo er Fish’n'Chips bestellt (JEEZ!). Die Leute sind natürlich entsetzt!

Dort wird er von einem Blogger genervt, dem er seine Origin-Story erzählt und der am Ende natürlich Aquaman ans Bein pissen muss: „How’s it feel to be nobodys favorite Super-Hero?“ Prinzipiell schönes Comic, gut erzählt, aber alles zu glatt, inklusive der Zeichnungen. Bei Geoff Johns gibt’s keine Ecken, keine Kanten und damit keine echten Charaktere. Das unterscheidet ihn von richtigen Geschichtenerzählern. Aber für so ein Mainstream-Comicding: Nicht schlecht, werde ich mal eine Zeitlang abonnieren, aber ich bin auch Aquaman-Fan.

Batman – The Dark Knight ist mit einigem Abstand das schlechteste Heft aller Batman-Comics des Neustarts, inklusive des überflüssigen Nightwings. Die Story beginnt zunächst mit Bruce Wayne, der mal wieder eine Rede hält. Im Gegensatz zum tollen Batman-Neustart (der anderen Batman-Heftserie) ist die aber weder toll formuliert noch irgendwie mit der Story verwoben. Die ist nur der Anlass, einen Cop der Abteilung für Innere Angelegenheiten auftreten zu lassen, der ihn wegen der Finanzierung von Batman Inc ausfragt, was man auch nur weiß, wenn man die Serie bereits kennt. Reboot Fail. Daraufhin der Arkham-Ausbruch, der bereits in den anderen Heften thematisiert wurde und dann ein Twoface-Hulk.

Mir ist das alles zu bunt, zu blöd und zu plump erzählt. Schwach, nur für Batman-Hardcore-Fans empfehlenswert.

 

Blackhawks ist ein Militär-Piloten-Comic. Wer GI Joe mag, wird auch Blackhawks mögen. Mich interessiert beides genau Null.

 

Green Lantern – New Guardians ist tatsächlich ein Green Lantern-Heft, das mir einigermaßen gefallen hat, wenn man mal von der grundsätzlichen Blödheit des Konzepts mit den Laternen absieht – ich meine, ich kann’s nicht öfter betonen: Es gibt ein „ikonisches“ Comicpanel von Green Lantern, da fliegt er mit einer Lampe in der Hand durch’s Weltall. Mit einer beknackten Öl-Lampe in der Hand durchs All! Wie scheiße kann ein Superheld sein? Jedenfalls: Abgesehen davon hat mir dieses Comic gut gefallen.

Es beginnt damit, dass der letzte Überlebende der kleinen blauen Obermuftis und Wächter der riesigen grünen Laterna auf Oa (hrhr) auf der Erde grade die dritte oder vierte Laterne – ich kann das ja nicht unterscheiden, warum die Erde fünfhundertdreiunddreißig verschiedene Lanterns braucht, muss mir mal einer erklären, man stelle sich mal vor, es gäbe zwei Batmans… wait… –, jedenfalls wird grade eine weitere Laterne mit Ring ausgestattet, die fliegt ein bisschen rum und macht grüne Sachen

Währenddessen fliegen den andersfarbigen Laternen die Ringe weg, die ein oder andere Laterne (hrhr) stirbt daran und alle Ringe fliegen natürlich zur frischen drölften Laterne (hrhr) Kyle Rayner und wolle alle was mit ihm anfangen. Natürlich kommen die „Wächter der anderen Farben“ (ich nenn die einfach mal so) gleich mit und wollen ihm an die Gurgel. Wenn ich mir das alles nochmal so durchlese, muss ich ja schon wieder lachen… aber nein, im Ernst: Für eine Green Lantern geht das okay. Interessiert mich von allen Green Lantern-Comics am meisten, werde ich im Auge behalten.

 

I, Vampire ist schwierig. Das Comic erzählt die Story von Vampir Lord Andrew Bennett und Mary Seward, seinem Opfer. Er wird zum Vampir-Jäger, sie zur Vampir-Obervorsteherin, er muss sie jagen, liebt sie allerding. Einerseits ist es toll erzählt mit den abwechselnden Rückblenden und den Dialogen in der Gegenwart und es hat einen so toll-absurden Moment, als die beiden Vampire sich als Wölfe am See über „Superman and a half-dozen Green Lanterns and Wonder Woman“ unterhalten, während sie in den See latscht und als Fledermaus mit einem Schwan in den Fängen davonflattert. Das ist schön erzählt und toll gezeichnet, einerseits.

Andererseits musste ich mir die Backstory von Wikipedia holen, denn im Comic wird sie nicht verständlich gemacht, man kann aber davon ausgehen, dass sie in den folgenden Heften noch genauer erklärt wird. Schönes Ding, vielleicht ein bisschen zu twilightesk – Haunted Souls in Love und so’n Quatsch – aber definitiv gut erzählt und gut gezeichnet. Werde ich im Auge behalten, vielleicht sogar abonnieren, überlege ich mir noch.

 

Justice League Dark ist sowas wie das übernatürliche Pendant zur Justice League. Die Mitglieder sind Shade, the Changing Man, der sich die Welt so machen kann, widewidewidewie sie ihm gefällt und sich Freundinnen für eine Nacht erschafft, nur um sie am Morgen zu Ektoplasma zu verarbeiten. Madame Xanadu, Mystikerin, Orakel, oder sowas. Deadman, ein Geist, zuletzt vorgestellt in DC Universe presents. Zatana, die Hexe und John Constantine, der Geisterjäger haben vermutlich was am laufen.

Hier bekämpfen sie die Enchantress, die in einer Hütte in einem Briefumschlag rumliegt und mal eben Supes, Wonder Woman und Cyborg plattmacht. Währenddessen wird eine blonde Dame verdreissigtfacht und die Doppeldingse tauchen alle auf einmal auf einem befahrenen Highway auf. Das Panel macht großen Spaß, das Comic insgesamt auch so halbwegs. Werde ich im Auge behalten.

 

Ich bin ja Savage Hawkman-Fan und ja: Ich tendiere dazu, die Comic-Charaktere blöd zu finden, die alle toll finden (Green Lantern) und die toll zu finden, die alle blöd finden (Aquaman, Superman, Hawkman… naja, auf Batman und Flash können sich eh alle einigen). Im Neustart will Carter Hall – der ursprüngliche, erste Hawkman – nichts mehr mit seinem gravitationsaufhebenden Superheldendress aus dem sagenumwobenen Nth Metal zu tun haben, und will es im Wald verbrennen. Geht natürlich schief und das Ding verschmilzt mit seinem Körper. Ein paar Tage später erwacht Carter, trifft bei der Hebung eines Alien-Raumschiffes (der Herr ist Archäologe) auf ein Vemon-artiges Viech und ab geht die Luzie.

Ach naja, das Comic ist durchaus anständig und ich bin dem Hawkman ja immer ganz wohlgesonnen, aber wirklich gut ist das hier nicht, die Zeichnungen sind stellenweise schlampig, stellenweise beinahe toll, die Story ist auch eher so mittelinteressant. Als Fan überlege ich mir das mit dem Abo noch und ob man das hier empfehlen kann… um ehrlich zu sein: Eher nich’ so.

 

Superman ist sauer. Das alte Hochhaus, das seit ein paar Jahrzehnten den Daily Planet beherrbergte, wird plattgemacht. Clark Kents Arbeitgeber wurde an ein Medienimperium von Morgan Edge verkauft, Lois Lane wurde in seinem Konzern zur Top-Notch-Obernachrichtendame und Vorsteherin der Online-Sparte. Ein paar Blocks weiter steht der neue Planet, der eigentlich genauso aussieht: Kugel oben drauf, ziemlich hoch, ziemlich groß, ein paar mehr Heli-Landeplätze. Perry White sieht jetzt aus, wie ein Superheld, Jimmy Olsen sieht aus wie Justin Bieber. Der erste Gedanke vom Man of Steel ist „Bull!“ So beginnt der neue Superman.

Für neue Leser ist das Heft nicht leicht zu verstehen, sehr viele Figuren werden auf einmal eingeführt, die Exposition ist vollgestopft bis zum Platzen mit Referenzen an das Super-Universum. Alleine die ersten fünf Seiten wechseln ständig zwischen Rückblenden und Auseinandersetzungen zwischen Print-, Boulevard- und Online-Journalismus, dem in einer kontrollierten Explosion zusammenfallenden alten Planet, dem Medien-Trara drumherum, den ersten Andeutungen der eigentlichen Story und Szenen von Superman im Himmel über Metropolis. Das könnte konfus sein, ist aber bei aller fast hektischer „Komplexität“ – Komplexität zumindest für ein Superhelden-Comic – gut und verständlich erzählt. Schließlich landen wir beim Start der eigentlichen Story: Ein Terroranschlag mit Chemieabfällen beschäftigt Supes, während dem neugebauten Astrodome ein riesiges Feueralien entsteigt. Der Rest ist Heckmeck und im Epilog finden wir Clark Kent, nicht mehr verheiratet mit Lois, die mit einem ihrer TV-Kollegen rummacht. Ein fast depremierendes Ende.

Tolles Comic. Sauber erzählt, klassischer Superman-Stoff, in diesem Heft mit sehr vielen New Media-Elementen („they are all twittering“ – psst, DC, das heisst „tweeting“), die Verschachtelung mit der News-Nebenstory funktioniert prächtig und gibt dem Geschehen Dramatik. Definitiv eine Empfehlung, wenn auch kein leichter Stoff für Einsteiger. Definitiv abonniert, aber das hätte ich ohnehin getan.

 

Die Teen Titans sind die Superheldengruppe aus der Jugend des DC Universums. Das richtet sich natürlich an jüngeres Publikum, das erste gesprochene Wort im Comic (gleich im ersten Panel) ist „Meh“ und das ist auch meine Meinung zum Heft. Das Comic ist sicher irgendwie gut für Leute, die die Teen Titans schon immer gelesen haben, es ist beinahe toll gezeichnet und ordentlich erzählt, soweit ich das nachvollziehen konnte und das Heft hat einen wirklich schönen Cliffhanger mit Anspielung auf den Superboy-Relaunch von vor zwei Wochen. Empfehlung für Fans und solche die’s werden wollen, mich selbst haben die noch nie interessiert, auch wenn sie anscheinend wichtig für das DC Universum sein sollen. Vielleicht hab’ ich was verpasst. Meh.

 

The Fury of Firestorm ist die Story um Ronnie Raymond, Football-Spieler an der Highschool (noch) und Kind einer alleinerziehenden Mutter. Parallel zu dieser Geschichte erfährt man, dass eine Bande fieser Agenten auf der Jagd nach „magnetic Bottles“ sind, die das „Firestorm Protocol“ enthalten. Dafür gehen sie über Leichen, löschen ganze Familien aus und jagen ganze Wohnviertel in die Luft (letzteres wird natürlich nur erzählt und nicht gezeigt, denn wir befinden uns in einem schlechten Vertreter eines visuellen Mediums.) Ebenfalls auf der Highschool ist Jason Rusch (der im Besitz einer der „magnetic Bottles“ ist), im DC Universum ein späterer Firestorm und beide zusammen treffen Abends an der Schule auf die fiesen Agenten, eins führt zum anderen, Boom, und beide werden zu Firestorms, irgendwelchen Nuklearbombenleuten, schließlich verschmelzen sie in einer noch größeren Explosion zu Fury of Firestorm.

Die Story könnte interessant sein, wäre sie nicht so plump, simpel, unelegant und unglaubhaft erzählt, obendrauf sind die Zeichnungen maximal mittelokay bis schlecht, das Comic sieht nicht aus, als wäre es fertiggezeichnet. Ein schlechtes Comic, versammelt für mich alles, was an Superheldencomics schlecht sein kann.

 

The Flash ist einer meiner Lieblingscharaktere aus dem DC Universum (ich habe insgesamt 4 Lieblingscharaktere: Batman, Supes, Flash, Plastic Man), trotz seiner lamen Gegenspieler, (und trotz der immer wieder ziemlich schlechten Zeichnungen von Scott Kolins, wegen denen ich vom letzten Run drei oder vier Hefte für nahezu unlesbar halte). Wie auch immer: Der Neustart hier ist keiner, es wird keine Origin-Story erzählt. Barry Allen hängt auf einem Empfang rum, als Terroristen einfallen, Flash wird zum Flash und so weiter. Später stellt sich heraus, dass Barry einen der fiesen Jungs aus seiner Jugend kannte.

Streng genommen ist der Flash-Neustart nicht mehr als okay. Die Zeichnungen sind schlicht und nicht weiter erwähnenswert, die Story nicht uninteressant, der Cliffhanger zur nächsten Ausgabe ist toll. Ich als Fan werde mir den Flash natürlich abonnieren, ob die Serie für Neueinsteiger interessant genug ist, wage ich (leider) zu bezweifeln. Schade.

 

Voodoo ist Striptease-Tänzerin. She’s a private Dancer und zwei Cops sind auf sie angesetzt, der männliche davon gönnt sich eine Privatvorstellung und tappt natürlich in die Falle. Das Comic zeigt praktisch auf jeder Seite leichtbekleidete Stripperinnen, immerhin präsentiert er mit dem weiblichen Cop sowas wie eine starke Frauenfigur. Die Zeichnungen sind schlechter Durchschnitt, die Story ein ganz offensichtlicher Species-Ripoff, völlig unoriginell und sehr simpel erzählt. Komplett vergessenswert.