Calvin and Hobbes-Publishers vs the real World

Letzte Woche gingen ein paar nette Calvin und Hobbes-Photoshops durchs Netz, die wurden jetzt von AMU Reprints, dem Rechteinhaber der C&H-Comics, mit einer zugegeben halbwegs freundlichen Bitte aus dem Netz „entfernt“, man findet sie aber noch per Google Image-Suche und ich hab’ ein paar davon bei Flickr hochgeladen.

Von Techdirt:

The real issue here, however, is that there is no reason why John Glynn and Andrews McMeel Universal needed to go down this path. Hell, we even have a near perfect parallel example that shows why this is a really dumb move. Five years ago, we wrote about a similar blog concerning Garfield minus Garfield, in which someone else posted Garfield comics with the comic’s namesake deleted from every scene. In that case, everyone was actually cool with it. […] Instead, in this case, a site that was energizing fans about the original comic, and was clearly made lovingly by a huge fan of the original, gets shut down.

Ist natürlich wiedermal einer dieser Fälle, in der Rechteverwerter oder Kulturschaffende denken, sie hätten tatsächlich Kontrolle über ihr Werk. Haben sie nicht und hatten sie nie. Kultur geht über die Schaffung einer Arbeit weit hinaus und besteht in großen Teilen in der Kopie und dem Remix, schon seit ein paar Jahrzehnten, ob nun meine Mutti olle Beatles-Bilder ausgeschnitten hat und in ein Heft klebte oder ich den Eddie von Iron Maiden abzeichnete. Diese Weiterverwertung von Kultur gab es schon immer und erst hier wird Kultur lebendig. Bis vor wenigen Jahren allerdings wahren die Rechteinhaber von diesem sehr viel größeren Bereich der Kultur abgeschirmt – das Netz macht genau diesen nun sichtbar, für alle.

Hier treffen zwei Einfluss-Sphären von Kultur aufeinander, die früher kaum Überschneidungspunkte hatten. Der kommerzielle Verwertungskette der Kultur war es völlig egal, ob ich mir einen Ordner voll mit Superhelden zusammencollagierte, zu einem Über-Comicremix, selbst wenn ich damit auf dem Schulhof rumrannte und angab. Illegal war das schon damals, aber das Gesetz just did not give a fuck. Netz bringt nun beides zusammen, Fan-Arbeiten und Remixe existieren im Internet egalitär neben dem Original und ein Nebeneffekt besteht darin, dass auch die juristische Rechtsdurchsetzung ebenso egalitär auf nahezu alles im Netz praktisch anwendbar wurde.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der kommerzielle Kulturbetrieb ohne den brodelnden Sumpf aus Remixen und inoffizieller Weiterverarbeitung, sei es auf dem Schulhof oder eben im Netz, nicht existieren kann und letztlich steht hier jeder Kulturschaffende vor einer Entscheidung: Kann ich mit der unlizensierten, freien Weiterverarbeitung meiner Arbeiten leben und mache den Weg frei für eine Kultur, die genau so schon seit tausenden Jahren existiert? Oder stelle ich mich dem in den Weg, weil das Netz eine rigorose Durchsetzung meiner Rechte zulässt und arbeite damit tatsächlich genau gegen das an, was ich eigentlich zu verteidigen suche – nämmlich die Kultur selbst?

Ich persönlich muss da nicht lange nachdenken und habe meine Entscheidung schon lange getroffen. Und wenn Michael Den Beste, der Macher der Calvin & Hobbes-Remixe auf seinem Tumblr schreibt „I won’t be posting new ones to the web ever again“, dann weiß ich, dass alle bei diesem Stück hier verloren haben. Ihr, Ich, Michael und vor allem Calvin & Hobbes.