Ready Player One (Review)

Ich hab’ in den letzten Wochen endlich Ernest Clines Debut-Roman „Ready Player One“ zu Ende gelesen, mit dem mich von Anfang an sowas wie eine Hassliebe verbunden hatte. Stellenweise musste ich mich durch das Buch kämpfen und hier steht jetzt, warum ich’s am Ende doch ganz gerne mochte. Ernest Cline kennt man vor allem als Drehbuchautor des Films „Fanboys“, die Rechte für eine Verfilmung von „Ready Player One“ wurden noch vor Fertigstellung von Warner gekauft, das Ding war auf Bestsellerlisten und wurde überall hoch gelobt und ich hab’ mich beim Lesen mehr als einmal gefragt, warum das so ist.

„Ready Player One“ erzählt die Story von Wade Watts, der im Jahr 2044 in einer dystopischen Welt lebt. Die große Rezession hat die Erde ausgedörrt, die Menschen leben zu großen Teilen in vertikalen, suburbanen Ghettos, den Stacks: Aufeinandergetürmte Wohntrailer. Die Menschen entfliehen dieser Realität in die OASIS, einem Second Life-ähnlichen Internet, in dem sich eine virtuelle Parallelgesellschaft gebildet hat. Hier geht Wade zur Schule und trifft sich mit virtuellen Freunden in privaten Chaträumen, während er seinen Avatar hochlevelt. Extrem-Gamification quasi. Der Programmierer der OASIS, James Halliday aka Anorak, hinterließ nach seinem Tod zwei Dinge – eine Schnitzeljagd und seinen Almanach: Wer auch immer „Hallidays Egg“ in der Oasis findet wird Chef der Gregarious Simulation Systems, die Betreiberfirma der OASIS, und erbt Hallidays Millardenvermögen. Dazu müssen die Gunter – die Ei-Jäger – drei Schlüssel finden und die Aufgabe hinter den Toren meistern, die mit diesen Schlüsseln geöffnet werden. 2044 sind fünf Jahre seit dem Tode Hallidays vergangen und niemand hat auch nur eine Spur zu den Schlüsseln entdeckt, die Gunter nicht und auch nicht die „Sixer“, Angestellte der Firma Innovative Online Industries (IOI), die eine Übernahme der OASIS planen und dazu Hallidays Ei finden wollen.

Freilich: Wade findet den ersten Schlüssel, meistert die erste Aufgabe und ist in einer Welt, die nur noch aus Dystopie und einer Online-Realität besteht, ein Weltstar und natürlich geht’s damit erst richtig los.

Räumen wir erstmal die richtig beknackten Seiten des Buchs aus dem Weg: Es hat ein paar wirklich tiefe Löcher im Plott, Regeln die es selbst aufstellt, werden mehr als einmal gebrochen, einfaches Beispiel: An einer Stelle muss Wade ein perfektes Pacman-Game spielen, inklusive des Killscreens. Für ein perfektes Game muss man alle Leben behalten, schreibt Cline zu beginn des Abschnitts nur um ein paar Absätze danach etwas von verlorenen Leben zu tippen. Solche Stellen gibt es mehrfach, aber damit kann ich leben. Was mich wirklich sehr gestört hat, ist die für einen SciFi-Roman erstaunliche Verhaftung in der Vergangenheit. Das Buch besteht auf weiten Strecken aus Beschreibungen von Popkultur aus den 80ern und Beschreibungen lassen sich oft auf die Formel „x sieht aus wie [item], dem [medium] aus dem Jahr 198z“: „Die OASIS-Konsole sah aus wie WOPR, dem Supercomputer aus War Games“ oder sowas. Das Buch besteht praktisch ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Referenzen, alles stammt aus alten Games, Songs oder Filmen. Das Buch ist quasi die literarische Version des (furchtbaren) Blogs Topless Robot und – um im Bild zu bleiben – ich hab’ mir ungefähr dreihundert mal gedacht: „I’m sorry, are you living in the past?“ Seltsamerweise habe ich diese Referenzorgie als weniger schlimm wahrgenommen, wenn das Namedropping nicht erklärt wurde. Wenn das Buch einfach mal einen Charakter mit dem Nickname „Harry Tuttle“ einführt, ohne zu erklären, wer das ist. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass mir dieses Popkulturmashupdings auch nur deshalb so sehr auf die Nerven ging, weil ich genau das hier auf Nerdcore seit Jahren bis zum Exzess betrieben habe und den ganzen Starwarsbacktothefuturebusterstrek nicht mehr sehen kann.

Tatsächlich stark wird das Buch dann auch konsequenterweise immer, wenn der Plot in der echten Welt spielt und plötzlich (fast) ohne irgendwelche Referenzen auskommt. Dann gewinnt die etwas klebrige, zu bunte, zu sehr mit 80ern vollgekleisterte Handlung tatsächlich Dynamik, wird spannend und nimmt Fahrt auf. Am Ende hab’ ich das Buch dann doch ganz gerne gelesen, denn auch wenn ich von dem ganzen Kram etwas die Schnauze voll habe, sind diese ganzen Anspielungen im Buch auch meine Wurzeln und //SPOILER-ALERT// außerdem muss Wade als eine der letzten Aufgaben „Monty Python and the Holy Grail“ nachspielen. Das versöhnt.

Wer also im Jahr 2012 immer noch in den 80ern lebt, der wird das Buch trotz literarischer Schwächen (sprachlich ist das Ding nicht der Rede wert) verschlingen.

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Hier die Website zum Buch, Artwork oben von Gordon Jones via Ernest Clines Website