What to do about the Pics: Strategien gegen die Abmahnwelle

Ich mache mir seit der Geschichte um die Abmahnungen (unbedingt die Updates beachten) wegen der Lego-Pics Gedanken darum, wie ich als bekennender Link-Blogger damit umgehe. Vorneweg: Es gibt Leute, die sagen, dass die Schmarotzer und Reblogger selbst schuld sind und eben nur eigenes Material posten sollen. Die haben natürlich auf eine anachronistische Weise Recht, ich lasse das Argument dennoch nicht gelten und ich werde den Teufel tun und mir von ein paar Abmahnpfeifen und Urheberrechtsdeppen und deren Verteidigern eine Publikationsform versauen lassen, die unique für das Netz ist und nicht nur ein bisschen zu seinem Erfolg beigetragen hat. Viral-Effekte und deutsches Urheberrecht? Forget it.

Fakt ist: Deutsche Blogs, die vor allem auf fremden Content hinweisen und das auch in Bildform tun, sitzen auf einer Zeitbombe. Das muss nicht immer so heftig hochgehen, wie beim Fall der Lego-Bilder und in Beträgen von mehreren tausend Euro münden: Ich bekam vor zwei Jahren etwa eine Abmahnung von einer Bildagentur wegen eines Jimi Hendrix-Bildes. Ich hab’ das Bild entfernt, denen 200 Euro überwiesen und eine Mail geschrieben: Die Sache sei damit für mich erledigt, wenn sie noch was wollen, müssen sie klagen und die Anwaltskosten werde ich nicht übernehmen. Ich habe nie wieder von denen gehört. Aber ich weiß eben auch, dass das (und ich) nicht der Normalfall ist.

Vor ein paar Tagen pingte mich Matthias auf Twitter wegen verdächtiger Hits auf seinem Server an, da hatte eine Kanzelei – zufällig dieselbe, wie die mit den Lego-Pics – nach Postings über die Bonsai-Baumhaus-Skulpturen von Takanori Aiba gesucht, über die ich im Februar ebenfalls gebloggt hatte. Ich konnte bei mir nichts verdächtiges entdecken, Matthias hat sein Blog nun aber vorrübergehend dichtgemacht und ich kenne ein ziemlich bekanntes Blog, das sich ebenfalls entsprechende Maßnahmen überlegt. So do I, denn es scheint so zu sein, dass hier eine „Bildagentur“ am Rad dreht, die Bildrechte von ein paar Viral Hits einkauft und deutsche Blogs, die darüber berichteten, abmahnen lässt.

Hier meine Strategien zur Vermeidung einer Abmahnung für die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Bildern, ohne völlig darauf verzichten zu müssen.

Zunächst: Keiner dieser Tipps ist juristisch abgesichert oder auch nur halbwegs safe, aber ich hab’ meine Erfahrungen mit den Pfeiffen und deshalb hier meine Top5 der abmahnfähigen Bilder:

5. Selbstgemaltes und Selbstfotografiertes: Ziemlich gefahrlos, man kann hier höchstens gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen und in Illustrationen unter Umständen Plagiatsvorwürfe an den Hals bekommen. Letzteres ist grade bei Logos oft reiner Zufall… oder man weiß das dann sowieso selbst.

4. Promobilder aus Filmen/Screenshots: Absurderweise habe ich noch nie, nie, nie von Ärger bezüglich Promo-Bilder oder Postern aus der Film- und Musik-Industrie gehört. Es wäre auch äußerst absurd, wenn die und ihre Rechtsabteilungen kostenlose Promo abmahnen ließe (in Form von Bildern wohlgemerkt), aber ich hab’ schon Pferde kotzen sehen, denn: Das sind selbstverständlich geschützte Bilder und man besitzt daran keinerlei Rechte. Kam allerdings noch nie vor, beziehungsweise: Disney hat die Filmfreunde vor drölf Jahren mal nett angemailt, ob wir geleakte Concept-Arts zu Pirates of The Caribbean rausnehmen könnten. Haben wir gemacht und damit war gut.

3. Kunst und Design: Relativ safe ist man hier nur, wenn die Arbeiten entweder von Communities wie Behance oder Deviant-Art kommen. Die meisten dieser Arbeiten bleiben relativ unbekannt und sorgen außer in den Blogs nicht für genügend Wind, um für externe Verwerter interessant zu werden. Für Minimalistische Avengers-Poster dürfte man sich auch in Zukunft keine Abmahnung einhandeln. Aber auch ein Olly Moss hat so angefangen und dessen Bilder können schon morgen Mainstream gehen, dann von einer Bildagentur eingekauft und abgemahnt werden. Muss man abwägen.

2. Vintage: Hier muss man unterscheiden: Vintage Ads oder Cover von uralten SciFi-Magazinen, wie ich sie hier recht oft blogge, wurden meines wissens noch nie beanstandet, sind aber im Zweifel natürlich nicht gemeinfrei. Man muss allerdings bei Abmahnungen auch immer fragen: Cui Bono? Wem zum Vorteil? Und solcherlei Vintagekram interessiert Verwerter einen feuchten Dreck, das ist reiner Special-Special-Interesst-Kram und interessiert außer mir und noch drei Leuten niemanden. Aber: Vintage Photography, vor allem bekannte Bilder, etwa aus Woodstock oder die schicken Bilder aus dem New York der 60er oder eben mein Hendrix-Beispiel oben – an diesen Bildern besitzt immer jemand die Rechte und wenn diesem Rechteinhaber das Geld ausgeht, kann er problemlos abmahnen lassen. Gutes Beispiel sind etwa die Behind-The-Scenes-Pics der alten Batman-Serie, die Rechte daran besitzt Getty Images und die sind nicht zimperlich.

1. Bilder aus aktuellen Nachrichtenmeldungen: Diese Bilder sind aktuell und kommen per se aus Bildagenturen und eine Nutzung der Bilder wird sehr oft, sehr schnell abgemahnt. Beispiele wären die Bilder des Affen, der sich selbst portraitierte (hier weiß ich, dass abgemahnt wurde) oder die Zidane Headbutt-Statue (hier wurde noch nicht abgemahnt, wird aber kommen, wette ich drauf).

Hier jetzt ein paar Hacks und Methoden, die man anwenden kann und die ich in Zukunft mal mehr, mal weniger konsequent durchziehen werde (oder auch nicht):

Delete The Pics, all of ‘em

Werde ich nicht machen, halte ich für maßlos übertrieben, ist aber natürlich am wirkungsvollsten, im Zusammenspiel mit:

Do The Fefe

Ein Link-Blog völlig ohne Bilder ist möglich und kann rocken, das sieht man hervorragend an Fefe. Das könnte man sogar optisch und einem halbexperimentellen Webdesign-Ansatz sogar schick aussehen lassen. Ich ziehe diese Lösung in Betracht, die Umsetzungswahrscheinlichkeit liegt aber bei weniger als 5%.

Do a 4Chan

Kein Archiv mehr anbieten und alle Einträge löschen, die älter sind als drei Monate. Der radikale Ansatz ist mir sehr sympathisch, aber auch das werde ich nicht machen, obwohl die Vorteile auf der Hand liegen: Keine Bildagentur, kein Verwerter ist mit Abmahnungen wirklich schnell. Meistens reagieren die erst Jahre später, maximal nach Monaten und bei ihrer Recherche ist das Material längst verschwunden. Wäre ‘ne schöne Guerilla-Taktik gegen die Pfeiffen.

Mash’em, Mix’em, Rip’em

Mit Bildbearbeitung Fotos so verfremden, dass eine eigene Schöpfungshöhe erreicht wird. Kann man wahrscheinlich über Photoshop-Actions automatisieren, ähnlich, wie ich das bei den Preview-Pics für die Musik-Videos schon mache. Wirklich sicher ist das allerdings nicht.

Ich werde mir wohl eine Mischung aus all den Maßnahmen angewöhnen. Ich poste weiterhin auch Bilder zu aktuellen Meldungen und Hendrix-Bilder, werde die aber gezielt nach einem Monat oder zwei Wochen löschen. Da ich derzeit Flickr als CDS (Content Delivery Service) nutze um den Server zu entlassen, ist das denkbar einfach: Ich lege mir dort ein eigenes Set für derlei Bilder an und lösche alle Einträge in regelmäßigen Abständen. Auf diese Weise bleibt das Archiv erhalten und bebildert, wo es keine wirkliche Gefahr vor Abmahn-Deppen birgt, das tagesaktuelle Blog (das ja nun auch den Bärenanteil am Geschehen ausmacht, Google-Hits aufs Archiv sind zumindest auf NC vernachlässigbar) bleibt unverändert und man dürfte mit dieser Mischung die Gefahr einer Abmahnung doch erheblich minimieren.