Death Grips live in Berlin

Und dann hatten die Death Grips in der Nacht zum Freitag Kreuzberg abgefackelt. Dieses Gefühl, das ich beim Livegig der Truppe im Festsaal Kreuzberg hatte, habe ich nicht oft. Jeff Mills mit drei Plattenspieler, die Arctic Monkeys im Club, als sie noch klein waren, oder vielleicht beim Väth, wenn er nach einem 12 Stunden-Set dann langsam richtig anfängt. DFA1978 dürften live ähnlich knallen, die habe ich aber nie gesehen. Dieses Gefühl der Körperlichkeit, wenn der Schweiß von der Decke tropft und nicht viel mehr existiert, als die Crowd und der Beat und das Licht.

Das Konzert der Death Grips fühlte sich ungefähr wie ein wuchtiger Schlag mit einem Vorschlaghammer an, direkt auf den Schädel. Ich hab’ noch nicht viele Hip Hop-Acts live gesehen, aber ich vermute dort eher selten Moshpits und massenhaftes Stagediving. Der Laden hat wortwörtlich gekocht, für eine Stunde lang, dann war der Spuk vorbei und man sah ihn fertige, aber glückliche Gesichter.

Auf der Bühne nur zwei Screens, hinter denen sich Andy Morin mit seinem Laptop versteckte, Zach Hill (Wavves) mit neuer Frisur an spartanischen Drums (die er später über die Bühne treten wird) sitzt auf ‘nem Hocker und natürlich Stefan „MC Ride“ Burnett, der auf der Bühne den Schamanen macht. Mehr nicht, der Rest ist Wut, Kompromisslosigkeit und Mut zur ironiefreien Härte, die bei anderen albern wirken könnte. Aber hier passt das alles, da ergibt sich ein ganz klares Gesamtbild und die paar Zweifel, die ich vorher an der Band hatte (Sind die echt? Meinen die das ernst? Können die das auch live?), fegen sie einfach weg in einem Malstrom aus infernalischem Gewumme from Hell.

Man muss die Death Grips ja mal zusammenfassen: Die kamen im Sommer 2011 aus dem Nichts, lieferten ein völliges Brett von Mixtape ab, heuern bei einem Majorlabel und kündigen ein halbes Jahr später genau zwei Alben an, von denen sie das zweite selbst ins Internet leaken und daraufhin von ihrem Label gekickt werden. All das mit einer Underground-Attitüde, die an das frühe Techno aus Detroit erinnert, hart an der Grenze zur Komik, ohne diese zu überschreiten. Das ist selten.

Vor ein paar Jahren, als die Strokes gehyped wurden, stand in einem Interview mit dem Stone die Frage, ob Legendenbildung im neuen Jahrtausend noch möglich wäre. Nun, die Grips sind grade dabei und ich hab’ gesehen, wie sie 2012 ‘nen kleinen Laden in Kreuzberg auseinander genommen haben. Ich bin sehr gespannt, was da jetzt noch kommen wird.

Bilder oben aus Libertinus’ Flickr-Stream, Noisey hat ein paar nette Zensur-Varianten ihres Penis-Covers und ein Interview mit ‘nem Anwalt zum Leak und hier noch ein Video aus dem Death Grips-Moshpit in Berlin mit scheiß Audio-Quali, die aber eben doch zu diesem Konzert from hell wunderbar passt.

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