Doku: Yangon Calling – Punk in Myanmar

Vor ein paar Wochen hatte ich einen spOn-Artikel von Alexander Dluzak verlinkt, der über die kleine Punk-Szene in Burma geschrieben hatte. Damals drehte er zusammen mit Carsten “Peewee” Piefke grade die Doku „Yangon Calling – Punk in Myanmar“ und die steht noch für ein paar Tage in der ZDF Mediathek. Unbedingt anschauen, der Film (hier die Facebook-Seite… alleine die „sinister drawings by SCUM“ wären mir ein eigenes Posting wert…) ist extrem interessant und wird noch dazu von Bela B. erzählt. Außerdem hat mir Alexander eine ganze Reihe High-Res-Bilder geschickt, geschossen von ihm und ​Matt Grace; ich hab’ die mal auf 1280px runtergerechnet. Danke, Alex und Peewee! Ganz großartige Arbeit!


 

Snip aus Alexanders Blog:

Knapp sechs Wochen haben wir undercover in Myanmar gedreht. In einem Land, das ausländische Journalisten für gewöhnlich mit einem kräftigen Tritt in den Hintern zurück nach Bangkok befördert. Von den burmesischen Kollegen ganz zu schweigen. Es war manchmal etwas gruselig, ist aber alles gut gegangen. Es ist ein ausgesprochen angenehmes Gefühl, wenn das Flugzeug vom Boden einer Diktatur abhebt und im Rucksack zwischen schmutzigen Socken haufenweise Tapes und Speicherkarten liegen.

Gerade hat es den Anschein, als ob sich die Lage in Myanmar entspannt, hoffen wir, dass es keine politischen Tricks sind und die Generäle irgendwann mit Karadzic in Den Haag sitzen. Glaub ich aber nicht und die burmesischen Punks am allerwenigsten. Abgesehen davon wüssten sie die Generäle vermutlich auch lieber mit Gaddafi in der Hölle schmoren.

Nach dem Klick noch der Pressetext:

Yangon Calling – Punk in Myanmar
Ein Film von Alexander Dluzak und Carsten Piefke ​
Sprecher: Bela B. /Die Ärzte

“Durch den Film habe ich den Glauben an die Kraft des Punk wiedergewonnen.” Bela B /Die Ärzte

„Yangon Calling“ portraitiert eine Musik-Szene, deren Existenz wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte: den burmesischen Punk-Underground. Punk ist in Myanmar weit mehr als nur die oberflächliche Kopie einer westlichen Jugendszene. Schließlich trifft die wohl rebellischste aller Subkulturen in der ehemaligen Militärdiktatur auf eines der autoritärsten Regime der Welt.

Für junge Burmesen ist Punk die Möglichkeit, der verhassten Regierung etwas entgegenzusetzen. Sie kritisieren in ihren Songs die soziale Ungerechtigkeit in Myanmar und fordern Freiheit und Menschenrechte.

Sechs Wochen lang haben die Filmemacher Alexander Dluzak und Carsten Piefke in Yangon gedreht. Sie schmuggelten sich als Touristen in das Land, filmten heimlich mit kleinen Kameras und erlangten Zugang zu einer Szene, die sich wegen den Repressionen durch die Regierung fast vollständig in den Underground zurückgezogen hat.

Den Filmemachern ist es gelungen, das Vertrauen der Punks zu gewinnen. Sie haben sie nach hause begleitet und ihre Freunde und Familien getroffen. Sie sind mit ihnen zur Arbeit in die Schneiderei und ins Tattoo-Studio gegangen, in geheime Proberäume und auf illegale Konzerte.
„The Rebel Riot“ ist die bekannteste Punkrock-Band in Yangon. Ihr Song „Saida“ ist zur Zeit die Hymne der Szene. „Saida“ bedeutet Widerstand. “Wenn wir akzeptieren wie es hier zugeht, wird sich nie etwas ändern“, sagt Sänger Kyaw Kyaw, „ich tue alles, um die Leute in meinem Umfeld aufzuklären“.

Die Geschichte von Scum, einem anderen Yangoner Punk, zeigt, welche Konsequenzen es haben kann, in Myanmar aus der Reihe zu tanzen. Der 30jährige saß sechs Jahre im berüchtigten Yangoner Insein-Gefängnis. Ein Tütchen Marihuana, das die Polizei bei ihm fand, war ein dankbarer Anlass, einen Unruhestifter aus dem Weg zu räumen. Seit zwei Jahren ist er wieder draußen, unbeugsam wie zuvor:„Wenn die Polizei mich wieder einsperren will, weil ich über Freiheit rede, dann sollen sie ruhig kommen, ich lasse mir von diesem verdammten Staat nichts mehr verbieten.“

Yangon Calling ist ein Film über das Leben in einem autoritären Staat, über persönliche Tragödien und den Kampf nach Freiheit in einem Land, in dem Punk noch echte Rebellion ist.

Regie und Kamera: Alexander Dluzak und Carsten Piefke Schnitt: Carsten Piefke Sprecher: Bela B/Die Ärzte

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