Interface Design Bollocks: My Gesture Controlled Middlefinger

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In den letzten Tagen gingen einige Videos mit „innovativen“ Interface Designs rum. Zum Beispiel die Gestensteuerung von MYO, die Elektrizität in den Armmuskeln misst. Oder Spacetop, ein gestengesteuerter 3D-Desktop. Oder ein paar neue Videoexperimente mit LEAP von Robert Hodgin.

 Vimeo Direktleap

Das ist alles sehr nett anzuschauen und vor allem Spacetop ergibt im Zusammenspiel mit Google Glasses ziemlich viel Sinn, dennoch überzeugt mich das alles nicht.

Es kommt freilich auf die Anwendungsgebiete an und als Interface für Fernsteuerungen oder Gaming ist ein Interface mit Gestensteuerung wahrscheinlich brauchbar, auch für die Anwendungen auf zukünftigen Versionen der Google Glasses ergibt das Sinn. Letztendlich wird so ‘ne Gestenerkennung aber nie genau genug sein, um damit tatsächlich arbeiten zu können.

Ich kann Euch ja mal meinen Desktop zeigen, so wie er meistens tagsüber aussieht, Gestensteuerung (und auch Touchscreen) werden niemals in der Lage sein, mit dieser Informationsdichte klarzukommen (und ja, ich hab’ eigentlich ‘nen zweiten Monitor, aber der ist beim Umzug draufgegangen, leider):

Steve Jobs hat schon 2010 von PCs als Trucks gesprochen und mir ist völlig klar, dass ich zum Arbeiten immer einen Desktop-PC, mindestens aber ein Laptop brauchen werde, während die meisten Menschen den Großteil ihres digitalen Lebens mit ‘nem Smartphone oder einem Tablet verbringen können, für die Gestensteuerung in Teilbereichen geeignet sein könnte. Find’ ich super, fahre ich eben einen Truck, ich mag Trucks. Das ändert allerdings nur wenig daran, dass Gestensteuerung ziemlich unintuitiv und ungenau ist, von versehentlichen Interaktionen durch Armbewegungen mal ganz abgesehen.

Wie gesagt: Mich überzeugt das alles nicht wirklich, im Gegensatz zu Multitouchscreens auf Handys, die in der Anwendung ziemlich viel Sinn ergeben, auch wenn der Keyboard-Ersatz auf den Teilen nach wie vor ziemlich grausam ist. Man muss sich auch vor Augen halten, wie schnell sich Touchscreens durchgesetzt haben, von Experimenten in Labors und Jeff Hans Präsentation auf der TED 2006 bis zum iPhone verging grade mal 1 Jahr. Gestensteuerung dümpelt seit sieben Jahren (Nintendos Wii) im Consumer Market rum und ist über die nette Spielerei in diesem Zeitraum nie hinweg gekommen. Actually, Gesture Interfaces are from the Past.

Dazu gab’s kürzlich einen schönen Rant von Animator Christian Brown, der sich auf The Awl an Minority Report und dessen eigentlich furchtbarem Gestik-Interface abarbeitet:

In the movie, when Tom Cruise straps on his infogloves and starts rummaging through the dreams of the psychic precogs, classical music begins to play. He stands in front of a semicircular computer screen, the size of a wall, and uses his hands to fast forward and rewind, to zoom in and out and rotate the screen. Many of them are laughable—he places one hand in front of another to zoom in, like a vertical hand jive. He goes to shake someone’s hand and all his files are thrown down into the corner. It’s, frankly, absurd—especially if you haven’t seen it since 2002. THIS is the thing tech reviewers are always comparing a new interface to? […]

The “hovering multitouch” interfaces of Iron Man 2, Total Recall, and Tron have become pop culture’s vision of what’s state-of-the-art, even outside of Spielberg’s movie. None of these are fundamentally different from Minority Report’s technoscreen—they just have varying distances between fingertip and graphic. But all of them are, essentially, what design critic Bret Victor has called “pictures-under-glass.” They are interfaces that look good, rather than interfaces that work well.

Exakt. Und daher ich glaube keine Sekunde daran, dass sich diese Interfaces langfristig wirklich durchsetzen werden. Aber hey, immerhin sind sie nett anzusehen. Is’ ja auch was.