Evil Dead (Review)

Ich habe mir gestern Evil Dead angesehen, das Remake zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme, der damals den Splatterfilm revolutionierte und die Hollywood-Karriere von Sam Raimi und Bruce Campbell sicherte. Die Story ist so kurz wie belanglos: Fünf Freunde fahren in den Wald, erwecken zufällig Dämonen, die von einen nach dem anderen Besitz ergreifen.
Das Original riss mit seinen absurdesten Gewaltszenen damals Grenzen ein, wenn sich etwa Cheryl als Deadite selbst die Hand abbeisst, Scott ihr das Dämonenmesser sammt abgekauter Hand in den Rücken rammt und sie dann in einer ganz absurden Soundmischung aus Rülpsen und einer auslaufenden Schallplatte langsam zergeht und Milch-Erdbeersirup verspritzt. Nur um *dann* nochmal aufzustehen, woraufhin sie von Scott zerhackt wird, teilweise aus subjektiver Kamera gefilmt, und das Ergebnis sieht man schließlich in einer großzügigen Totalen: Die gehackte Cheryl auf dem Boden verstreut.
Das Remake aktualisiert die Darstellung der Gewalt des Originals durchaus gekonnt, die Wucht und ständige Penetration des Zuschauers mit Widerlichkeiten entspricht weitgehend Raimis Tour De Force im Original und das Remake ist da ziemlich nahe dran. Allerdings ist extreme Gewaltdarstellung im Jahr 2013 nachdem Tortureporn im Mainstream mitspielen darf und Filmen wie Hostel, Saw oder auch Last House On The Left freilich nicht mehr besonders bahnbrechend.
Auch fehlt die verspielte Überdrehtheit aus aufplatzenden und irre lachenden Dämonen, die das Original trotz seiner extremen Blutorgien so klar in der Horror-Fantasy verorteten. Das Remake wirkt oft sehr mies gelaunt und humorlos, der gewalttätige Stock im Arsch des Horrorkinos 2013, den man so auch in verklemmten Machwerken aus dem Tortureporn-Genre sehen kann. Es ist eben auch nur ein Kind seiner Zeit.
Daft Punk – Random Access Memories (Review)
Das neue Album Random Access Memories von Daft Punk streamt seit heute für lau auf iTunes, ein Webrip davon gibt’s bei den bekannten alternativen Distributoren. Ich hab’s mir jetzt komplett angehört und sollte vielleicht vorausschicken, dass Funk jetzt nicht wirklich mein Sound ist. Das erklärt zumindest stellenweise, warum mir das Album sehr oft ziemlich egal ist und ich mindestens einen Track völlig furchtbare Kacke finde. Auf der anderen Seite hat das Album doch so viele grandios fantastische Stellen, dass ich RAM insgesamt gut finden kann, stellenweise brillant, aber eben durchwachsen.
Der erste Track Give Life Back To Music macht ziemlich egal rum, Nile Rogers langweilt sehr mit seiner herkömmlichen Funk-Gitarre, so sehr, dass ich ein paar Minuten bereits vergessen hatte, wie der Track nochmal ging. Kein gutes Zeichen für einen Album-Einstieg. The Game of Love ist eine nette Vocoder-Ballade mit Synths, die direkt aus einem Argento-Film stammen könnten.
Giorgo By Moroder reisst dann definitiv das bisher belanglose Geplänkel aus seiner Lethargie, überrascht mit Interview-Inhalten, dankenswerterweise in den Hintergrund gemischten Funk-Gitarren und einem fast schon hypnotischen Deep House-Ansatz, um dann mit einem völlig unwahrscheinlichen Break grandios zu überraschen. Dann nervt er leider wieder mit dämlichen Funk-Einlagen, nur um hintenraus den völligen Wahnsinn zu entfachen und zum ersten mal zeigt das Album hier seine echt herausragende Stärke: Die grandiose Drum-Arbeit von Quinn und wenn dann hinten raus die Iron Maiden-Gitarren da reinfetzen, sitzt man etwas ungläubig da, vor allem gemessen an den ersten beiden Tracks.
The Walking Crap S03E16: Welcome To The Tombs of Bullshit

Das Finale der dritten Walking Dead-Staffel ist ein riesiger Haufen Bullshit. Was man uns da vorgesetzt hat, war eine einzige, große Frechheit, an Unfähigkeit der Drehbuchschreiber nicht zu unterbieten: The Walking Crap, indeed. Und dieses Review ist ein einziger fetter Spoiler.
1.) Ich hab’ kein wirkliches Problem damit, Milton praktisch gleich am Anfang über die Wupper geht, obwohl ich die Figur mit am interessantesten fand. Ein Zombie-Doktor hätte dem Ensemble zwar gut getan und einige neue Spins hervorbringen können – und aus dem Labor und seinen Forschungen haben sie genau gar nichts gemacht, nada, nuffin’, die paar stimmungsvollen Szenen aus den ersten paar Folgen sind völlig für die Katz’ und reine Story-Füller – aber sei es drum. Der frühe Tod von Milton kam zwar etwas überraschend, aber na gut. Nur…
Der Governer sticht den Doktor ab, um ihn mit der eingesperrten Andrea alleine zu lassen, damit er sich in einen Zombie verwandelt und die Dame verspeist… nette Idee. Allein: Andrea wurschtelt sich einen ab mit der Zange hinter ihrem Dingsbums und Milton lebt noch so halb, da kann er natürlich nicht sein Rest-Adrenalin zusammenpacken und ihr mit der scheißbeknackten Zange helfen, die nur fucking zwei Meter von ihm wegliegt! Ist ja nun nicht so, als ob man ihm irgendwelche Gliedmaßen abgehackt hätte, der hat „nur“ ein Loch im Bauch! Ärgerlich! Obendrein müssen wir uns Andreas Gefuchtel mit der Zange und ihre „Gespräche“ mit dem halbtoten Milton in gefühlten drölfhundert Szenen ansehen.
Black Mirror S02E02 – White Bear

Victoria Skillane wacht in einem ihr unbekannten Haus auf. Sie weiß weder, wer sie ist, noch kann sie sich an irgendetwas erinnern. Verbände an ihren Handgelenken lassen auf einen Selbstmordversuch schließen, der Fernseher zeigt nur einen Space Invader geheimnisvolles Symbol, Victoria hat geglitchte Flashbacks aus ihrer Vergangenheit, immer wieder tauchen Bilder eines kleinen Mädchens und eines Mannes auf, scheinbar ihre Familie. Die Dame geht aus dem Haus und sieht Menschen hinter den Fenstern der Häuser, die sie beobachten, fotografieren und filmen. Schließlich erscheint ein maskierter Mensch, packt ein Gewehr aus und beginnt, Victoria zu jagen, während Menschen um sie herum filmen und zuschauen.
Auf ihrer Flucht trifft sie auf Jem und Damien, scheinbar selbst auf der Flucht. Während Damien vom maskierten Schützen getötet wird, gefilmt und fotografiert von Schaulustigen, erklärt Jem, ein Signal (White Bear) aus Handys habe die Menschheit zu teilnahmslosen Smartphone-Zombies und gewalttätigen Jägern gemacht. Schließlich geraten sie in die Fänge eines Hunters, aus der sie sich nach einer Runde Torture Porn a la Hostel befreien können und planen den Sendemast hochzujagen, der das White Bear-Signal überträgt. Und selbstverständlich ist nichts so, wie es scheint.
[SPOILER] Victoria ist die verurteilte Komplizin beim Mord an dem Mädchen aus ihren Flashbacks, der Mörder – ihr Verlobter – hatte sich im Knast das Leben genommen. Victoria hatte während des Verbrechens teilnahmslos zugesehen und den Mord mit der Kamera ihres Handys gefilmt. Sie wurde zum Aufenthalt im White Bear Justice Park verknackt, wo sie nun als Hauptdarstellerin in einer dramatisierten Version ihr eigenes Verbrechen unter den Augen und Kameras der Besucher des „Abenteuerparks“ durchleben muss. Am Ende jeder Vorstellung wird ihr die Wahrheit enthüllt, am Ende jeder Vorstellung wird ihre Erinnerung aufs neue gelöscht. [/SPOILER]
War Black Mirror S02E01 – Be Right Back eine fast schon romantische Parabel auf künstliches Leben ist White Bear eine gnadenlose Abrechnung mit Instagram und dem digitalen Puffer aus Youtube-Videos und Handyfotos, den sich die Menschheit in den letzten Jahren zwischen ihre eigene Sensorik und der Realität aufgebaut hat und das verwebt Brooker gekonnt mit einem beißenden Kommentar auf Schauprozesse, mediale Abstumpfung gegenüber Gewalt und Voyeurismus, noch dazu zwingt er den Zuschauer zur Sympathie mit der Protagonistin, die sich am Ende als Mörderin entpuppt. In dieser Folge gibt es keine Guten, nichtmal ansatzweise. Interessant ist hier vor allem die plakative Doppelmoral: Das Rechtssystem in Brookers fiktiver Gesellschaft hat Victoria aufgrund unterlassener Hilfeleistung wegen Mordes verurteilt, nur um die Gesellschaft in eben genau dieselbe Rolle als Beobachter und Voyeur zu pressen.
White Bear ist eine Tour De Force, Brooker mischt hier Motive aus Hostel mit denen aus Zombiefilmen, vor allem natürlich seiner eigenen Variante Dead Set – ich habe irgendwo gelesen, ihm wäre die Idee zu White Bear während der Dead Set-Dreharbeiten gekommen, als Jugendliche die Schauspieler während einer derben Szene mit dem Handy filmten. Die Figur der Victoria wird von Lenora Crichlow fast schon zu glaubhaft dargestellt, deren Performance grade zum Schluss beinahe unerträglich real wirkt. Die erste Hälfte gönnt dem Zuschauer in ihrer Gehetztheit nur wenig Pausen, der Twist hintenraus kommt nicht allzu unerwartet, ist aber in seiner diabolischen Ausarbeitung umso erschreckender. Ein fieses Stückchen Fernsehfilm, mal wieder, und White Bear muss man definitiv erstmal sacken lassen.
Die Folge kann man mit Proxy hier online ansehen, oder man nutzt die alternative Distributionsmethode seines Vertrauens. Die (leider) letzte Folge von Black Mirror „The Waldo Moment“ läuft heute abend, hier der Trailer.
Vorher auf Nerdcore:
Charlie Brookers Black Mirror S01E01
Charlie Brookers Black Mirror S01E02: 15 Million Merits
Charlie Brookers Black Mirror S01E03: The Entire History of You
Charlie Brookers Black Mirror Season 2 – First Pics and Plots
Charlie Brookers Black Mirror Season 2 – Trailer
Black Mirror S02E01 – Be Right Back
Black Mirror just got real: LivesOn, AI-Mirror of yourself after Death
Iceage – You’re Nothing (Review)

Iceages Debut-Album „New Brigade“ hab’ ich vor zwei Jahren hier schwer abgefeiert. Damals spielten sie dreckigen Punkrock, 12 Songs in 24 Minuten voller Teenage Angst. Jetzt haben sie das „schwere“ zweite Album „You’re nothing“ am Start und es ist… besser. Die grade mal 22jährigen Rotzlöffel hauen hier erneut ihren düsteren Noisepunk um die Ohren, das Songwriting ist noch cleverer, der Sound noch druckvoller und unter der Oberfläche von alldem funkelt immer noch ein schwarzes Herz aus Pop.
Der Opener „Ecstasy“ mäandert geschickt zwischen schleppend gespielten Strophen, nur über in High-Speed Refrains in stakkatohaften „Pressure-Pressure“-Rufen zu landen. Ohne Pause prescht das Album durch „Coalition“, getrieben von „Excess-Excess“-Schreien und hochgestimmten Sonic Youth-Gitarren. „Interlude“ ist genau die kurze Atempause, die sie einem auf „New Brigade“ nicht gegönnt haben, nur um mit „Burning Hand“ dem Hörer die Lyrics förmlich ins Gesicht zu spucken. „In Haze“ ist für Iceage-Verhältnisse beinahe schon fast fröhlich, „Morals“ vereint Bright-Eyessche Rotwein-Verzweiflung mit zurückgemischten Gitarrenwänden.
Mit „Everything Drifts“ begibt sich das Album auf eine Zielgrade aus Gröhl-Rock („Wounded Hearts“), Speed-Punk („It might hit first“, „Rodfæstet“), um schließlich mit „Awake“ einen augenzwinkernden Bastard aus Pop-Punk und Noise-Hymne zu landen. Und zum Abschluss fassen sie ihr Album mit dem titelgebenden Song „You’re nothing“ nochmal zusammen.
„You’re nothing“ ist da erste Album der Band auf einem großen Label (Matador) und man hätte erwarten können, dass sie ihren dreckigen Sound aufpolieren und wenigstens ein bisschen mainstream-tauglicher machen. Haben sie nicht getan, sondern sie haben ihren Rotzpunk aufgebohrt, verfeinert, noch cleverer, noch druckvoller gemacht. Die wissen anscheinend ziemlich genau, was sie tun. Ein kaputtes, brillantes, wunderbares Album und von der Band erwarte ich demnächst nicht weniger als ein Dekade-formendes Meisterwerk. Yes, they are that good.
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Iceage – You’re Nothing (MP3)
Iceage – You’re Nothing (CD)
Vorher auf Nerdcore:
Iceages „New Brigade“: When Dead Kennedys ate Joy Division
The Walking Dead S03E10: Home – Review

Crazy Rick sieht im Grünzeug vor dem Knast die weiße Frau Lori rumstehen und rennt fortan die halbe Folge durchs Gemüse. Glenn hadert immer noch mit sich und will am liebsten sofort nach Woodbury losziehen, um den Governor einen Kopf kürzer zu machen, Hershel muss ihn daran erinnern, dass das letztes mal auch ziemlich fantastisch geklappt hat.
Derweil ziehen Daryl und Merle durch die Wälder, geraten bei einer Rettungsaktion aneinander, woraufhin sich Daryl entscheidet, zurück zu Ricks Leuten zu ziehen. Da Glenn nicht auf Hershel hören will, geht der in den Garten zu Crazy Rick, die beiden spielen eine Runde Psychotherapie und Rick erzählt von den Geistern, die ihn heimsuchen. Und genau zu diesem Zeitpunkt kommt der Governor mit ein paar Jungs und einem Van voller Zombies vorbei und sagt mal kurz Hallo, was nicht so richtig angenehm wird, aber immerhin dafür sorgt, dass Rick nicht mehr ganz so crazy ist.
Nach der furchtbar grausamen neunten Folge letzte Woche hat diese hier wieder sehr viel von der Dynamik und Dichte der ersten paar Folgen der Staffel und der Plot ist in sich schlüssiger, als es in der Zusammenfassung oben klingen mag.
Hatte ich in den ersten paar Minuten noch die Befürchtung, dass die Serie nun vollständig in nicht nachvollziehbare Handlungen ihrer Charaktere abgleitet, kriegt die Story nach circa dem ersten Viertel die Kurve. Die Charakterentscheidungen sind nachvollziehbar, sogar Michonnes ewige schlechte Laune ergibt halbwegs Sinn, außerdem darf sie hintenraus wieder mal ordentlich ihr Katana schwingen, was die Dame nach wie vor am besten kann.
Im Gegensatz zur letzten Folge stimmt hier das Erzähltempo und die Folge hat sowas wie einen Rythmus und schließlich ist die Action am Ende ziemlich gut getimed und hat sogar halbwegs unerwarteten Climax, außerdem besteht die nicht unbegründete Hoffnung, dass mit dieser Episode das Kapitel von Rick in Lalaland endlich abgeschlossen ist. Diese Folge macht jedenfalls definitiv Lust auf das Staffelfinale, das (sofern es Band 8 der Sammelbände entspricht) sich hier bereits abzeichnet. Geht doch. Geht doch!
Black Mirror S02E01 – Be Right Back

Martha und Ash sind ein junges Ehepaar mit Haus auf dem Land. Ash ist ständig in Social Media-Channels unterwegs, twittert und shared was das Zeug hält, Martha illustriert Sachen auf ihrem New-School-Mac mit Holzverkleidung. Als Ash eines Tages bei einem Verkehrsunfall umkommt, bietet eine Bekannte Marthas an, sie zu einem Online-Dienst anzumelden, der Verstorbene anhand ihrer Social Media-Aktivitäten imitiert. „It’s still Beta“ und eines morgens hat sie Mail. Von Ash.
Natürlich sträubt sich Martha zunächst, als sie dann allerdings schwanger wird, kann sie der Versuchung nicht länger widerstehen und beginnt, mit der AI-Simulation ihres verstorbenen Mannes zu chatten. Sie gibt ihm Zugriff auf die privaten Mails und Chats ihres Mannes, woraus die Künstliche Intelligenz eine Audioversion von Ash generiert und schließlich upgradet sie ihre Simulation zu einer experimentellen Version: Einem künstlichen Menschen.
Black Mirror hat mich vor zwei Jahren umgehauen. Brooker lieferte damals den bislang intelligentesten Kommentar auf neue Technologien ab, den man bislang im Fernsehen gesehen hatte. Und „Be Right Back“ schließt ziemlich genau dort wieder an: Die Folge erinnert in Tonalität und Aussage am ehesten an „The entire History of you“, die wahrscheinlich stärkste Folge der ersten Staffel (auch wenn „15 Million Merits“ meine Lieblingsfolge bleibt). Hier wie dort geht es um ganz urmenschliche Emotionen, die auf Mechanismen treffen, die von neuen Medien und Technologien geschaffen wurden. In diesem Fall seziert Brooker Trauerarbeit, die auf digitale Klone trifft und würzt das alles mit subtilen Motiven aus Alien (Ash!) und Bodysnatchers. [SPOILERWARNUNG]
Oberflächlich lässt sich die Folge als reine Kritik an dieser Technologie lesen. Wenn Martha im letzten Bild in die Kamera schaut, um sich zu sammeln, dann suggeriert dies den nicht überwundenen Tod Ashs und zwar aufgrund der Simulation und des Klons aus dem Dachboden. Tatsächlich glaube ich aber nicht, dass es sich Brooker wirklich so einfach macht und mit Trauer kenne ich mich ein bisschen aus.
„Be Right Back“ ist eine fast exakt genaue Beschreibung der sogenannten Trauerphasen, an deren Beginn die Ablehnung der Realität, das Nicht-Wahrhaben-Wollen steht, gefolgt von Wut, Resignation, Akzeptanz, Trennung und Internalisierung (es gibt unerschiedliche Beschreibungen, das Muster ist aber immer gleich). Die behandelt Brooker fast exakt und baut dabei seinen Ash-Klon ein und untersucht dabei, was passiert, wenn das Bild des verstorbenen Menschen nicht mehr länger nur im Kopf existiert, sondern real existiert. Martha will zunächst nichts mit dem AI-Service zu tun haben (Nicht-Wahrhaben-Wollen), und reagiert wütend auf den Vorschlag, schließlich resigniert sie und akzeptiert den virtuellen Ash in ihrem Leben (auch vorübergehend als eine Art Sex-Toy), schließlich erkennt sie die Realität und vollführt die Trennung, bringt es aber nicht über’s Herz, „ihren“ Ash zu verstoßen und verbannt ihn auf den Dachboden (Internalisierung) und das alles spielen Hayley Atwell (Martha) und Domhnall Gleeson (Ash) in diesem Fast-Kammerspiel mit einer Eindringlichkeit, die im Fernsehen nur sehr selten ist.
Mein Papa hatte vor zwei Wochen seinen vierten Todestag, ich hab’ diese Trauerarbeit eine ganze Zeit lang hinter mir. Und manchmal, nicht oft, sehr selten sogar, da rede ich mit ihm. Nicht laut, sondern in meinem Kopf. Meine eigene, virtuelle Simulation meines Papas, auf dem Dachboden in meinem Kopf. So wie Ash.
Charlie Brooker is a tricky, smart bastard und Black Mirror ist nach wie vor eine der intelligentesten Serien, die wir haben. Ich verneige mich.
Links:
Charlie Brooker in einem Q&A zu „Be Right Back“
Trailer zur nächsten Folge: White Bear
Robert Downey Jr. hat die Recht an S01E03 The Entire History of You gekauft
Vorher auf Nerdcore:
Charlie Brookers Black Mirror S01E01
Charlie Brookers Black Mirror S01E02: 15 Million Merits
Charlie Brookers Black Mirror S01E03: The Entire History of You
Charlie Brookers Black Mirror Season 2 – First Pics and Plots
Charlie Brookers Black Mirror Season 2 – Trailer
The Walking Dead S03E09 – The Suicide King

Die Serie steigt schon grandios schlecht ein: Daryl und Merle im Zombie-Cagefight, umringt von 20 Dorfeinwohnern, die klingen wie der Superbowl und die tagsüber bei Sonnenschein im Sonntagskleidchen durch Woodbury stolzieren, wenn das Kaff aber was zu feiern hat, holen sie die abgefucktesten Lumpen aus dem Schrank, damit auch so richtig Mad Max-Stimmung aufkommt. Merle verprügelt dann erstmal seinen Bruder Daryl, weil er irgendeinen Plan hat, der darin besteht, die Leute des Governors zu verprügeln. Rick und Maggie und Michonne helfen den beiden und man flüchtet aus Woodbury.
Keiner hat Bock auf Merle, weshalb sich Daryl von der Gruppe verabschiedet und zurück im Knast angekommen, ignoriert Rick zunächst den in der letzten Folge hinzugekommenen Tyreese, nur um sich dann wie ein komplettes Arschloch zu verhalten. Dann sieht er mal wieder seine Hackfleisch-Lori und gibt den Psycho-Rick. Dankenswerterweise ist die Folge nach dieser 50-Minuten-Folter zu Ende.
Ich hab’ ja nur noch wenig Lust, dieser Serie irgendwelche positiven Seiten abzugewinnen. Die ersten paar Folgen der neuen Staffel waren stark bis gut, zum Ende der ersten Staffelteils wurden aber wieder grandiose handwerkliche Mängel offensichtlich, die dann gestern in der mit Abstand furchtbarsten Folge der Staffel bisher gipfelten.
Das Drehbuch ist grausam, die Charaktere handeln unlogisch und mit nicht nachvollziehbarer Motivation, die Kameraarbeit ist furchtbar, es gibt keinerlei Gespür für Erzählrythmus, die Darsteller sind unterstes Laien-Niveau (Komparsen) bis schlecht (Michonne) bis meh, das Sounddesign ist nicht vorhanden. Alleine die Zombie-Masken sind überdurchschnittlich gut, aber das genügt freilich lange nicht, um die Serie auch nur im Ansatz okayish zu machen.
Dazu kommt, dass Teile der Story komplette Zeitverschwendung sind. Wir wissen, dass Rick Tyreese aufnehmen wird, seine Überreaktion ist daher reichlich fehl am Platz. Wir wissen, dass Michonne Teil der Gruppe wird, es gibt keinen Grund, sie als den dermaßen stoisch-dumm-agierenden Holzklotz zu zeigen. Wir wissen, dass Daryl wieder auftauchen wird. Die Folge verschwendet rund die Hälfte ihrer Zeit mit überflüssigen Storywendungen. Einziger Lichtblick ist Tyreese, er ist der einzige Charakter der Serie, der sich nicht wie ein kompletter Pimmel verhält. Zusammen vielleicht noch mit Papa Hershel.
Die Serie ist mit diesem Abgrund der Dummheit gestern wieder beim Niveau des Endes von Staffel 1 angekommen. Ich werde die Serie natürlich weiter anschauen, weil deshalb. Aber The Walking Dead hat seit gestern einen neuen Namen: The Walking Crap.
FIDLAR: Fuck It, Dog, Life’s A Risk

Pitchfork hat einen Stream des nächste Woche erscheinenden, selbstbetitelten Debut-Albums von FIDLAR (Abkürzung für „Fuck It, Dog, Life’s A Risk“), ich hab’ mir die Platte meiner derzeitigen Lieblingspunks (neben Iceage) grade komplett angehört.
„Fuck It, Dog, Life’s A Risk“ ist toller, straighter Garage-Punk mit enormen Proll- und Gröhl-Faktor, die Songs sind dann aber eben auch eine ganze Ecke ausgefuchster und haben einen subtilen Classic-Rock Layer unter allem liegen. The Cramps meet Creedence Clearwater Revival, so ungefähr. Die Platte eröffnet mit dem Surf-Sound von „Cheap Beer“, das die angemessene Textzeile „I. Drink. Cheap. Beer. So. What. Fuck. You.“ enthält, was schonmal die Richtung vorgibt. Funpunk im Wortsinn, Garagerock meets The Hives ohne die Hysterie. Toll!
Auf Albumlänge sind FIDLAR allerdings leider nicht ganz die Rettung des Punk, die ich mir nach so sensationellen Tracks wie „No Waves“, „Wake Bake Skate“ oder den ebenso fantastischen Non-Album-Tracks „I just wanna die“, „AA“ oder „The Punks are finally taking Acid“ (grade „AA“ war ein ziemlicher Hit, was weiß ich, warum es das Teil nicht auf’s Album geschafft hat) erwartet hatte.
Wie auch immer, das Album ist dennoch eine unbedingte Empfehlung für jeden, der auf dringliche Gitarrenmucke aus dem Jahr 1976 steht. Hier ‘ne YT-Playlist mit einigen Videos, gefolgt von ein paar Links:
FIDLAR auf Soundcloud mit einigen Non-Album-Tracks und Downloads, hier sind’se auf Facebook, Bandcamp, Tumblr.
Amazon-Partnerlinks:
FIDLAR – Fuck It, Dog, Life’s A Risk (Download)
FIDLAR – Fuck It, Dog, Life’s A Risk (Dead Media Format)
The Hobbit (Review)

Ich hab’ mir gestern den Hobbit in HFR (High Fram Rate)-Verfahren in 3D angesehen, Batz und Nilz haben den Film bei den F5 schon verrissen. Die Geschichte sollte bekannt sein, hier die Kurzfassung: Die Zwerge horten einen Schatz und finden einen Superdiamant, der lockt den Drachen Smaug an, der das Volk der Zwerge aus ihrem Berg Erebor schmeisst und sich im Berg einnistet. Nun versammelt Zauberer Gandalf 13 Zwerge im Haus von Bilbo Beutlin aus Beutelsend, und gemeinsam mit dem Hobbit macht man sich auf, um Schatz und Berg der Zwerge vom Drachen Smaug zurückzuholen.
Ich hab’ mir den Film gezielt in 48FPS und in 3D angeschaut, auch wenn man beinahe nur Schlimmes davon hörte. Peter Jackson meint, dass das so soll, also schau ich mir den Hobbit auch so an. Zuallererst hatte ich einen „Benny Hill“-Effekt, sämtliche Bewegungen wirkten zu schnell, was zusammen mit der normalen Erzählgeschwindigkeit ziemliche Verwirrung auslöste, aber das verflog nach wenigen Minuten.
Weitaus länger muss man sich an die Optik der Framerate gewöhnen und bis zum Schluss lässt sich der Look einer TV-Sendung im Studio nicht vollständig abschütteln, auch wenn die Bilder hintenraus stimmungsvoller werden und grade dann in HFR ziemlich fantastisch aussehen. Vor allem die Tricks und das CGI sieht hier extrem gut aus. Sobald sich aber ein Darsteller aus Fleisch und Blut ins Bild schleicht, geht sehr viel Atmosphäre verloren, sobald die Bewegungen rasante Kamerafahrten verlangen oder gar Verfolgungsjagten gezeigt werden, wirkt das Geschehen seltsam Miniaturisiert, ein eigenartiger Tilt-Shift-Effekt, und man meint, einem Trickfilm aus Actionfiguren zuzusehen und Slow-Motion wirkt im Zusammenspiel mit der hohen Framerate nahezu surreal.
Letztlich halten sich die Bilder die Wage, grade zu Anfang wirken viele der Aufnahmen extrem billig, nach hintenraus verschlagen einem manche der Bilder im Bruchtal bei den Elben oder im Nebelgebirge die Sprache. Immer wenn das Bild sehr detailreich wird und es visuell sehr viel zu zeigen gibt, kann der Film technisch sehr viel rausholen. In normalen Dialogszenen allerdings stinkt das Bild doch gewaltig, kann man leider nicht anders formulieren.
Weit weniger störend empfand ich Narration und Dramaturgie. Entgegen anderer Kritiken fand ich den Beginn nicht zu lahm und die etwas überdrehte Albernheit der Zwerge hielt sich dann doch so weit in Grenzen, dass der humorige Teil des Films nie wirklich störte und wenn der Film nach dem ersten Drittel merklich an Fahrt aufnimmt und hintenraus dann auch wirklich zum Creature Feature wird, dann taucht man in die Leinwand und ist direkt dabei und zieht mit den Zwergen durch Moria. Die angebliche Langatmigkeit wird wettgemacht durch fantastische, detailreiche und üppige Bilder, in denen märchenhafte Details erzählt werden.
Peter Jacksons liebevolle Zeichnung der Figuren kommt hinzu, der skurrile Radagast etwa, das verschmitzte Spiel zwischen Gandalf und Galadriel, der komplett wunderbare Bilbo und natürlich der grandiose Gollum, ein fantastisch animierter Charakter, wieder fantastisch gespielt von Andy Serkis.
Natürlich entwickelt der Film nicht die Tiefe und auch Schwere eines Herr der Ringe, der Hobbit ist ein Märchen, eine leichte Geschichte mit letztlich einfach gestrickten Charakteren, was Jackson mit epischen Bildern in State of the Art-Technologie kontrastiert. Der Film funktioniert trotz der technisch bedingten Schwächen (die dann aber auch mehr psychologischer Effekt denn tatsächlich „Schuld“ des Films sind) auf weiten Strecken ganz großartig, ist spannend, mitreissend und – was wohl das wichtigste ist – manchmal auch durchaus magisch. Und der letzte Shot lässt einen dann auch ein bisschen jubeln.
Ich kann den Film komplett empfehlen, wenn man auf 3D und Schnickschnack steht, sollte man die HFR-Version austesten, alleine um sich selbst ein Bild vom Bild zu machen. Wenn man nicht so sehr auf Experimente steht, sollte man vielleicht die normale Version vorziehen. Aber ansehen muss man sich den Hobbit definitiv.
Nach dem Klick der Trailer und noch ein paar Links: Gib mir den Rest, Baby…
The Walking Dead S03E06: Hounded

Michonne wird im Wald von Merle und ein paar Schwergen des Governors gejagt, nachdem man sie in der letzten Folge scheinbar unbehelligt aus Woodburry ziehen lies. Dabei dezimiert sie Merles Truppe Kopf um Kopf mit ihrem Katana, wird dabei allerdings angeschossen und während einem der Gemetzel mit Zombieblut und Innereien überschüttet. Als sie daraufhin auf eine Gruppe Untoter trifft, registrieren die sie nicht. Wie wir bereits in der ersten Staffel lernten, riechen Zombies die Lebenden.
Andrea latscht gleichzeitig immer noch mit Scheuklappen durch Woodburry, das Zombie-Wrestling aus der letzten Episode ist fast vergessen. Sie besorgt sich einen Job auf der Absperrung, weil sie zur Abwechslung ein bisschen badass sein möchte. Obendrein bändelt sich auch noch mit Papa Governor an und hüpft mit Übersicko in die Kiste. This won’t end well. Viel Potential für Konflikte und Andreas Charakterentwicklung hier.
Denn Michonne trifft verletzt und mit Merle auf ihren Fersen in genau dem leergefegten Kaff ein, in dem grade Glenn und Maggie nach Proviant suchen, sie versteckt sich hinter Autowracks und beobachtet die beiden. Hier beginnen sich nun die beiden Storylines der Staffel zusammenzufügen. Das Treffen von Merle und Glenn wirkt zwar ein wenig konstruiert, warum suchen die beiden ausgerechnet an der Stelle nach Zeugs, an der Michonne mit Merle im Schlepptau aus dem Wald taumelt… aber sei’s drum. Merle versucht Glenn zu überzeugen, ihn zu seinem Bruder zu führen und selbstverständlich kommt es zur Auseinandersetzung. Merle überwältigt Maggie, nimmt sie als Geisel und zwingt Glenn, die drei nach Woodburry zu fahren. Dorthin zurückgekehrt belügt er den Governor über eine angeblich von Zombies getötete Michonne und berichtet von den „Neuankömmlingen“ Glenn und Maggie.
Rick telefoniert im Knast immer noch mit Unbekannten, die angeblich irgendwo in einem sicheren Versteck sitzen. Natürlich ahnen wir als Zuschauer, dass das nicht so ganz real sein kann, so wie auch Hershell, dem Rick vom Klingeling erzählt. Aber was ist besser, wenn man nicht nur kurz vor’m durchdrehen ist, sondern bereits alle Lichter durchgebrannt sind, als ein alter Mann, der einem zuhört und einen auch mal wirklich irre sachen sagen lässt. Schließlich findet Rick selbst raus, dass die Telefoniererei nicht real sein kann, denn „Lori“ ergibt sich zu erkennen und Rick sprach mit den Verstorbenen aus vergangenen Folgen und Staffeln.
Daryl, Oscar und Carl inspizieren derweil den Knast um nach Überresten, lebend, tot oder beides, des Überfalls der Zombies aus Folge 4. Dabei finden sie im Hals eines Zombies zunächst Carols Messer (schöner Splattereffekt an dieser Stelle) und schließlich auch die totgeglaubte Carol selbst, große Freudentränen. Rick kehrt schließlich von seinem Psychotrip zurück zur Gruppe und schaut zum ersten mal seiner Tochter in die Augen. Die Gruppe ist wieder zusammengeführt, es ist wieder sowas wie ein Normalzustand erreicht und nicht zuletzt der Soundtrack suggeriert so etwas wie Friedlichkeit. Und dann steht zusammen mit Michonne die Woodburry-Storyline vor’m Zaun und will rein.
Nachdem die ersten Folgen sehr viel auf Tempo und Dramatik setzten, nimmt man hier das Tempo wieder merklich raus und gönnt den Charakteren eine Verschnaufpause. Trotz des bekloppten Telefons (zugegeben: simples und gelooptes, aber tolles Sound-Design!) schafft man es, hier ‘ne schön spooky-weirde Atmosphäre aufzubauen. Das fehlende Tempo macht die Folge ein wenig zu Lückenfüller, aber nicht schlecht. Einr notwendige Scharnierfolge, um in der kommenden Folge wieder anzuziehen um dann zum Staffelfinale Vollgas zu geben.
Vorher auf Nerdcore:
The Walking Dead S03E05: Say the Word
The Walking Dead S03E04: The Killer Within
The Walking Dead S03E03: Walk with Me
The Walking Dead S03E02: Sick!
The Walking Dead S03E01: Seed
The Walking Dead S03E05: Say the Word

„Mere words can not adequately describe the festivities ahead.“
Sonnenschein und Tralala in Woodburry, Andrea trinkt Limo mit Doktor Milton, alle bereiten sich auf ein „Dorffest“ vor, aus dem alle ein Riesengeheimnis machen, vor allem Andrea verrät man nicht, was da abends gefeiert werden soll. Warum ihr keiner davon erzählt ist wurscht, es entbehrt jeder Logik und der einzige Zweck der Geheimnistuerei ist es, einen Spannungsbogen für die Folge aufrechtzuerhalten. Hätte man auch eleganter lösen können, aber was solls. Derweil bürstet Papa Governor seiner untoten Zombie-Tochter Penny die Haare, wobei er ihr natürlich einen saftigen Fetzen Skalp abreisst. Da ist die Aufregung freilich groß und es braucht einen Sack über den Kopf, damit der Herr wieder mit seiner Tochter kuscheln kann. Sick!
Im Knast sammeln sich währenddessen die Überlebenden des letzten Zombie-Überfalls, Daryl, Glenn und Maggie kümmern sich um Babynahrung und Opossum-Steak, als Rick den Psycho gibt, sich eine Axt schnappt und in den Knast zurückrennt. Sowas geht nie gut aus, liefert aber ein paar tolle kopfspaltende Splatterszenen.
Michonne schaut grimmig und bricht in Governors Zimmer ein, holt sich ihr Katana zurück. Dort findet sie ein Notizbuch voller Namen und Strichen, als sie Penny hinter der Tür kratzen hört. Als Papa Governor und seine Partyjungs zurückkommen, flüchtet sie aus dem Fenster in einen Hof, wo sie einen Verschlag voller Zombies findet. Endlich kann die Dame ihre Katana-Künste kompletto herzeigen und es fliegen die Köpfe. Selbstverständlich wird sie dabei von den Leuten des Governors erwischt und sitzt alsbald erneut in seinem Büro, in einem Verhör. Michonne schaut grimmig und man wird das Gefühl nicht los: Die beiden können sich nach wie vor nicht so richtig gut leiden. Tolle Dialogzeile hier: „People with nothing to hide usually don’t feel the need to say so.“ Daraufhin lässt der Governor seinen Charme bei Andrea spielen, die Michonne wegen des Einbruchs konfrontiert. Michonne will endlich weg aus Woodburry, Andrea will mehr Limo, findet’s toll und will bleiben – schlussendlich geht Michonne alleine (und guckt dabei grimmig).
Glenn begibt sich im Knast, nachdem er die Gräber für die Toten ausgehoben hat, auf die Suche nach Rick. Als er ihn trifft, findet er einen gewalttätigen Irren auf Psychofilm, der auf Glenn losgeht und erneut in die Gänge verschwindet. In Woodburry müssen für das große Fest, da Michonne den Zombie-Vorrat des Governors ein paar Köpfe kürzer machte, für Nachschub gesorgt werden. Also fahren Doc Zombie und Merle zu einer Falle für Untote, wo sie sich frische lebende Leichen besorgen, denen sie die Zähne ziehen, denn Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Maggie und Daryll kehren abends endlich mit Babynahrung zurück in den Knast, wo er wohl eine der tollsten Szenen der Staffel liefert_ Daryll Badass-Redneck füttert Ricks Tochter und macht Babysprech – „You like that, little Asskicker?“ Toll!
Und schließlich findet Rock seine Lori. Oder besser gesagt: Er findet eine Locke von ihr, die aus dem Maul des Zombies hängt, der mit Lori-Stücken vollgefressen am Boden sitzt und sich ob der Leichen-Adipositas nicht bewegen kann. Uärks! Rick macht daraufhin ein paar ziemlich derbe, sicke Sachen mit ihm und während Rick seinen Totentanz feiert, steigt in Woodburry die Party: ‘ne Runde Wrestling mit Zombies, Merle und irgendjemand als Cagefighter mit angeketteten Zombies als Ring. Findet Andrea nicht so richtig super, was der Governor wiederum gar nicht verstehen kann.
In den letzten beiden Bildern legt zunächst Daryl eine Blume an das leere Grab der vermeintlich toten Carol, als in den Gängen des Knasts das Telefon für Psycho-Rick klingelt.
Schöne Folge, dicht erzählt mit vielen Wendungen, die für die Entwicklungen der Charaktere in den weiteren Folgen die Weichen stellen, wahrscheinlich passiert alleine in dieser einen Episode mehr, als in der kompletten zweiten Staffel zusammen. Michonne spielt zwar immer noch beknackt und ihre Mimik beschränkt sich auf grimmig, grimmig-kampflustig und grimmig-genervt und daran wird sich wohl auch in Zukunft nix mehr ändern, aber damit kann ich leben, muss ja. Und im Comic ist die Figur ebenso gezeichnet, wobei man in der Serie durchaus ein paar mehr Charakterseiten hätte einfügen können – man orientiert sich ja auch sonst nur eher lose am Comic und in manchen Fällen auch gar nicht, siehe Andrea. Und dann dieses beknackte scheiß Telefon, das schon im Comic nur nervte. Wenn man eines am Comic hätte ändern sollen, dann hätten sie das Psycho-Ringring weglassen sollen. Aber trotzdem: die Staffel bleibt insgesamt gut bis sehr gut und spielt nach wie vor in einer ganz anderen Liga, als die beiden zuvorgekommenen.
Vorher auf Nerdcore:
The Walking Dead S03E04: The Killer Within
The Walking Dead S03E03: Walk with Me
The Walking Dead S03E02: Sick!
The Walking Dead S03E01: Seed
The Walking Dead S03E04: The Killer Within

„No more kids stuff. People are gonna die.“
Ein Unbekannter lockt Zombies mit Leichenteilen zum Knast, Hershell macht einen Spaziergang, Axel und Oscar bitten darum, in die Gruppe aufgenommen zu werden, weil ihr Teil vom Knast nach Verwesung müffelt, Rick sammelt Holz und inspiziert mit Carl, Daryl und Glenn den Zaun, Rick und Laurie werfen sich einen verliebten Blick zu und Häschen hoppeln über die sonnigen Blumenwiesen. Dann bricht die Hölle los.
Die angelockten Zombies erreichen den Knast, noch dazu wird Alarm ausgelöst und die Sirene lockt weitere Walker an. Die Gruppen werden getrennt und flüchten ins Gebäude. T-Dogs Schulter wird beim Rückzug in den Knast von einem Zombie verspeist und wir wissen ja, was das heisst. Schnitt nach Woodbury: Andrea verrät Merle den Standort von Hershells Farm, damit er seinen Bruder Daryl suchen kann, begleiten will ihn Andrea allerdings nicht, weil Woodbury so ein kuschelig schöner Ort ist. Michonne rollt daraufhin einmal ganz gewaltig mit ihren Augen und schaut weiter finster drein.
Derweil setzen im Knast Loris Wehen ein, Carl findet einen sicheren Raum für seine Mutter und Maggie, während der Governor bei einer Runde Golf mit Merle dessen geplante Suche nach seinem Bruder diskutiert und Rick mit Glenn, Oscar, Axel und Daryl nach dem Generator suchen, um der Alarmsirene den Saft abzudrehen. Derweil treffen Carol und T-Dog auf eine Herde Zombies im Knast und da T-Dog ohnehin schon am Arsch ist, stürzt er sich in die Menge der Untoten und Carol flüchtet. Bei der Geburt stellen sich Komplikationen ein, Lori entscheidet sich für einen Kaiserschnitt, den Maggie mit einem beherzten Ritschratsch durchzieht. Lori stirbt und Carl schießt seiner Mutter eine Kugel in den Kopf, damit sie nicht als Zombie zurückkehrt. Fun!
Rick und seine Leute finden den Generator und treffen dort auf – Überraschung! – Andrew, den Häftling, den Rick in Folge zwei im Innenhof mit den Zombies eingesperrt hatte. Er hatte die Zombies angelockt und den Alarm ausgelöst und bekommt von Oscar eine Kugel verpasst. Rick schaltet den Alarm ab und der Spuk ist – für’s erste – vorbei. Am Ende finden sie T-Dogs halbgefressene Leiche, Carol bleibt verschwunden, im Hof treffen sie auf Sophia und Hershel.
Als Maggie und Carl mit dem Baby aus dem Zellenblock kommen, schnallt Rick sofort, was geschehen sein muss und es folgt die wohl schmerzhafteste Szene der kompletten Serie. Rick bricht zusammen, Tränen, Ende.
Die vierte Folge ist bislang die wohl ergreifendste und gnadenloseste der ganzen Serie. Zwei Hauptfiguren werden geopfert, darunter eine der wichtigsten. Auch wenn ich den Tod von Lori für unglücklich platziert halte in der Erzählung – wer die Comics kennt, weiß, dass ihr Tod dort zusammen mit anderen Begebenheiten einen dermaßen wuchtigen Climax bildet, der von Kirkman bis heute nie wieder erreicht wurde –, ergibt ihr Tod in der Serie durchaus Sinn, da er (und der grausame, explizit gezeigte Tod von T-Dog) eine Charakterentwicklung auslöst, die für das komplette Ensemble der Serie extrem wichtig ist.
Schwierigste, ergreifendste und vielleicht auch die bisher beste Folge der dritten Staffel und wahrscheinlich der wahre Season-Höhepunkt. Aber wir haben ja noch ein bisschen was vor uns.
The Walking Dead S03E03: Walk with Me

The Walking Dead bleibt auch in der dritten Folge der neuen Staffel ziemlich toll. „Walk with Me“ ist die erste Folge der Serie, in der Rick nicht zu sehen ist, die Folge konzentriert sich komplett auf die Erlebnisse von Michonne und Andrea, die einen abstürzenden Hubschrauber (aus Staffel 1, schöne narrative Brücke) beobachten und an der Absturzstelle auf den Governor treffen. UND DANN KOMMT MERLE! Der alte Redneckbekannte aus Staffel 1 ist wieder da, Bruder von Daryl ohne rechte Hand, dafür mit schickem Stumpf-Bajonett.
Die Folge nimmt das Tempo der ersten beiden Folgen ein bisschen raus, um den neuen Figuren wichtigen Raum zu geben. Der Governor wird in der Serie äußerlich komplett anders dargestellt, im Comic sieht der Mann aus wie ein psychopatischer Parkplatzwächter mit Jesus-Komplex, hier wirkt er wie ein Statesman, ein Politiker mit ‘ner guten Portion Badass. Kann man machen, für die Serie wahrscheinlich eine gute Entscheidung. MASSIVE SPOILERS AHEAD!
Der Governor „rettet“ den verletzten Piloten aus dem Hubschrauber und bringt ihn, zusammen mit den gefangenen Michonne und Andrea, nach Woodbury, einem Kaff umgeben von einem hohen Wall, bewacht von den Leuten des Governors und seiner rechten Hand (hihi) – Merle. Während eines Verhörs berichtet der verletzte Pilot von weiteren überlebenden Soldaten der Nationalgarde und verrät deren Standort und während Andrea vom Charme des Governors sichtlich angetan ist, zeigt Michonne ausschließlich Misstrauen und will ihr Katana zurück (ein bisschen Overacting von Danai Gurira hier, aber sei’s drum).
Als der Governor zu den verbleibenden Soldaten fährt, zeigt er zum ersten mal sein wahres Gesicht in einem geplanten Überfall: Er tötet alle Überlebenden mit Heckenschützen und nimmt ihre Ausrüstung an sich (was später in der Serie noch wichtig werden dürfte). Zurück in Woodbury belügt er seine Leute und in der Nacht drauf setzt er sich in seinen Sessel und schaut sich seine Trophäensammlung an: Eine Wand aus Aquarien, gefüllt mit lebenden Zombieköpfen – inklusive dem Kopf des Hubschrauberpiloten. Whoa!
Die dritte Staffel begeistert mich weiterhin, die beiden komplett separierten Erzählstränge sind ‘ne sehr elegante Lösung und das Casting mit David Morrissey als Governor passt, man nimmt ihm die diabolische und sadistische Figur sehr gut ab und ich denke, ich weiß ganz genau, wie es klingen wird, wenn er später diesen Satz rufen wird. Dürfte super werden. Danai Gurira als Michonne passt, aber die Figur leidet etwas unter ihrem Overacting, ein wenig mehr von Michonnes „Doesn’t give a shit“ aus den Comics würde ihrem Schauspiel gut tun – aber damit kann man leben. Toll auch: Das „Zombie-Labor“, das sie so ein bisschen aus „Day of the Dead“ geklaut haben – was ein Riesenkompliment ist – und ich hoffe sehr, dass sie damit noch ein bisschen rumspielen werden, die Comics bieten da ja sehr viele Möglichkeiten. Ich sage nur: Let the Zombie-Games begin.
Ich bin sehr gespannt, wie sehr sie nun auf’s Erzähltempo drücken, insgesamt haben sie 16 Episoden und in Woodbury passiert (in den Comics) noch eine ganze Menge und ich bin sehr gespannt, wie sie Ricks Hand mit der von Merle zusammenbringen, die Parallelität ist ja nun unübersehbar. Ich gehe schwer davon aus, dass die Staffel mit einem der unfassbarsten Cliffhanger der Comicgeschichte enden wird um dann in Staffel Vier extrem heavy einzusteigen. The Walking Dead sind auf ‘nem sehr guten Weg und die besten Folgen dürften immer noch vor uns liegen.

Hell yeah!
Vorher auf Nerdcore:
The Walking Dead S03E01
The Walking Dead S03E02: Sick!
The Walking Dead S03E02: Sick!

Die zweite Folge der dritten Staffel steigt exakt beim Cliffhanger aus der ersten Folge ein und führt einen ganzen Haufen neuer Überlebender aus dem Knast ein, die von Ricks Gang ziemlich überrascht sind und keinen Schimmer haben, dass die Welt komplett im Arsch und voller Zombies ist. Nachdem nun also Rick den verletzten Hershel nach der Not-Amputation seines Beins notversorgt hat, widmen sie sich den Knastis, deren Anführer ein bisschen wie Jesus aus Lebowski aussieht. Selbstverständlich macht man eine Weile rum und einigt sich schließlich auf einen Deal: Rick und seine Leute säubern einen Zellenblock von Zombies um dort einzuziehen, für die Beseitigung der Untoten bekommen sie die Hälfte des Essensvorräte aus der Cafeteria. (SPOILERALARM!)
Rick und Daryl sehen sich eine kurze Weile an, wie Jesus und seine Jungs sich an Zombiekilling versuchen – die Serie wird hier tatsächlich ein bisschen lustig! –, und zeigen ihnen dann schließlich, wie’s geht: Aim for the Brain. Bei der Aktion wird einer der Knastis gebissen und wärend man nun überlegt, was zu tun ist, rastet Jesus aus und zermatscht den Kopf seines Kumpels. Whoa! Schließlich zieht im weiteren CleanUp-Verlauf der Jesus-Knasti mit seiner Machete einmal nur knapp an Ricks Kopf vorbei und schleudert schließlich einen Zombie auf Rick und der so: „Oh, I get it. Shit happens“. Dann spaltet er Jesus mit einer Machete den Schädel und jagt Jesus’ anderen Kumpel in einen Hof voller Zombie und sperrt ihn da ein. WHOA!
Genau das ist die Zombie-Show, die ich seit drei Jahren sehen will. Genau so! Großartig! Das hier ist Badass-Rick, wie man ihn von Anfang an haben wollte. Hätte ich nicht gedacht, aber: Diese Folge gefiel mir noch besser, als die erste Folge letzte Woche. Und: In dieser Folge gibt’s keine Andrea und keine Michonne. Die kommen nächste Woche und zwar zusammen mit dem Governor. Fuck, yeah!
Vorher auf Nerdcore:
The Walking Dead S03E01





