GEMA fördert Vinyl-DJs

Die GEMA hat in einem unerhört ungewöhnlich kulturförderlichen Move Oldschool-DJs den Rücken gestärkt und fördert den Einsatz von Vinyl für Plattenaufleger. Dieser kulturgeschichtsbewusste und dennoch in die Zukunft gerichtete Einsatz der GEMA erstaunt umso mehr, wenn man weiß, wie sehr sich dieser Verein aus Schunkelmusikern und Schlagerfuzzis normalerweise für die Verhinderung von Kultur einsetzt. Aber diesmal schmeißen sie alles in die Waagschale und stellen sich vorbehaltslos auf die Seite des klassischen DJs.

Die Leute von der GEMA haben nämlich, ausgefuchst und schlau wie sie sind, die Abgaben auf die öffentliche Aufführung von digitalen Dateien so weit verkompliziert, dass ein Abspielen von Musik über digitale DJ-Systeme wie Traktor unmöglich wird. Es gibt Gebühren auf Kopien, auf Kopien von Kopien und natürlich auch auf Backups. Im übrigen will sich die GEMA per Vertrag Kontrollrechte einräumen lassen, die ihr datenforensische Kontrolle über die Laptops von digital auflegenden DJs einräumt. Auf sowas muss man ja erstmal kommen. Und weil die GEMA genau weiß, dass ihre kulturellen Stasi-Methoden kein Schwein mitmacht, hat sie damit dem digitalen Deejaying in Deutschland ein hübsches Grab aus Bürokratie geschaufelt. Well done!

Vorbei mit Bedroom-DJs, die mit Traktor die Clubs in Wolle-Öffzel bespielen und keinen Schimmer haben, was sie tun sollen, wenn die Tracks dank schlechtem Grid auseinanderlaufen. Vinyl-DJs haben das Handwerk immerhin noch gelernt, wo kämen wir denn da hin, wenn einfach jeder dahergelaufene Depp Musik spielen dürfte und das auch noch öffentlich und womöglich sogar laut und mit Wums. Diesem Amateurtreiben hat die GEMA nun im Alleingang einen Riegel vorgeschoben. Dafür möchte ich mich bedanken, schön, dass da jemand für Ordnung sorgt. Was wären wir ohne unsere bürokratischen Einrichtungen doch nur für ein unordentlicher, bunter, lauter, wirrer Haufen.