Anwälte von Universal lassen Musikvideos aus Blogs löschen

Die Anwaltskanzelei Rasch verschickt derzeit Briefe an Blogger, die das [edit: mittlerweile gelöschte] Video zu Major Lazers „Get Free“ auf ihren Seiten eingebunden haben. In den Schreiben wird in typischem Anwaltston zu einer Löschung des Videos aufgefordert. Das Schreiben haben bereits mehrere Leute bekommen, ich (noch) nicht – das Video hatte ich hier gepostet –, andere Leute, die es ebenfalls gebloggt hatten, ebenfalls (noch) nicht. Ein Jurist in unserer Facebook-Gruppe meint dazu: „Solche Hinweise gehen normalerweise nur raus, wenn die Rechtslage unklar ist oder die Unternehmen Imageschäden vermeiden wollen.“

Meine Einschätzung: Die Kulturindustrie und ihre Anwälte arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, Bloggen über Kultur und Sharing und Viraleffekte in Deutschland zu einem Ding der Unmöglichkeit zu machen. Ich persönlich halte in diesem Fall die Rechtslage für alles andere als eindeutig und würde es auf einen Rechtsstreit drauf ankommen lassen. Darüber hinaus müssen die Labels unter Druck gesetzt werden, damit Kanzeleien wie Rasch ihr Freifahrtschein entzogen wird – sehr wahrscheinlich weiß Universal gar nichts von seinem Glück und dass hier in ihrem Namen Musikvideos aus Blogs gelöscht werden sollen. Ich hab’ bereits ein paar Hebel in Bewegung gesetzt, ob und wann das was bringt, ist natürlich mehr als unsicher. Aber: Es gibt Menschen, die sehen hier Kritik lediglich an der Kanzelei als gerechtfertigt. Das sehe ich komplett anders. Die Anwälte machen hier nur ihren beknackten Job. Letztlich will hier das Label seine zweifelhaften Rechte durchsetzen und dafür sollten sie die für diesen Fall einzig angemessene Antwort erhalten, nämlich dass Online-Musikpromotion und Viraleffekte für „Produkte der Musikindustrie“ in Deutschland nicht möglich ist. Willkommen im deutschen, garantiert kulturfreien Internet 2012.

Hier mein Akt zivilen Ungehorsams:

 Vimeo Direktlazer

Mehr:
Amy & Pink: UNIVERSAL ZEIGT BLOGGER AN – Nimm’ sofort das Video runter!: „Dass sich Universal damit selbst ein Bein stellt, weil Blogger dann aus Angst vor einer Anzeige nicht einmal mehr rechtlich einwandfreie und zur Promotion verfügbare Videos einbetten oder verlinken, ist ihnen anscheinend egal. Damit nimmt sich Universal sich und auch allen anderen Plattenfirmen und Labels die Möglichkeit, Blogs und Online-Magazine als wachsende Werbeplattformen zu nutzen.“

KFMW: Kanzlei lässt im Namen von Universal Music Videos aus Blogs löschen: „Man wünscht sich fast, alle würden jeglichen Content von Universal ignorieren.“

WeLikeThat: ABMAHNUPDATE: ANWALTSSCHREIBEN WEGEN EINGEBUNDENEM VIMEO-VIDEO

[update] Universal hat sich für das Schreiben und die Vorgehensweise entschuldigt, die eine Ausnahme gewesen seien, da das Video noch offiziell in Deutschland released wird. Ich schwöre hiermit hochfeierlich, dass ich, sobald das Video „offiziell in Deutschland released wird“, sämtliche Iterationen davon aus meinem Blog löschen werde.