Charlie Brookers Black Mirror S01E03: The Entire History of You

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Gestern abend lief die dritte und letzte Episode von Charlie Brookers Mini-Serie Black Mirror: The Entire History of you. Geschrieben wurde die Folge von Jesse Armstrong, Schreiber der Channel 4-Sitcom Peep Show (die ich auch auf’m Schirm habe und die mir von einer Freundin empfohlen wurde, die ich bislang aber nicht gesehen habe). Die Clips sind grade bei Youtube aufgetaucht, oben der erste Teil, der Rest nach dem Klick.

In dieser Folge sind die Menschen über ein Implantat mit einem System verbunden, das alles aufzeichnet, was sie sehen und hören. Jeder Moment kann zurückgespult, gezoomt und pausiert werden und „The Entire History of You“ fragt nach Post-Privacy und Intimität und was passiert, wenn natürliche menschliche Emotionen (in diesem Fall die Eifersucht) durch Technologie wie ein Krebsgeschwür wuchern kann, wenn ehemalige Kontrollmechanismen (wie das banale Vergessen oder Übersehen) wegfallen und die Folge kann wahrscheinlich von sich behaupten, die seelenloseste aller Sexszenen zu zeigen.

Die Episode „The Entire History of You“ beginnt mit einem Vorstellungsgespräch des jungen Anwalts Liam, der dieses Gespräch danach im Taxi mit seinem „Brain-Pod“ (so taufe ich das Ding mal, sieht aus wie ein USB-Stick mit Clickwheel) zurückspult, analysiert und meint festzustellen, dass er den Job nicht bekommen würde. Abends trifft er sich mit seinen Yuppie-Freunden zu dem, was Yuppie-Leute so tun, wenn sie Festplatten im Kopf haben. Als Liam diesen Abend wiederum zurückspult, verdächtigt er seine Frau des Ehebruchs mit Frauenheld Jonas. Der Verdacht erweist sich als korrekt und selbstverständlich eskaliert ab hier alles.

„History“ ist die bitterste und deprimierendste aller drei Folgen, wahrscheinlich auch die zynischste und deshalb die schwächste. Ihr fehlt der bissige Humor der vorangegangenen Folgen, hier wird nicht mit Schweinen gevögelt und hübsche Mädchen singen hier keine tollen alten Soul-Songs. Stattdessen ist das hier eine Brooker-Version von Lars von Trierschem Psychoterror inklusive Sexualität und Gewalt. „History“ ist ein ziemlicher Schlag in die Magengrube und hinterlässt die Serie mit einem niederschmetternden, absolut hoffnungslosen Finale. Das ist ein bisschen schade, aber es ist auch Jammern auf sehr hohem Niveau, denn wirklich schwach ist die Folge sicherlich nicht. Im Gegenteil: Gewohnt gut inszeniert, fesselnd, auf eine psychologische Art knallhart konfrontiert „History“ mit den Folgen von Technologie, wenn man sie linear in die Zukunft denkt. Ich jedenfalls musste danach erstmal eine Weile über Facebook und Cyberstalking nachdenken.

„Black Mirror“ ist damit beendet und die Serie war wohl zusammen mit Game of Thrones das beste, das dieses Jahr über die Mattscheibe geflimmert ist. Falls jemand die beiden ersten Folgen verpasst hat: hier hatte ich Teil 1 gepostet: The National Anthem, hier Teil 2: 15 Million Merits. Ganz, ganz grandiose Fernsehunterhaltung mit einem furchtbar bitteren Abschluss. Aber auch hier gilt natürlich: Absolutes Must Watch, bloody brillant.

Teil 2

Teil 3

Teil 4