Amazon feuert Sicherheitsdienst

Amazon hat sich laut der Süddeutschen vom Sicherheitsdienst H.E.S.S getrennt (via Caschy), der mit mutmaßlich rechtsextremen Schlägernazis die Leiharbeiter des Versandhauses schikanierte. Damit ist für mich eine Zusammenarbeit mit Amazon (sprich: Der Einsatz von Amazon-Links) wieder vertretbar, denn ich halte es für einen Fehler, ein einzelnes Unternehmen zum Sündenbock für vor allem politische und gesellschaftliche Fehler verantwortlich zu machen.

Es hat mich letzte Woche sehr, sehr erstaunt, wie sehr der Web-Mob von den Arbeitsbedingungen bei Amazons Leiharbeitern überrascht wurde. Als würde Michael Moore seit 15 Jahren nicht äußerst erfolgreiche Dokus über genau solchen Bullshit drehen, als würden die Yes Men nicht mit einer tollen Aktion nach der anderen genau auf solche Missstände aufmerksam machen, als hätte es die Finanzkrise nie gegeben, in deren Zug die nur manchmal legalen Machenschaften der 1% ans Licht gezerrt wurden.

Mich überrascht diese – wahrscheinlich tatsächlich authentische – Überraschung ziemlich. Freilich, wenn man sich nicht wirklich für Politik oder Wirtschaft interessiert, dann kann man das Thema noch so sehr in Pop oder Kunst oder Memes verpacken, sobald es nicht um Gaga, Tarantino oder fucking Fußball geht, klickt man beim Wort Politik eben weg und interessiert sich lieber für die Currywurst bei McDonalds. Aber man sollte doch wenigstens etwas davon mitbekommen, dass wir seit nun fast schon wieder 10 scheiß Jahren von der CDU/FDP regiert werden und wenn man die Regierung Schröder als rechtsgerückte Variante der ehemaligen Arbeiterpartei hinzurechnet, haben hier in Deutschland seit ungefähr 25 Jahren neoliberale BWLer das Sagen. Es gibt einen Grund dafür, dass ich hier auf NC Exceltabellenauskenner und Businesskasper als Schimpfwort benutze und dieser Grund äußerte sich in der ARD-Doku in dem Satz „Ich zähle nicht in Menschen, ich zähle in Bussen“. Dieser Satz offenbarte nicht das „Schlechte“ in Amazon, sondern die Unmenschlichkeit des Neoliberalismus.

Mich überrascht es von daher nicht, dass Amazon ihre Leiharbeiter unter Druck setzen oder dass Facebook bei Millardengewinnen keine Steuern zahlen. Es ist die logische Folge einer politischen Bewegung, die seit Jahrzehnten eine Utopie verwirklicht, laut der der Markt sämtliche gesellschaftlichen Mechanismen regelt und der Staat sich auf ein Minimum der Verwaltung zurückzieht. Sämtliche Versprechungen und Vorhersagen der Marktfundamentalisten wurden von der Realität widerlegt, trotzdem schaffen sie es mit plumper Rhetorik, mit Lügen und mit Tricks, einen großen Teil der Menschen auf ihre Seite zu ziehen. Letztlich können wir nicht viel mehr tun, als bewusster konsumieren und das konservative Pack im September aus dem Amt wählen.

Bis dahin hier ein paar Links und Artikel, die ich in den letzten Tagen gelesen und gesehen habe und die ich alle für einen Teil des Problems halte, das die Arbeitsbedingungen bei Amazon ermöglicht:

Guardian: Digital capitalism produces few winners – Apple, Amazon, Facebook and Google might post huge profits, but many of their staff see little financial benefit

Quartz: How robots are eating the last of America’s—and the world’s—traditional manufacturing jobs

Financial Times: Amazon unpacked By Sarah O’Connor

Several former workers said the handheld computers, which look like clunky scientific calculators with handles and big screens, gave them a real-time indication of whether they were running behind or ahead of their target and by how much. Managers could also send text messages to these devices to tell workers to speed up, they said. “People were constantly warned about talking to one another by the management, who were keen to eliminate any form of time-wasting,” one former worker added.

NY Times: Don’t Blink, or You’ll Miss Another Bailout: „For zero compensation, the New York Fed released Bank of America from what may be sizable legal claims, knowing that A.I.G. was trying to recover on those claims.“

YT: Too Big to Fail has become Too Big for Trial: „Senator Elizabeth Warren asks federal bank regulators why no banks were taken to trial in the aftermath of the financial crisis.“

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