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The Law of Superheroes

Mein Lieblings-Lawblog Law and the Multiverse (Superheroes, supervillains, and the law) gibt’s jetzt auch als Buch. Ich hab’ mir das Teil umgehend bestellt und auf meinen Kindle schicken lassen, gibt nur wenig besseres, als die Kombination von Bürokratie und Gesetzgebung und Laserblick und mutierte Superhelden.

The Law of Superheroes asks and answers crucial speculative questions about everything from constitutional law and criminal procedure to taxation, intellectual property, and torts, including:

- Could Superman sue if someone exposed his true identity as Clark Kent?
- Are members of the Legion of Doom vulnerable to prosecution under RICO?
- Do the heirs of a superhero who comes back from the dead get to keep their inherited property after their loved one is resurrected?
- Does it constitute “cruel and unusual punishment” to sentence an immortal like Apocalypse to life in prison without the possibility of parole?

Engaging, accessible, and teaching readers about the law through fun hypotheticals, The Law of Superheroes is a must-have for legal experts, comic nerds, and anyone who will ever be called upon to practice law in the comic multiverse.

Amazon-Partnerlink: The Law of Superheroes (via Boing Boing)

Instagram reverts to old Terms of Service because of Chicken

Instagram hat wegen Holladiewaldfee die Advertising-Sektion seiner aktualisierten TOS wieder auf den Stand von 2010 gebracht. Da steht jetzt mehr oder weniger dasselbe drin, wie vorher, nur noch schlimmer. Die neuen alten TOS erlauben ihnen praktisch, alles mit Euren Fotos zu machen, was sie wollen. Die neuen TOS haben diese Rechte spezifiziert und eingeengt. Und erwartet blos nicht, das irgendetwas davon in den „Instagram wird Eure Fotos verkaufen“-Qualitätsmedien auftaucht. Congrats, Internet! Chickenshit.

Despite the public reaction, it’s important to note that some of the changes Instagram suggested were actually improvements, outlining what the company could do in narrow, specific terms. The proposed tweaks made it very clear that advertisers, for example, couldn’t just stick their logo on one of your photos and use it as an Instagram ad. The language the company’s going back to is so broad that such use isn’t out of the realm of possibility — and in that sense today’s development is actually a loss for users.

Instagram-Blog: Updated Terms of Service Based on Your Feedback, The Verge: Instagram reverts terms of service after public outcry, makes them arguably worse

Instagram is selling your Pics Yadayada

Instagram behält sich in seinen neuen Terms of Service das Recht vor, alle Bilder und Metadaten für sponsored Posts innerhalb des Service zu nutzen. So weit, so langweilig, ähnlich steht das auch in den TOS von Tumblr, nur als Beispiel. Das Internet bastelt daraus grade einen Shitstorm und fantasiert Dinge wie „Instagram darf meine Bilder verkaufen“ oder sowas, und beruft sich dabei zum Beispiel auf die EFF, die etwas von „unspecified future commercial use“ erzählt.

Die „unspecified use“ ist in den TOS definiert, gleich an zwei Stellen: „To help us deliver interesting paid or sponsored content or promotions“ und „in connection with paid or sponsored content or promotions“. Natürlich ist das alles andere als ideal und einen mittelschweren Shitstorm sollte Facebook/Instagram für die Nutzung von Userbildern für Werbung durchaus abkriegen, und freilich heisst es in den TOS weiter: „you hereby grant to Instagram a non-exclusive, fully paid and royalty-free, transferable, sub-licensable, worldwide license to use the Content that you post on or through the Service“.

Aber CNets Headline „Instagram says it now has the right to sell your photos“ ist schlicht pure Panikmache und Alarmismus und auch deutsche Medien (das ZDF etwa, löbliche Ausnahme: heise) tragen diesen Bullcrap weiter und kombinieren die beiden Punkte zu irgendwelchem „Instagram-als-Bildagentur“-Nonsense, ganz davon abgesehen, das für einen solchen Bildverkauf noch ganz andere, ungeklärte Rechte tragende Rollen spielen, wie etwa das nicht unwichtige Persönlichkeitsrecht. Kleiner Tipp: Wenn solche Meldungen rumgehen, die TOS einfach mal selber lesen.

Das Internet rennt heute mal wieder im Kreis, fuchtelt mit den Armen und schreit rum. Ich bin da immer ein bisschen peinlich berührt. Erinnert sich noch jemand an „Google kills Feedburner“ vor ein paar Wochen? Chickenshit, that’s what it is.

[update] Die Updates auf heise bestätigen meine Einschätzung übrigens:

Der Abschnitt scheint sich auf die Darstellung bestimmter Nutzer-Inhalte auf Instagram bei einer Nutzer-Teilnahme an Werbeaktionen zu beschränken – ein Verkauf von Bildern durch Instagram, wie mancherorts befürchtet, ist dadurch nicht abgedeckt. Instagram hat sich zu der neuen Passage bislang nicht konkret geäußert.

[Update 18.12.2012 12:55]: In einer ersten Reaktion auf Anfragen auf Facebook erklärte Tina Kulow, Pressesprecherin von Facebook Deutschland: ‘Instagram ist nicht in dem ‘Fotoverkaufsbusiness’. Alles andere ist Spekulation.’

[update] Instagram hat ein Statement gepostet: Thank you, and we’re listening.

To be clear: it is not our intention to sell your photos. We are working on updated language in the terms to make sure this is clear.

To provide context, we envision a future where both users and brands alike may promote their photos & accounts to increase engagement and to build a more meaningful following. Let’s say a business wanted to promote their account to gain more followers and Instagram was able to feature them in some way. In order to help make a more relevant and useful promotion, it would be helpful to see which of the people you follow also follow this business. In this way, some of the data you produce — like the actions you take (eg, following the account) and your profile photo — might show up if you are following this business.

Music-Industry likes Spanking

Der Bundesgerichtshof hat gestern Klagen der Musik-Industrie gegen Eltern zurückgewiesen, deren Kids ein paar Lieder runtergeladen hatten, es gibt also doch Vernunft an deutschen Gerichten. Die Musikindustrie ist nun natürlich angepisst und offenbart, dass sie auf Gewalt gegen Kinder steht und empfiehlt Ohrfeigen: „Während früher „auch mal eine Ohrfeige nicht geschadet“ habe, würden Kinder heute an freier Leine laufen gelassen.“

Die Zielgenauigkeit und Effektivität, mit der sich Rechteverwerter und ihre Artgenossen immer und immer wieder in den größten und stinkendsten aller Scheißhaufen setzen, ist wirklich beeindruckend. Auch ‘ne Leistung.

Snake Cake Abmahnungen durch hgm-press

Ronny wurde nun ebenfalls durch die hgm-press abgemahnt, diesmal geht es um diese Snake Cake-Bilder. Das Muster des Vorgehens, dieser „Bildagentur“, die professionellen Abmahnbusiness betreibt, wird immer offensichtlicher: Man kauft die Rechte viel gesharter Bilder und mahnt dann gezielt die deutsche Blogosphäre ab. Da die Bäckerei North Star Cakes die Bilder selbst auf Facebook gestellt hat (siehe Bild oben) und die massenhafte Verbreitung forcierte, sehe ich hier jede Menge Spielraum für eine Breitseite gegen die „Agentur“, aber das muss ein Anwalt klären. Eine Fair Use-Regelung müsste u.a. auch Fälle einschließen, die explizit zum Zwecke der Verbreitung ins Netz gestellt werden.

Man kann im Fall der „Bildagentur“ (Anführungszeichen deshalb, weil das mittlerweile nicht mehr als ihr zentrales Geschäftsmodell erkennbar ist) mittlerweile nur noch von einem gezielten Großangriff gegen die Netzkultur in Deutschland sprechen. Und damit werden die noch ihren Spaß haben.

Wir haben in einer geschlossenen Facebook-Gruppe mal eine Rechnung aufgemacht, die alle uns bekannten Abmahnungen durch die hgm-press sammelt. In den letzten Wochen kamen da ohne meine jetzt erhaltene 18 Abmahnungen zusammen mit einer geforderten Gesamtsumme von 65.000 EUR zusammen. 65.000 EURO!

Und dabei wird es nicht bleiben, die von hgm sind nämlich so professionalisiert im Umgang mit dem Netz, dass sie einen Screenshot mitschickten, der gleich alle offenen Tabs anderer Seiten zeigt, die das Bild hatten. Deshalb gehe ich davon aus, dass auch andere Seitenbetreiber diese Abmahnung bekommen haben. Außerdem, was ich irgendwie lustig finde, war derjenige, der den Screenshot gemacht hat, bei Facebook eingeloggt, was mir anzeigt, welcher seine Freunde meine Seite gelikt haben. Haha! “Als Fachkraft ‘ne Pflaume, als Pflaume ‘ne Fachkraft.”

Interessant an dieser Sache hier ist, dass Frau Pitcher die Fotos eigens bei Facebook hochgeladen hat, wo jedes der Bilder eine “Teilen”-Funktion hat, welche fleißig genutzt wurde. Somit haben tausende Leute Bilder dieser Torte auf ihrem Facebook-Profil. Wie da die Rechtslage ist und welche Bewegründe Pitcher jetzt hat, gegen Blogs vorzugehen, die diese aus Facebook rausgenommen haben, um bei sich zu bloggen, kann ich nicht sagen.

Abgemahnt durch hgm-press Michel OHG

spOnline über Cosplay-Abmahnungen und meine Replik auf die hgm-press Michel OHG

spOnline schreibt über die jüngsten Entwicklungen der Abmahnungen durch die hgm-press Michel OHG und bezieht sich im Artikel auf mein Posting plus Statement der Bildagentur dazu: „Michel weist das zurück, spricht von ‘Diffamierungen und verzerrten Darstellungen’: ‘Fakt ist, dass HGM Press in zeitlichem Vorlauf über die Rechte verfügt und nicht – wie in Blogs dargestellt – sich extra für Abmahnungen um die Rechte bemüht.’“ Weiter unten begründet die Agentur, warum sie keine kostenfreien Löschungsforderungen verschickt: „wir am Ende auf unseren Kosten und entstandenen Schäden sitzen geblieben und haben für die Verwendung keinen Cent gesehen“.

Da mir keine Möglichkeit gegeben wurde, darauf zu entgegenen, hier meine Replik: Fakt ist, dass die Michel OHG auf einer Tonne eigentlich monetär wertlosen Datenmülls sitzt. Wer kauft im Jahr 2012 die Rechte am Bild eines chinesischen Cosplays aus dem Jahr 2009? Keiner. Die Meldung ist tot, das Bild ebenso. Es handelt sich hier nicht um Fotokunst, sondern um einen Schnappschuss. Aber mit der deutschen Gesetzgebung und dem Procedere der Abmahnung lässt sich dieser Restbestand wunderbar kapitalisieren und aus unternehmerischer Sicht wären die sogar ziemlich bekloppt, hier juristisch ihre Forderungen nicht durchzusetzen.

Für die Weigerung, kostenfreie Löschungen zu fordern, habe ich nicht das geringste Verständnis. Es gibt genau keinen Grund, eine gerne auch scharf formulierte Mail mit knapper Fristsetzung nicht zu verschicken. „Sie haben 24 Stunden Zeit, das Bild vom Server zu löschen, ansonsten ist Schicht im Schacht und die Abmahnung folgt.“ Die Blogger, die ich kenne und die von dieser Serienabmahnung betroffen sind, leben online und kämen dem ohne zu zögern nach. Die Kosten beliefen sich auf die Herstellung einer Form-Mail (Zeitaufwand circa 5 Minuten), die dann durch die Praktikantin verschickt wird. Dazu eine Prüfung des Bilds am nächsten Tag. Das sind allenfalls Marginalien. Zusammen mit obiger Tatsache ergibt sich da allerdings ein eindeutiges Bild.

Weiterhin behauptet die Agentur, „in zeitlichem Vorlauf über die Rechte“ zu verfügen. Das kann im Einzelfall zutreffen, aber ich wette darauf, dass Blogs die Michel OHG zeitlich um mindestens Tage, wahrscheinlich aber Wochen, wenn nicht gar Monate, schlagen. Wenn eine Meldung aufpoppt, sind Blogger bzw. das soziale Netz heute nach wie vor schneller, als klassische Medien oder gar Bildagenturen, womit sich eben doch die Tatsache ergibt, dass Blogs eine Meldung groß machen und später dafür abgemahnt werden. Juristische Rechtmäßigkeit hin oder her: Das ist völlig und vollständig absurd!

Die OHG Michel mag im Einzelfall im Recht sein, Fakt ist dennoch, dass hier (mal wieder) die Realität des Internets mit den Mechanismen traditioneller Medien und ihrer Strukturen kollidiert. Die Abgemahnten sind hier – etwas zynisch formuliert – Kollateralschaden in den Copyright-Wars und am Ende wird der Staat neue gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen müssen, die der neuen Mediennutzung im Netz eine legale Grundlage schafft.

Deshalb muss schleunigst eine Fair Use-Regelung in Deutschland – besser noch als EU-Initiative! – geschaffen werden, die unter anderem genau solche Fälle von der rigiden Interpretation des Urheberrechts durch Unternehmen wie die hgm-press Michel OHG ausnimmt. Die Alternative ist die Kriminalisierung einer ganzen Generation.

Vorher auf Nerdcore:
Abmahnung für Cosplay-Bilder von Iron Mans MKI-Suit angeblich rechtens
Abmahnung für Cosplay-Bilder von Iron Mans MKI-Suit
Lego-Abmahnungen Update
Blog-Abmahnungen für Lego-„Kunst“
Lego-Artist is „not represented by this law firm“, „not represented by this photo agency“ (UPDATE)
What to do about the Pics: Strategien gegen die Abmahnwelle

Leistungsschutzrecht: The Shit-Happens-Tax:

Grade bereits getwittert: Frankreich droht Google mit einer Headline-Steuer, ähnlich dem bei uns geplanten Leistungsschutzrecht. Mein Gedanke geht nun so: Wenn’s demnächst eine Steuer auf Headlines und Snippets gibt, was grade im Nachrichtenjournalismus nun genau keine Leistung ist, sondern nur das Formulieren von „Shit happens there“ oder „In New York regnet es grade“, dann kann man das Leistungsschutzrecht auch als „Shit Happens“-Steuer bezeichnen. Der Gedanke erscheint mir im zunehmenden Maße schlüssig.

Abmahnung für Cosplay-Bilder von Iron Mans MKI-Suit

Die Agentur hgm-press Michel OHG lässt weiterhin reihenweise Blogger abmahnen, heute hat es Marco wegen dieser Iron Man-Cosplay-Bilder aus China getroffen, neulich hatte ein ebenfalls bekannter Blogger einen Wisch wegen dieser Highspeed-Fotos bekommen. Alles von derselben Agentur, aus derselben Kanzelei.

Der Anwalt der hgm-press Michel OHG betont gegenüber spOnline, das Interesse der Agentur bestünde darin, die „Exklusivität der Nachrichten gegenüber ihren Kunden“ zu wahren. „Exklusivität der Nachrichten“! Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Eine Agentur kauft großflächig Bildrechte anscheinend neu ein, zu Storys die bereits seit Jahren durchs Netz gehen, allesamt sehr bekannte Viralhits und beinahe allgemein bekannt sind, nur um dann Blogger abzumahnen, die eben diese Storys bekannt machten und zu eben jener Viralität verhalfen. Weil die Exklusivität gewahrt werden soll! Eine viel hinterfotzigere und verlogenere Argumentation als die der Anwälte der hgm-press Michel OHG fällt mir ehrlich gesagt nicht sein.

Ich weiß, dass der Künstler im Fall der Highspeed-Fotos ebenfalls bestreitet, irgendetwas mit der Agentur zu tun zu haben und da diese Leute bereits mit ihrer Lego-Geschichte übelst auf’s Maul gefallen sind und ihre Abmahnungen sämtlichst zurückziehen mussten, dass auch in diesen Fällen die Kompetenz auf deren Seite wohl eher eingeschränkt vorhanden sein dürfte. Daher muss man wohl bei sämtlichen Abmahnungen aus dem Hause hgm-press Michel OHG davon ausgehen, dass hier Serienabmahnungen ohne Substanz verschickt werden. Ich würde genau das in jedem Fall von einem Anwalt prüfen lassen und gegebenenfalls Klage wegen Betrugs einreichen.

Außerdem: Wir – mehrere bekanntere und unbekanntere Blogger – haben uns zusammengeschlossen und koordinieren im Hintergrund Abwehrmaßnahmen für Bösartigkeiten wie die aus dem Hause der hgm-press Michel OHG. Wir streben politische Lösungen, als auch sehr pragmatische Tools an, die man als Blogger anwenden kann, um solchem Pfeiffen mit ein paar Handgriffen den ausgestreckten Mittelfinger zeigen zu können. Wie gesagt: Ich lasse mir von Arschlöchern und Anwälten garantiert keine Publikationsform zunichte machen und ich lese das „Geschäftsgebaren“ der hgm-press Michel OHG genau so: Als großflächigen Angriff auf Internet- und Sharing-Kultur in Deutschland. This will be fun.

Mehr:
Ronny auf Kraftfuttermischwerk: Warum das Abmahnen von Bildern ein recht leichtes aber gutes Geschäft ist, was mich daran ärgert und welche Fragen sich mir stellen: „Solange es keine gesetzliche Regelung gibt, die dieser aktuellen Abmahnpraxis Einhalt gewährt, bleibt also das tägliche Unbehagen beim Gang zum Briefkasten. Und bis es diese Regelung irgendwann mal geben wird, fliest verdammt viel Wasser die Havel runter. Und eigentlich sollte ein Interesse daran auch die großen Medienhäuser nicht kalt lassen, schließlich sind es diese, die mittlerweile gerne und häufig auf die Inhalte von uns Bloggern verlinken. Weil wir den ganz geilen Shice aus den Untiefen des Netzes ziehen, diese ganze Awesomeness, die ohne uns dort gar nicht stattfinden würde, weil wir einfach in einem gänzlich anderem Kontext funktionieren als diese in ihrem medialen Kosmos.“

We Like That: ABMAHNUNGEN: ES HÖRT EINFACH NICHT AUF: „Es hört einfach nicht auf. Nachdem (zumindest ist es mir so bekannt) die Abmahnungen bzgl. des Bildes von “Nathan Sawaya” alle zurückgezogen wurden, haben mir heute gleich wieder 3 Betroffene geschrieben, die ebenfalls im Namen der hgm-press Michel OHG abgemahnt wurden.“

Vorher auf Nerdcore:
Lego-Abmahnungen Update
Blog-Abmahnungen für Lego-„Kunst“
Lego-Artist is „not represented by this law firm“, „not represented by this photo agency“ (UPDATE)
What to do about the Pics: Strategien gegen die Abmahnwelle

Lego-Abmahnungen Update

We Like That haben ihr drittes Update in der Abmahnsache um die Lego-Skulpturen von Nathan Sawaya veröffentlich. Sawaya hat sich mittlerweile aktiv eingeschaltet und gestern Nacht eine Pressemitteilung rausgehauen:

I create art for the sole intent of sharing it with the world, sparking creativity and making people smile. It is upsetting to hear that bloggers and press who are trying to report on and share images of my artwork with others are being targeted by these agencies that do not represent me.

Leider bezieht er sich in der PM vor allem auf seine bekannteste Skulptur „Yellow“, die gar nicht Gegenstand der Abmahnungen war. Ich weiß allerdings auch, dass auf Nachfrage eines befreundeten, ebenfalls abgemahnten Bloggers folgende Antwort kam: „I can tell you that Nathan owns the rights to this photo as well. As the statement mentions, we hear there are multiple images that are being targeted.“ Ich bleibe in der Sache also weiterhin recht entspannt und futtere Popcorn.

Vorher auf Nerdcore:
Blog-Abmahnungen für Lego-„Kunst“
Lego-Artist is „not represented by this law firm“, „not represented by this photo agency“ (UPDATE)
What to do about the Pics: Strategien gegen die Abmahnwelle

What to do about the Pics: Strategien gegen die Abmahnwelle

Ich mache mir seit der Geschichte um die Abmahnungen (unbedingt die Updates beachten) wegen der Lego-Pics Gedanken darum, wie ich als bekennender Link-Blogger damit umgehe. Vorneweg: Es gibt Leute, die sagen, dass die Schmarotzer und Reblogger selbst schuld sind und eben nur eigenes Material posten sollen. Die haben natürlich auf eine anachronistische Weise Recht, ich lasse das Argument dennoch nicht gelten und ich werde den Teufel tun und mir von ein paar Abmahnpfeifen und Urheberrechtsdeppen und deren Verteidigern eine Publikationsform versauen lassen, die unique für das Netz ist und nicht nur ein bisschen zu seinem Erfolg beigetragen hat. Viral-Effekte und deutsches Urheberrecht? Forget it.

Fakt ist: Deutsche Blogs, die vor allem auf fremden Content hinweisen und das auch in Bildform tun, sitzen auf einer Zeitbombe. Das muss nicht immer so heftig hochgehen, wie beim Fall der Lego-Bilder und in Beträgen von mehreren tausend Euro münden: Ich bekam vor zwei Jahren etwa eine Abmahnung von einer Bildagentur wegen eines Jimi Hendrix-Bildes. Ich hab’ das Bild entfernt, denen 200 Euro überwiesen und eine Mail geschrieben: Die Sache sei damit für mich erledigt, wenn sie noch was wollen, müssen sie klagen und die Anwaltskosten werde ich nicht übernehmen. Ich habe nie wieder von denen gehört. Aber ich weiß eben auch, dass das (und ich) nicht der Normalfall ist.

Vor ein paar Tagen pingte mich Matthias auf Twitter wegen verdächtiger Hits auf seinem Server an, da hatte eine Kanzelei – zufällig dieselbe, wie die mit den Lego-Pics – nach Postings über die Bonsai-Baumhaus-Skulpturen von Takanori Aiba gesucht, über die ich im Februar ebenfalls gebloggt hatte. Ich konnte bei mir nichts verdächtiges entdecken, Matthias hat sein Blog nun aber vorrübergehend dichtgemacht und ich kenne ein ziemlich bekanntes Blog, das sich ebenfalls entsprechende Maßnahmen überlegt. So do I, denn es scheint so zu sein, dass hier eine „Bildagentur“ am Rad dreht, die Bildrechte von ein paar Viral Hits einkauft und deutsche Blogs, die darüber berichteten, abmahnen lässt.

Hier meine Strategien zur Vermeidung einer Abmahnung für die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Bildern, ohne völlig darauf verzichten zu müssen.

Gib mir den Rest, Baby…

Lego-Artist is „not represented by this law firm“, „not represented by this photo agency“ (UPDATE)

[update] So wie sich die Sache mittlerweile darstellt, fliegen hier grade ein paar Abmahnabzocker gehörig aufs Maul: „Ich hatte soeben einen kurzen Mailverkehr mit Nathan Sawaya und dieser teilt mir folgendes mit: ‘My fiance took the photo. My company owns it. We have not sold the rights to it. My lawyer is reviewing this matter. I am not represented by the German law firm who sent the letter. I am not represented by this photo agency. Please spread the word.“

Ursprüngliches Posting:

Der Künstler in der Abmahnsache hat sich grade in den Comments (auch hier bei WeLikeThat) zur Sache gemeldet:

This is Nathan Sawaya. I have been notified that my art is the subject of this matter. To be clear, I am not represented by this law firm. I am not represented by this photo agency. If you have any questions, you may email at info@brickartist.com.

Interessant.

[update] We Like That haben die neuesten Entwicklungen zusammengetragen:

Neben einigen weiteren Blogs haben jetzt auch ‘Amy & Pink’ inklusive ihrer Ableger ‘The Invader’ und ‘Wenke Who’ erstmal ihre Pforten geschlossen, bis die ganze Sache endgültig geklärt ist. Ich kann die Entscheidung vollkommen nachvollziehen, möchte allerdings auch betonen, dass wir diesen Schritt nicht gehen werden. […]

Es muss in Deutschland eine einheitliche Regelung gefunden werden wie mit dem Thema Nutzungsrecht in solchen Fällen umgegangen wird und wenn nötig ziehen wir damit auch vor Gericht. Ich zumindest!

Vorher auf Nerdcore:
Blog-Abmahnungen für Lego-„Kunst“

Blog-Abmahnungen für Lego-„Kunst“

[update] [update] So wie sich die Sache mittlerweile darstellt, fliegen hier grade ein paar Abmahnabzocker gehörig aufs Maul: „Ich hatte soeben einen kurzen Mailverkehr mit Nathan Sawaya und dieser teilt mir folgendes mit: ‘My fiance took the photo. My company owns it. We have not sold the rights to it. My lawyer is reviewing this matter. I am not represented by the German law firm who sent the letter. I am not represented by this photo agency. Please spread the word.“

Ursprüngliches Posting:

Die Jungs von We Like That wurden für ein paar Bilder der Arbeiten des Lego-„Künstlers“ Nathan Sawaya abgemahnt und ich persönlich kenne noch zwei weitere Blogger, einer davon ziemlich populär, die ebenfalls abgemahnt und mit Forderungen von mehreren tausend Euro überzogen wurden. Schade, dass die anderen beiden sich dazu entschieden, den Vorgang erstmal nicht zu veröffentlichen.

Ich hatte die Arbeiten von Sawaya vor fünf Jahren ebenfalls gebloggt, hier kam allerdings noch kein Wisch an und ich hab’ das Bild von damals vorsichtshalber mit einer CC-lizensierten Version ersetzt und zu einem Goatse-Ausschnitt beschnitten, dafür können sie’s gerne versuchen, wäre dann eine spaßige Auseinandersetzung und ich bin derzeit ohnehin streitlustig weil krank und schlecht gelaunt, aber wie auch immer:

Offensichtlich ist es so, dass eine Bildagentur die Rechte an den Fotografien eingekauft hat und nun Blogs abmahnt, deren Beiträge seit mehreren Jahren unbeanstandet und durchaus auch mit Aufmunterung des „Künstlers“ selbst, der auf Twitter regelmäßig Blogpostings mit seinen Arbeiten promotet und zwar zurecht, seine weltweite popularität basiert nicht zuletzt auf Blogpostings über seine Arbeiten. Der Zynismus, die Ironie dahinter wirklich lustig zu finden, fehlt mir gottseidank.

Ich weiß, dass mittlerweile Mails an den Mann geschrieben werden und hoffe sehr, dass Herr Sawaya – übrigens pikanterweise selbst ehemaliger Jurist – seine deutsche Vertretung zurückpfeift. Übrigens: Die Website Sawayas sieht in ihren Terms Of Service vor, dass man Content hochladen kann, Fotos einer Ausstellung etwa. Sawaya gewährt man mit dem Upload weltweite Lizenzrechte an diesem Bild: „By submitting Content to Brickartist.com or the Owner for inclusion on the Website, you grant Brickartist.com and Owner a world-wide, royalty-free, and non-exclusive license to reproduce, modify, adapt and publish the Content solely for the purpose of displaying, distributing and promoting your content“.

In der Theorie ist es also durchaus möglich, dass ein deutscher Blogger auf Sawayas Website ein Bild hochlädt, die Rechte dafür von der deutschen Bildagentur gekauft werden und der Urheber für sein eigenes Bild abgemahnt wird. Irre! [update] Der letzte Satz stimmt nicht, die Lizenzrechte sind non-exklusiv und die Nutzung klar definiert, ein Weiterverkauf der Bilder ist nicht vorgesehen. Dennoch kann der „Künstler“ theoretisch mit Bildern eines Uploaders werben, dessen Blog gleichzeitig wegen Sawayas Bildern abgemahnt wurde. Irre!

ABMAHNUNG: JETZT HATS UNS AUCH ERWISCHT (Bild: Goatse-cropped, CC-lizensiert: Yellow von David Guthrie)

[update] Mehr Infos bei AmyPink, die Abmahnungen kommen von der Firma hgm-press Michel OHG, einer Bildagentur, die sich auf Gossip-Bildchen spezialisiert hat, durch die Kanzelei activeLAW, die auch mal Abmahnungen für 19.000 Euro verschickt, um sie ein paar Tage später zurückziehen zu müssen.

Velvet Underground lose Copyright for a Banana

Velvet Undergrounds Ex-BananaDer Richter im Prozess von Velvet Underground vs die Warhol Foundation hat Copyright-Ansprüche der Band auf Warhols Banane abgelehnt. Und ich bleibe bei dem, was ich bereits vor ‘nem halben Jahr geschrieben hatte: „Wie würdelos von beiden Seiten. Aber wir leben ja ohnehin in Zeiten, in denen Maureen Tucker bei der Tea Party mitmitscht und Lou Reed mit Metallica eins der schlechtesten Alben der Musikgeschichte aufnimmt. Da wundert einen auch ‘ne Copyright-Klage wegen einer Banane nicht mehr.“

A judge has dismissed part of a lawsuit by the Velvet Underground, over the rights to the iconic banana image that featured on their debut album. The band were told they do not have a valid copyright claim, though they may continue pursuing the Andy Warhol Foundation for the Visual Arts for trademark infringement.

In January, members of the Velvet Underground filed a lawsuit in New York, alleging that Warhol’s banana print on the cover their 1967 album, has become “a symbol” of the defunct band. They demanded that Warhol’s organisation stop licensing the image for use on goods such as iPod covers, and pay them for past licensing.

In response to this suit, the Warhol Foundation issued a binding legal covenant, promising to never sue the Velvet Underground, or related parties, for copyright infringement. They offered indemnity “under the current, former, or any future copyright law of the United States … [and] regardless of whether said claim arises from VU’s or any other [related] party’s past, current or future conduct”.

Velvet Underground lose copyright claim over Andy Warhol cover

Vorher auf NC:
Velvet Underground sue Andy Warhol Foundation over Banana

Legal-Paper Comicstrip

Bob Kohn ist Sachverständiger in einer Klage gegen Apple wegen eBook-Preisbindung (soweit ich das verstanden habe) und als er sein Statement von 55 auf 5 Seiten kürzen sollte, hat er das Ding als Comic-Strip abgegeben.

He sought permission to file a 55-page amicus brief in the case, and the judge said he could file but had to cut it down to five pages. How do you squeeze 55 pages into five? Comic strip.

Kohn got one of his daughter’s friends to illustrate the amicus strip based on a script he wrote. The resulting brief complies with the rules, pretty much, because it has the standard caption and a table of authorities and the right-size margins, etc. I guess you could argue the font is not strictly according to the rules, but who cares? Would you rather have 55 pages in exactly the right font or five pages of this? Obviously.

Five-page version of Proposed Brief Amicus Curiae at Docket No. 97 (PDF), ein paar Infos dazu auf Lowering The Bar: All Briefs Should Now Be in Comic-Book Form

Leistungsschutzrecht verabschiedet und warum ich das gut finde…

Unser Bundesdings hat das Leistungsschutzrecht für Verlage verabschiedet, damit sollen „Suchmaschinenbetreiber und Anbieter von mit Suchmaschinen vergleichbaren Diensten“ demnächst von Presseerzeugern zur Kasse gebeten werden. Ich finde das gut.

Die Erzeugnisse deutscher Medien verkleistern mir ohnehin meistens nur die Google Ergebnisse und diese Gesetzeslage dürfte dazu führen, dass Suchmaschinen Artikel deutscher Medien schlicht nicht mehr indexieren. Auf Nerdcore verweise ich ohnehin in 98% aller Fälle auf internationale Medien oder gleich auf die Meldungen der Nachrichten-Agenturen, mir geht dieses Gesetz daher auch als kommerzieller Blogger eher am Gesäß vorbei. Heise meldet zwar unter Berufung auf die Bundesdings, dass „keine Dienste tangiert würden, die die verlegerische Leistung auf andere Weise als eine Suchmaschine nutzten“, wie Rivva etwa. Glaube ich denen sogar, es geht den Verlagen ja um das reine Abschöpfen von Google. Darauf verlassen würde ich mich als Blogger angesichts der florierenden Abmahnwirtschaft allerdings nicht.

Aber wie gesagt: Ich verlinke sowieso nur selten deutsche Medien, mir solls Recht sein.

[update] Hier ein Erklärbär-Video vom elektrischen Reporter:

 Youtube Direktrecht