Arte Tracks: Gaslamp Killer about Aphex Twin

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Arte Tracks zeigt am Samstag ein Special über elektronische Kunst, im Clip oben erklärt Gaslamp Killer Aphex Twin zum Mass aller Dinge, darunter das aktuelle Video mit tanzenden Derwischen zum fantastischen In The Dark. Stephan von Arte schreibt mir:

Hier der Hinweis auf unsere nächste TRACKS-Sendung am kommenden Samstag zur allerbesten Sendezeit um 00:05. Danke, arte! ;)

Mit unserer Spezialausgabe sind wir diesmal fast 100% gitarrenfrei und stattdessen mit Trap, WestBam, A Tribe Called Red und Holly Herndon vor allem elektronisch unterwegs. Mehr Infos im Pressetext [nach dem Klick]. Als Bonus gibt’s hier schonmal die Aphex-Twin-Huldigung vom Gaslamp Killer (ich sag nur: “Kind mit drei Armen”) und ein Interviewschnipsel von Mr. Karl Hyde zur Faszination urbaner Randgebiete.

TRACKS – Elektro-Special

Dieses Mal wagen wir uns mit den Prozessorpionieren dieser Welt ganz tief in die Sphären von Fehlbildfetischismus und Schaltkreis-Manie: Wir beweisen mit Holly Herndon wie viel persönliches Herzblut in jedem Laptop steckt. Wir ergründen das Club-Sucht-Potential von Trap. Wir schwelgen mit WestBam in Erinnerungen an den Techno-Größenwahn der 80er. Wir zeigen wie faszinierend selbst digitale Fehler – Glitches – sein können. Und wir lassen uns von Produzentenlegende Conny Plank posthum erklären wie man für eine Band wie Kraftwerk in einem stillgelegten Schweinestall den Grundstein für rhythmusorientierte Tanzmusik legt. – Außerdem in der Sendung: Elektro-Über-Held Karl Hyde!

Karl Hyde – Underworld Mastermind auf Solopfaden

Zu Underworlds „Born Slippy“ zwängte sich schon Ewan McGregor durch die Trainspotting-Toilette, mit „Tomato“ schufen sie eine der innovativsten Design- und Kunstagenturen Englands und 2012 durften sie sogar als Musikkuratoren die Strippen bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele ziehen. Jetzt veröffentlicht Underworld Mastermind Karl Hyde mit „Edgeland“ sein erstes Solo-Album. Auf dem geht’s um verlorene, urbane Randgebiete. Über die bloggt Karl Hyde nämlich schon seit über zehn Jahren – und das täglich. Die perfekte Gelegenheit, mit ihm über die Faszination dieser Orte zu sprechen und natürlich darüber, wie es sich anfühlt, nach gut 30 Jahren nicht mehr seinen Underworld-Kumpel Rick Smith im Rücken zu haben.

WestBam, Techno und Berlin in den 80ern

Es war so ungefähr zur gleichen Zeit als Rick Smith und Karl Hyde sich zum ersten Mal über den Weg liefen, als ein gewisser Maximilian Lenz im Alter von 17 Jahren aus der Provinz nach Berlin zog und gegen alle Regeln des Alleinunterhalters Platten nicht nur hintereinander spielte, sondern ineinander mischte. Aus den 80ern wurden die 90er, aus Herrn Lenz wurde WestBam und aus seiner Regelverletzung die größte Jugendbewegung des 20. Jahrhunderts: Techno! Mittlerweile ist der Elder Statesman der DJ-Kultur satte 48 und gönnt sich mit „Götterstraße“ ein nicht gerade bescheidenes Jubiläumsalbum, für das er es irgendwie geschafft hat, Leute wie Kanye West, Lil Wayne, Iggy Pop, Bernard Sumner, Brian Molko oder Richard Butler von den Psychedelic Furs zu verpflichten. – Logischerweise haben wir mit ihm über Kreativität und Größenwahn gesprochen.

Run the Trap!

In den Clubs dieser Welt bewegt sich was. HipHop-Moves auf der Tanzfläche, wabernde Bässe aus den Boxen, hoodie-tragende DJs und ein einziges Wort dafür: Trap! Aber was genau läuft da eigentlich? Getreu dem Motto „Damn son where’d you find this?“ samplen DJs wie Flosstradamus, UZ und RL Grime was Pop und Southern HipHop zu bieten haben und begeistern damit hunderttausende Follower auf SoundCloud. Selbst Baauers Trap-Trash-Hymne „Harlem Shake“ tat der Credibility des Genres keinen Abbruch. Mittlerweile ist der Sound auch in Europa angekommen: Auf dem Kingsday Festival in Amsterdam feiern tausende Holländer ihre Trap-Helden Flosstradamus – und wir haben natürlich mitgefeiert!

Laptop-Sound-Aktivistin Holly Herndon

Nicht erst seit man ihr an der Musikhochschule kein Instrumenten-Schließfach geben wollte, kämpft Holly Herndon für die Anerkennung des guten alten Laptops als eigenständiges Musikinstrument. Die Sound-Künstlerin aus San Francisco will der verkannten Bit-Maschine mit Hilfe von Induktionsmikrofonen zu einem besseren Bühnenimage verhelfen und baut die elektrische Spannung des Rechners dabei einfach direkt in ihre Performance ein. Wie verstörend gut das klingt, kann man jetzt auf ihrem Konzept-Album „Movement“ hören oder live im Vorprogramm von Thom Yorkes Atoms For Peace oder ganz einfach bei TRACKS!

Glitch Art – Die Kunst des digitalen Fehlers

Dass man aus elektrischen Spannungen und Störungen nicht nur vortrefflich Musik, sondern auch spannende Bilder machen kann, beweisen die Anhänger der Glitch-Art. Während Normalsterbliche bei einer schlechten Skype-Verbindung oder pixeligen YouTube-Standbildern genervt den Reload-Button drücken, jubeln Glitch-Fans über so genannte „happy accidents“. Sie erzeugen die fragmentarisch bunten Fehler und Verzerrungen sogar mit voller Absicht und machen aus den ungeahnten Möglichkeiten der kreativ destruktiven Gestaltung Kunst! Pioniere der Szene wie Rosa Menkman oder Kim Asendorf zerstören Digicams, erzeugen Kurzschlüsse und erfinden sogar neue Dateiformate um aus den vermeintlichen Abfallprodukten der digitalen Welt einzigartige Bilder zu erschaffen.

Conny Plank – Pionier am Mischpult

Und ja! Es gab auch Elektro-Helden ohne Laptop! Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Kraftwerk, Neu!, D.A.F, Brian Eno, Gianna Nannini oder Eurythmics würden wohl die Wenigstens auf den Namen Conny Plank kommen. Und das nur weil der bedeutendste deutsche Produzent der 70er und 80er zu einer Zeit zum Starproduzenten avancierte, als das Internet noch keine Hypes kreierte und Produzenten eben noch keine Stars waren. So seltsame Künstler wie David Bowie oder U2 ließ Konrad „Conny“ Plank gar nicht erst ins Studio. Er wurde lieber zum stilprägenden Techniker und zu einer zentralen Figur der Krautrock-Bewegung. – 25 Jahre nach seinem Tod ergründen jetzt eine Partyreihe, eine Compilation und eine Dokumentation die Legende um den ersten großen deutschen Produzenten.

Live: A Tribe Called Red

Zum Abschluss unseres Laptop-Schaltkreis-Elektro-Specials treten wir den Beweis an, dass elektronische Musik durchaus auch politisch sein kann: Die drei Kanadier von A Tribe Called Red sind nicht nur Mitglieder der First Nations of Canada, sondern auch DJs und Produzenten ihres eigenen Musikgenres – Pow Wow Step! Dafür mixen sie traditionelle Pow-Wow-Gesänge mit Trap und Dubstep-Elementen und wurden in ihrer Heimat zu Stars! Wenn Bear Witness, DJ NDN und DJ Shub an ihren Turntables schrauben, geht es ihnen allerdings nicht nur um die Tanzflächentauglichkeit ihrer Sounds, sondern auch darum, auf den alltäglichen Rassismus gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern aufmerksam zu machen. TRACKS traf A Tribe Called Red in Berlin.