Recht auf Remix

Der Digitale Gesellschaft e.V. hat eine Kampagne für ein Recht auf Remix gestartet, die Petition dort habe ich grade unterzeichnet (und mein Lieblingsremix ist The Printed Internet). Im Prinzip geht’s dort um eine Kampagne für eine deutsche Fair Use-Regelung, die dringend notwendig ist. Unbedingt unterstützenswert.
Wir leben in einem Zeitalter des Remix. Kreativität und Kultur bauten schon immer auf bereits Bestehendem auf. Internet und digitale Technologien ermöglichen aber die kreative Nutzung existierender Werke in völlig neuen Dimensionen: Nie zuvor war es so vielen möglich, Werke auf so unterschiedliche Arten zu verändern und so einfach anderen zugänglich zu machen. Mehr denn je gilt heute: “Everything is a Remix.”
In der klassischen Neuschöpfung tritt das Alte bis zur Unkenntlichkeit in den Hintergrund. Remix als Kulturform zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass Altes im Neuen kenntlich bleibt. Remix ist eine kreative Kopie, die als solche erkennbar ist. In dem Maße, in dem die kreative Kopie Teil des kommunikativen Alltags breiter Bevölkerungsschichten wird, ist ein Recht auf Remix eine grundlegende Voraussetzung für die Kunst- und Meinungsfreiheit einer Gesellschaft. Unter einem Recht auf Remix verstehen wir ein Bündel aus drei digitalen Kreativitätsrechten:
- Das Recht, Werke bei der Nutzung zu verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich zu machen (Pauschalvergütetes Transformationsnutzungsrecht — Beispiel: Hintergrundmusik im Handyvideo).
- Das Recht, Remixes von bestehenden Werken zu erstellen und diese öffentlich zugänglich zu machen (Pauschalvergütetes Remixrecht – Beispiel: Fake-Trailer einer Fernsehserie).
- Das Recht, gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung Remixes auch kommerziell zu verwerten. (Lizenzpflichtiges Remixverwertungsrecht – Beispiel: Verkauf von Musik-Mashup via iTunes)
Snake Cake Abmahnungen durch hgm-press

Ronny wurde nun ebenfalls durch die hgm-press abgemahnt, diesmal geht es um diese Snake Cake-Bilder. Das Muster des Vorgehens, dieser „Bildagentur“, die professionellen Abmahnbusiness betreibt, wird immer offensichtlicher: Man kauft die Rechte viel gesharter Bilder und mahnt dann gezielt die deutsche Blogosphäre ab. Da die Bäckerei North Star Cakes die Bilder selbst auf Facebook gestellt hat (siehe Bild oben) und die massenhafte Verbreitung forcierte, sehe ich hier jede Menge Spielraum für eine Breitseite gegen die „Agentur“, aber das muss ein Anwalt klären. Eine Fair Use-Regelung müsste u.a. auch Fälle einschließen, die explizit zum Zwecke der Verbreitung ins Netz gestellt werden.
Man kann im Fall der „Bildagentur“ (Anführungszeichen deshalb, weil das mittlerweile nicht mehr als ihr zentrales Geschäftsmodell erkennbar ist) mittlerweile nur noch von einem gezielten Großangriff gegen die Netzkultur in Deutschland sprechen. Und damit werden die noch ihren Spaß haben.
Wir haben in einer geschlossenen Facebook-Gruppe mal eine Rechnung aufgemacht, die alle uns bekannten Abmahnungen durch die hgm-press sammelt. In den letzten Wochen kamen da ohne meine jetzt erhaltene 18 Abmahnungen zusammen mit einer geforderten Gesamtsumme von 65.000 EUR zusammen. 65.000 EURO!
Und dabei wird es nicht bleiben, die von hgm sind nämlich so professionalisiert im Umgang mit dem Netz, dass sie einen Screenshot mitschickten, der gleich alle offenen Tabs anderer Seiten zeigt, die das Bild hatten. Deshalb gehe ich davon aus, dass auch andere Seitenbetreiber diese Abmahnung bekommen haben. Außerdem, was ich irgendwie lustig finde, war derjenige, der den Screenshot gemacht hat, bei Facebook eingeloggt, was mir anzeigt, welcher seine Freunde meine Seite gelikt haben. Haha! “Als Fachkraft ‘ne Pflaume, als Pflaume ‘ne Fachkraft.”
Interessant an dieser Sache hier ist, dass Frau Pitcher die Fotos eigens bei Facebook hochgeladen hat, wo jedes der Bilder eine “Teilen”-Funktion hat, welche fleißig genutzt wurde. Somit haben tausende Leute Bilder dieser Torte auf ihrem Facebook-Profil. Wie da die Rechtslage ist und welche Bewegründe Pitcher jetzt hat, gegen Blogs vorzugehen, die diese aus Facebook rausgenommen haben, um bei sich zu bloggen, kann ich nicht sagen.
Lawrence Lessig: Re-examining the remix
(TED Direktlessig, via Imaginary Foundation)
(Wie immer) extrem unterhaltsamer Vortrag von Larry Lessig, hier zwar ein wenig zu sehr auf die Spezialitäten amerikanischer Innenpolitik eingehend, aber immer noch sehr erhellend und schlicht lustig.
At TEDxNYED, former “young Republican” Larry Lessig talks about what Democrats can learn about copyright from their opposite party, considered more conservative. A surprising lens on remix culture.
Copyright
Ich halte das gegenwärtige Urheberrecht für extrem unfair. Weil es einerseits einer Industrie erlaubt, Kultur zu schaffen und damit einen immensen Einfluss auf unser Leben auszuüben, ich sage nur: möge die Macht mit Euch sein. Andererseits verbietet sie mit aller Kraft ihrer Lobbyisten die Fortführung dieser Kultur durch Menschen, die ganz einfach nicht die Kohle für Lizenzgebühren haben, um Remixe, Mashups oder Mixtapes zu bezahlen. Was dabei an Kreativität auf dem Boden der Urheberrechterei verloren geht, mag ich mir gar nicht ausdenken.
Und deshalb erklärt uns Eric Faden das (amerikanische) Urheberrecht inklusive der darin enthaltenen Fair Use-Regelung, die bei uns schon so lange nötig ist… mit Disney-Samples!


