Cabin in the Woods (Review)

Ich habe grade bei den Filmfreunden mein Review (neben dem von Nilz und Batzman) zu Joss Whedons und Drew Goddards „Cabin in the Woods“ gepostet, hier auch nochmal:

Ich halte Cabin für den wichtigsten Genrebeitrag seit 20 Jahren, seit Scream nämlich. Ähnlich wie Wes Cravens Dekonstruktion des Slasher-Genres ist Cabin ein Meta-Film für das komplette Horror-Genre, wollte man Cabin beschreiben, käme man wohl am besten mit Westworld meets Evil Dead meets Lovecraft hin, angereicht mit ungefähr drei Millionen Zitaten aus ungefähr allen existierenden Horrorfilmen. Und was sich (zurecht) anhört, wie ein extremes Filmmashup und eine Zitatorgie ergibt innerhalb des Plots einen erschreckend schlüssigen Sinn.

Fünf junge Menschen fahren in ‘ne Hütte im Wald, finden im Keller seltsame Artefakte und das Tagebuch einer Frau, lesen daraus vor und werden daraufhin von einer Familie Redneck-Zombies umgebracht. Dieses klassische Slasher-Setting wird gesteuert von einer geheimnisvollen Firma im Untergrund, deren Rolle im Verlauf des Films nach und nach offenbart wird.

Das Drehbuch ist fast schon zu clever, jede Szene und jede Handlung jeder Figur ergibt Sinn und bringt den Plot voran, der Unterhaltungswert des Films ist extrem hoch, der Gorefaktor mehr als ausreichend und der Film macht gigantischen Spaß. Die absichtlich zunächst flachen Figuren gewinnen im Verlauf der Handlung an Profil im gleichen Maße, in dem der Film an Komplexität gewinnt. Überhaupt: Der Rhythmus und das Timing von Cabin ist fantastisch: Schockeffekte zünden und kommen in einer Form, die man so nicht erwartet.

 Youtube Direktcabin

Als Kenner des Genres knallt Cabin nochmal doppelt, da man die tausenden Anspielungen und Insider-Jokes erst dann versteht und dankenswerterweise erklärt der Film hier nichts (Minor Spoiler: etwa, wenn im Finale des Films einer der Mitarbeiter von einem Monster gekillt wird, das eindeutig als Remix des Monsters aus “Troll 2″ erkennbar ist und der Mann daraufhin ein “Awww, come on!” brüllt… da “Troll 2″ einer der schlechtesten Filme aller Zeiten ist). Sowas sind Perlen und Jokes von Fans für Fans und der Film ist voll von solchen Anspielungen.

Cabin ist brillant, clever und superunterhaltsam, hat Subtext und tausend Ebenen und angesichts dieser 90minütigen Awesomeness muss man von einem Arsch voll Glück sprechen, der (2009 fertiggestellte) Film wäre beinahe nie erschienen, da Metro-Goldwyn-Mayer 2010 Konkurs anmeldete, woraufhin Cabin in der Production Hell landete. Schließlich wurde er nach endlosen Verzögerungen von Lionsgate gekauft und hatte im März auf dem SXSW Premiere. Ich hoffe, dass Cabin durch Whedons Regiearbeit an der ziemlich erfolgreichen Avengers-Verfilmung nochmal ein wenig Aufmerksamkeit auf Cabin in the Woods lenkt, denn eins kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: Der Film dürfte in meiner Topliste 2012 auf der Eins landen und er hat einen Platz in meiner Top 10 der Lieblingshorrorfilme aller Zeiten. Cabin ist für Genre-Fans ein absolutes und indiskutables Must Watch, jetzt bereits ein moderner Genre-Klassiker – und der Rest hat auch seinen Spaß.

Und nach dem Klick ein paar richtige Spoiler, weil ich die Awesomeness, die dieser Film ist, selbst nochmal in Worten wiedergeben muss, um zu fassen, was ich da gesehen habe.

——————–MASSIVE SPOILERS——————–
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Die Firma beschäftigt Wissenschaftler, von denen einige tausend Jahren alt sind. Die opfern seit dem Anbeginn der Zeit Jugendliche an die “alten Götter” und zwar immer eine Hure, ein Sportler, ein Narr, ein Gelerter und nur die Jungfrau wird verschont und nur das Schicksal entscheidet, ob sie überlebt. Das Nebenprodukt sind Horrorfilme. Die Firma ist in einem unterirdischen Gebäudekomplex untergebracht, in dem ein ganzes Waldgebiet inklusive Berg gesteuert wird. Die Götter wohnen in der Erde und werden einmal im Jahr mit dem Blut der frisch gemordeten Slasher-Opfer besänftigt. Dieses Szenario ist eine riesige Verbeugung vor Lovecraft.

Die Szenen in diesem unterirdischen Firmenkomplex sind wahnsinnig komisch und strange, paaren eine seltsam-wissenschaftliche Götterverehrung mit trocken-zynischem Humor und zeigen das in einer retrofuturistischen Optik, die unter anderem an Westworld erinnert.

Das Vorlesen aus dem Tagebuch (die Beschwörungsformel) löst einen Mechanismus aus, der ein Szenario aus einem ganzen Katalog von Monstern auswählt (in diesem Fall die Redneck Zombie-Familie), die Firma hat einen ganzen “Monster-Zoo”: ein Konstrukt wie aus The Cube, das sich “Wall of Nightmares” nennt und in dem man von den Zenobiten aus Hellraiser bis zum Werwolf alle möglichen Horror-Ikonen wiedertrifft. Als die letzten beiden Überlebenden (natürlich) im unterirdischen Komplex ankommen und dort ausgeschaltet werden sollen, befreien sie die Biester und es folgt das wahrscheinlich unterhaltsamste und kurzweiligste Gemetzel aller Zeiten, das höchstens noch von Braindead getoppt wird inklusive einem passenden, kurzen und großartigen Ende.

Cabin ist eine grandiose, große Verbeugung vor seinem Genre, von Fans für Fans. Außerdem hat er die wahrscheinlich erotischste Bestiality-Szene aller Zeiten.