The Walking Dead S03E01

„These assholes don’t stand a chance.“
Ich hielt die erste Staffel der Serien-Umsetzung meines Lieblingscomics „The Walking Dead“ für scheiße. Die hatten da nach der starken ersten Folge so viele Nullnummer-Storylines, die nicht zu ende erzählt wurden und brachten dann als Staffefinale tatsächlich eine der schlimmsten CGI-Explosionen aller Zeiten. Die zweite Staffel erging sich nun stundenweise in Gelaber auf einer Farm, was ich trotz des ganzen Geblubbers eher okay fand. Immerhin: „Unsere kleine Farm“ mit Zombies und für die lebende Brunnenleiche bin ich tatsächlich ein bisschen dankbar. I like. Nun also Staffel Drei, die Knaststaffel.
Die Serie steigt in ihrer dritten Season mit fünf Schweigeminuten ein und erzählt, wie Rick und seine Gang im Knast landen. Ich weiß grade nicht, was die geändert haben, aber: It’s awesome. Diese Folge hat Gore, den man niemals im deutschen Fernsehen sehen wird. Die Charaktere sind auf einmal sympathisch und sogar Lori ist auf einmal ein Charakter, dem man keine Zombie-Seuche an den Hals wünscht. Erstaunlich. Noch dazu erfindet diese Folge Riot Gear Police Zombies in voller Montur und die Darstellung von Michonne durch Danai Gurira ist jetzt nicht allzu schlimm. Find’ ich gut, alles.
Also: Riot Gear Helmet Gesichtsverlust. Wenn Ihr die Folge gesehen habt, wisst ihr, was ich damit meine. Und Maggies Gesichtsaudruck, als sie einen davon erledigt. Priceless. Wenn das hier die „neuen“ Walking Dead sind, dann hätte ich gerne sehr viel mehr davon. Die nächste Folge kommt… heute nacht. Ich bin gespannt, ob man dieses Niveau halten kann.
YPS is back and it sucks Urzeitkrebsballs.

Ich bin heute morgen zum Kiosk gelatscht und habe mir das heute erschienene, neue YPS gekauft. Für die zu spät geborenen: YPS war ein Magazin mit hohem Comic-Anteil aus den 80ern, vor allem bekannt für seine „Gimmicks“, Spielzeug und Bastelkram, Schwarze Folie, die zu Zeppelinen aufgeblasen wurden und UFO-Alarm auslösten oder sogenannte Urzeitkrebse. Letztere erschienen ganze 21 mal in der ursprünglichen Heftserie und beim Neustart sind ebenfalls wieder diese Viecher am Start. Das Heft ist jetzt ein „Magazin für Erwachsene“ und, bei aller Liebe, der Neustart ist nahezu komplett verunglückt.
Das Heft suhlt sich in Nostalgie für die 80er, was schon vor fünf Jahren durch war. Gadgets von heute werden mit Technik von damals verglichen, es gibt ein Interview mit Michael „Albatross“ Gross, die Comicfiguren von damals (YPS, Kaspar, Patsch und Willy) müssen für eine peinliche „Modestrecke“ herhalten, man hat sich tatsächlich getraut, sowas wie Kleinanzeigen abzudrucken, die man nicht versteht und die irgendwie mit Facebook verzahnt sind, was nicht wirklich erklärt wird. Das Heft ist ein Ärgernis, die zwei oder drei netten Lichtblicke (Interviews mit Zeichnern der Comics des alten YPS, alte Fotos von Lesern mit ihren Gimmicks oder YPS-Sammlungen oder das nette Detail, dass die Gimmick-Nummerierung fortgeführt wird) können diesen Totalschaden leider auch nicht retten. Die einzige Entschuldigung dafür: YPS war eigentlich auch schon in den 80ern eher scheiße, der Humor ungefähr so spießig wie bei Fix & Foxi und auch sonst eher so lala, der einzige Grund, warum man das Heft damals kaufte, waren die Gimmicks und der Grund fällt für die Zielgruppe heutzutage weg.
Ich habe vor ein paar Jahren in einem Meeting mit jemandem vom Ehapa Verlag gesessen, die hatten damals eine Online-Version von YPS geplant. Mein Vorschlag war, eine Art Make Magazine für Kids auf die Beine zu stellen, in der kleinen Version nur als Blog, in der großen Version als Online Plattform für Kids mit DIY-Projekten, Basteleien und Wissenschaft. Daraus hätte man auch bei entsprechendem Erfolg ganz bequem ein Print-Magazin entwickeln können, dass es so in Deutschland meines Wissens nicht gibt (hier heisst das „Selbst“ oder „Heimwerker Praxis“, richtet sich ausschließlich an Häuslebauer und lässt den Spaß, den man beim Bauen und Basteln haben kann komplett außen vor). Ich fände sowas als Neustart nach wie vor tausendmal passender und auf die Zielgruppe hin ausgerichteter, als ein Heft voller langweiliger 80er-Nostalgie und Kram, den wirklich keinen interessiert. Und da hab’ ich vom grausamen, dilettantischen und infantilen Layout noch gar nicht angefangen.
Die Urzeitkrebse hab’ ich mir aber trotzdem angerührt, ich schätze, diesmal wird Mutti sie nicht aus Versehen wegschütten:

Mehr bei Heise und Kress, nach dem Klick noch das Commercial zum Neustart. [update] Nilz hat sich das neue YPS ebenfalls vorgenommen und ist auch eher nicht so begeistert.
Scud the Disposable Assassin: The Whole Shebang

Gastbeitrag von daMax, das Posting erschien ursprünglich hier.
Scud ist einer der Comics, nach denen ich mir schon immer die Finger geleckt habe. Leider war es immer sauschwer an Scud-Hefte ranzukommen, die sind schon seit Jahrzehnten vergriffen. Waren! Jetzt endlich gibt es eine Neuauflage aller 24 je veröffentlichten Scud-Comics in einem fetten 800-seitigen Telefonbuch Band namens “THE WHOLE SHEBANG: BEGINNING-MIDDLE+END”.
Scud ist ein Einmalauftragskillerroboter aus dem Automaten. Er wird auf Jeff angesetzt, die nicht gerade das ist, was man ein leichtes Ziel nennen würde. Ja, richtig gehört: Jeff ist eine sie. Mit Armen als Beinen und fiesen Fressen in den Knien. Und angeschnalltem Tintenfisch. Und Mausefallen als Händen. Mit einem Stecker als Kopf. Egal, ich schweife ab. In einem 20-seitigen epic battle erfährt Scud die bittere Wahrheit über seine Existenz: nach Erledigung seines Jobs wird er von einer fest in sich verbauten Bombe zerfetzt werden.
Um diesem gar grimmigen Schicksal zu entgehen, schießt Scud Jeff kurzerhand die Extremitäten weg und verfrachtet sämtliche Einzelteile in ein Krankenhaus, wo sie am Leben gehalten werden. Das geht jedoch nur gegen Bares, und so muss Scud sich wohl oder übel dem Kapitalismus beugen und weitere Tötungsaufträge annehmen, um Jeffs Ableben und damit seinen eigenen sicheren Tod zu verhindern. Na, und dann kommt der ganze Irrsinn erst so richtig in Fahrt.
Scud the Disposable Assassin ist eines der besten und abgefahrensten Comickunstwerke, die mir je untergekommen sind. Rob Schrab ist verliebt in Perspektivzeichnungen und schafft es immer wieder aufs Neue, Kamerawinkel zu finden, bei denen man die einzelnen Panels erst mühsam decodieren muss. Dazu kommt ein derart grotesker und bizarrer Humor, dass man nie wissen kann, was einem auf der nächsten Seite entgegen springt. Scud liest sich definitiv nicht leicht, macht aber unglaublichen Spaß, wenn man sich auf diese Mischung aus Salvador Dalì und der Itchy&Scratchy-Show einlassen kann.
Es ist sinnlos, auch nur zu versuchen mit Worten zu beschreiben, was euch in diesem Tour-de-Force-Ritt von Comic erwartet. Ich muss diesen Artikel einfach mit ein paar Bildern schmücken. Wie solltet ihr euch dazu entschließen können dieses Meisterwerk erwerben zu wollen, wenn ihr es gar nicht gesehen habt? Ich habe mir das Ding jedenfalls mit Handkuss gekauft und 25 Tacken bei Amazon sind ein absolutes Schnäppchen für 2 Kilo geballten Comicwahnsinn. Natürlich habe ich Rob angeschrieben und um Erlaubnis gebeten und was soll ich euch sagen?
For sure. Just give me credit and tell them to follow me on twitter @robschrab
Best, Rob Schrab
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich jedoch an diesem Reprint. Jeff redet den gesamten Comic über nur in Filmzitaten. Welche Filme hier zitiert werden, steht eigentlich in jedem Scudheft auf der dritten Seite. Leider haben es diese Seiten nicht die Neuauflage geschafft und damit geht für mein Empfinden eine wichtige Information verloren. Auch für sämtliche anderen Figuren hat sich Rob Schrab schon eine Stimmenbesetzung ausgedacht, so würde Scud beispielsweise von John Malkovich gesprochen. Mehr gibt es an diesem Meilenstein der Comickunst allerdings wirklich nicht auszusetzen. Zieht euch den Scheiß rein. Bis zum Anschlag.
Wer mehr sehen will: hier gibt es die ersten 25 Seiten als lores-Scans, nach dem Klick ein paar Pics aus dem Comic.
Cabin in the Woods (Review)

Ich habe grade bei den Filmfreunden mein Review (neben dem von Nilz und Batzman) zu Joss Whedons und Drew Goddards „Cabin in the Woods“ gepostet, hier auch nochmal:
Ich halte Cabin für den wichtigsten Genrebeitrag seit 20 Jahren, seit Scream nämlich. Ähnlich wie Wes Cravens Dekonstruktion des Slasher-Genres ist Cabin ein Meta-Film für das komplette Horror-Genre, wollte man Cabin beschreiben, käme man wohl am besten mit Westworld meets Evil Dead meets Lovecraft hin, angereicht mit ungefähr drei Millionen Zitaten aus ungefähr allen existierenden Horrorfilmen. Und was sich (zurecht) anhört, wie ein extremes Filmmashup und eine Zitatorgie ergibt innerhalb des Plots einen erschreckend schlüssigen Sinn.
Fünf junge Menschen fahren in ‘ne Hütte im Wald, finden im Keller seltsame Artefakte und das Tagebuch einer Frau, lesen daraus vor und werden daraufhin von einer Familie Redneck-Zombies umgebracht. Dieses klassische Slasher-Setting wird gesteuert von einer geheimnisvollen Firma im Untergrund, deren Rolle im Verlauf des Films nach und nach offenbart wird.
Das Drehbuch ist fast schon zu clever, jede Szene und jede Handlung jeder Figur ergibt Sinn und bringt den Plot voran, der Unterhaltungswert des Films ist extrem hoch, der Gorefaktor mehr als ausreichend und der Film macht gigantischen Spaß. Die absichtlich zunächst flachen Figuren gewinnen im Verlauf der Handlung an Profil im gleichen Maße, in dem der Film an Komplexität gewinnt. Überhaupt: Der Rhythmus und das Timing von Cabin ist fantastisch: Schockeffekte zünden und kommen in einer Form, die man so nicht erwartet.
Als Kenner des Genres knallt Cabin nochmal doppelt, da man die tausenden Anspielungen und Insider-Jokes erst dann versteht und dankenswerterweise erklärt der Film hier nichts (Minor Spoiler: etwa, wenn im Finale des Films einer der Mitarbeiter von einem Monster gekillt wird, das eindeutig als Remix des Monsters aus “Troll 2″ erkennbar ist und der Mann daraufhin ein “Awww, come on!” brüllt… da “Troll 2″ einer der schlechtesten Filme aller Zeiten ist). Sowas sind Perlen und Jokes von Fans für Fans und der Film ist voll von solchen Anspielungen.
Cabin ist brillant, clever und superunterhaltsam, hat Subtext und tausend Ebenen und angesichts dieser 90minütigen Awesomeness muss man von einem Arsch voll Glück sprechen, der (2009 fertiggestellte) Film wäre beinahe nie erschienen, da Metro-Goldwyn-Mayer 2010 Konkurs anmeldete, woraufhin Cabin in der Production Hell landete. Schließlich wurde er nach endlosen Verzögerungen von Lionsgate gekauft und hatte im März auf dem SXSW Premiere. Ich hoffe, dass Cabin durch Whedons Regiearbeit an der ziemlich erfolgreichen Avengers-Verfilmung nochmal ein wenig Aufmerksamkeit auf Cabin in the Woods lenkt, denn eins kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: Der Film dürfte in meiner Topliste 2012 auf der Eins landen und er hat einen Platz in meiner Top 10 der Lieblingshorrorfilme aller Zeiten. Cabin ist für Genre-Fans ein absolutes und indiskutables Must Watch, jetzt bereits ein moderner Genre-Klassiker – und der Rest hat auch seinen Spaß.
Und nach dem Klick ein paar richtige Spoiler, weil ich die Awesomeness, die dieser Film ist, selbst nochmal in Worten wiedergeben muss, um zu fassen, was ich da gesehen habe.
The Walking Dead Vol. 16: A Larger World

Der neue Band von TWD zeigt nach dem geschwätzigen und handlungsarmen Vorgänger endlich neue Richtungen auf, in die sich Kirkmans Zombie-Epos entwickeln kann. Die Überlebenden in Alexandria treffen auf einen Überlebenden namens Jesus, angeblich ein Späher einer größeren weiteren Siedlung, die auf der Suche nach Menschen ist und mit anderen Überlebenden Handlungsbeziehungen eingehen soll.
Spannende Aussichten, Kirkman führt endlich einige neue Dimensionen ein, die lange überfällig waren. Ich halte die Entwicklung einer über Gruppierungen hinausgehenden Gesellschaft im Zombie-Genre für superinteressant, ein „Sub-Sub-Genre“ (Zombies als Horror-Subgenre und postapokalyptisches „Nationbuilding“ eben als dessen Subgenre), ein Thema, das bislang von Romeros „Land of the Dead“ nur gestreift wurde, und dem man in der langfristigen Comic- und Serien-Form ziemlich grandios gerecht werden kann. Inklusive archaischer Wirtschaftsformen und Gewalt als Zahlungsmittel, Infrastruktur gegen Schutz. Sehr, sehr spannendes, extrem weites und bisher (soweit ich weiß) nahezu unbeackertes Feld.
„A Larger World“ bietet hier nur den Einstieg und wenn Kirkman seine Story geschickt weiterspinnt, kann er Ricks Saga tatsächlich noch jahrelang weitererzählen. Toller Band mit dem Beginn einer fast neuen Perspektive auf’s Genre.
Amazon-Partnerlinks: The Walking Dead Volume 16: A Larger World
Nach dem Klick noch die Cover der Einzelbände 91-96 und Amazonlinks zu den anderen Bänden.
Ready Player One (Review)

Ich hab’ in den letzten Wochen endlich Ernest Clines Debut-Roman „Ready Player One“ zu Ende gelesen, mit dem mich von Anfang an sowas wie eine Hassliebe verbunden hatte. Stellenweise musste ich mich durch das Buch kämpfen und hier steht jetzt, warum ich’s am Ende doch ganz gerne mochte. Ernest Cline kennt man vor allem als Drehbuchautor des Films „Fanboys“, die Rechte für eine Verfilmung von „Ready Player One“ wurden noch vor Fertigstellung von Warner gekauft, das Ding war auf Bestsellerlisten und wurde überall hoch gelobt und ich hab’ mich beim Lesen mehr als einmal gefragt, warum das so ist.
„Ready Player One“ erzählt die Story von Wade Watts, der im Jahr 2044 in einer dystopischen Welt lebt. Die große Rezession hat die Erde ausgedörrt, die Menschen leben zu großen Teilen in vertikalen, suburbanen Ghettos, den Stacks: Aufeinandergetürmte Wohntrailer. Die Menschen entfliehen dieser Realität in die OASIS, einem Second Life-ähnlichen Internet, in dem sich eine virtuelle Parallelgesellschaft gebildet hat. Hier geht Wade zur Schule und trifft sich mit virtuellen Freunden in privaten Chaträumen, während er seinen Avatar hochlevelt. Extrem-Gamification quasi. Der Programmierer der OASIS, James Halliday aka Anorak, hinterließ nach seinem Tod zwei Dinge – eine Schnitzeljagd und seinen Almanach: Wer auch immer „Hallidays Egg“ in der Oasis findet wird Chef der Gregarious Simulation Systems, die Betreiberfirma der OASIS, und erbt Hallidays Millardenvermögen. Dazu müssen die Gunter – die Ei-Jäger – drei Schlüssel finden und die Aufgabe hinter den Toren meistern, die mit diesen Schlüsseln geöffnet werden. 2044 sind fünf Jahre seit dem Tode Hallidays vergangen und niemand hat auch nur eine Spur zu den Schlüsseln entdeckt, die Gunter nicht und auch nicht die „Sixer“, Angestellte der Firma Innovative Online Industries (IOI), die eine Übernahme der OASIS planen und dazu Hallidays Ei finden wollen.
Freilich: Wade findet den ersten Schlüssel, meistert die erste Aufgabe und ist in einer Welt, die nur noch aus Dystopie und einer Online-Realität besteht, ein Weltstar und natürlich geht’s damit erst richtig los.
Räumen wir erstmal die richtig beknackten Seiten des Buchs aus dem Weg: Es hat ein paar wirklich tiefe Löcher im Plott, Regeln die es selbst aufstellt, werden mehr als einmal gebrochen, einfaches Beispiel: An einer Stelle muss Wade ein perfektes Pacman-Game spielen, inklusive des Killscreens. Für ein perfektes Game muss man alle Leben behalten, schreibt Cline zu beginn des Abschnitts nur um ein paar Absätze danach etwas von verlorenen Leben zu tippen. Solche Stellen gibt es mehrfach, aber damit kann ich leben. Was mich wirklich sehr gestört hat, ist die für einen SciFi-Roman erstaunliche Verhaftung in der Vergangenheit. Das Buch besteht auf weiten Strecken aus Beschreibungen von Popkultur aus den 80ern und Beschreibungen lassen sich oft auf die Formel „x sieht aus wie [item], dem [medium] aus dem Jahr 198z“: „Die OASIS-Konsole sah aus wie WOPR, dem Supercomputer aus War Games“ oder sowas. Das Buch besteht praktisch ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Referenzen, alles stammt aus alten Games, Songs oder Filmen. Das Buch ist quasi die literarische Version des (furchtbaren) Blogs Topless Robot und – um im Bild zu bleiben – ich hab’ mir ungefähr dreihundert mal gedacht: „I’m sorry, are you living in the past?“ Seltsamerweise habe ich diese Referenzorgie als weniger schlimm wahrgenommen, wenn das Namedropping nicht erklärt wurde. Wenn das Buch einfach mal einen Charakter mit dem Nickname „Harry Tuttle“ einführt, ohne zu erklären, wer das ist. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass mir dieses Popkulturmashupdings auch nur deshalb so sehr auf die Nerven ging, weil ich genau das hier auf Nerdcore seit Jahren bis zum Exzess betrieben habe und den ganzen Starwarsbacktothefuturebusterstrek nicht mehr sehen kann.
Tatsächlich stark wird das Buch dann auch konsequenterweise immer, wenn der Plot in der echten Welt spielt und plötzlich (fast) ohne irgendwelche Referenzen auskommt. Dann gewinnt die etwas klebrige, zu bunte, zu sehr mit 80ern vollgekleisterte Handlung tatsächlich Dynamik, wird spannend und nimmt Fahrt auf. Am Ende hab’ ich das Buch dann doch ganz gerne gelesen, denn auch wenn ich von dem ganzen Kram etwas die Schnauze voll habe, sind diese ganzen Anspielungen im Buch auch meine Wurzeln und //SPOILER-ALERT// außerdem muss Wade als eine der letzten Aufgaben „Monty Python and the Holy Grail“ nachspielen. Das versöhnt.
Wer also im Jahr 2012 immer noch in den 80ern lebt, der wird das Buch trotz literarischer Schwächen (sprachlich ist das Ding nicht der Rede wert) verschlingen.
Amazon-Partnerlink: Ready Player One
Hier die Website zum Buch, Artwork oben von Gordon Jones via Ernest Clines Website
Sweet Tooth Vol. 4: Endangered Species

Heute erschien der vierte Band von Jeff Lemires fantastischer Comicserie „Sweet Tooth“, der seltsamen Geschichte vom Mutanten Gus, der mit seinem Begleiter Jepperd in einer postapokalyptischen Welt ums Überleben kämpft. Nachdem sie sich in den vorigen Ausgaben mit den Überbleibseln des Militärs gekloppt hatten, das Experimente an den Mutantenkindern durchführte, treffen sie nun auf neue Weggefährten, Überlebende und ein neues Zuhause, in dem ein seltsamer Bewohner lebt.
Jeff Lemire bleibt nach wie vor (mit Abstand) mein Lieblingscomicautor, Sweet Tooth ist sein Experimentierfeld für neue Erzähltechniken mit variierenden Zeichenstilen und Formaten. Die Storyline um die Entdeckung eines vermeintlich verlassenen Damms wird unterbrochen von seltsamen Rückblenden, die Story ist seltsam-spröde, nur um dann in grandiose Bildgewalt auszubrechen. Sweet Tooth gehört neben Walking Dead zu meinen absoluten Lieblingscomics und auch, wenn das Ding für n00bs vielleicht etwas zu anstrengend sein dürfte, kann ich die Serie jedem einfach nur ans Herz legen.

Jeff Lemires DC-Serie „Animal Man“ ist übrigens die Reihe, die nach dem Neustart die wenigsten Leserzahleneinbußen hinnehmen musste. Der Mann hat einen Z-Promi-Superhelden in die erste Reihe geschrieben, weshalb er nun neben Animal Man und Frankenstein noch die Serie Dark Justice League übernehmen wird. Der Erfolg von Lemire im Comic-Mainstream freut mich sehr und das lässt einen wieder an das Gute im Menschen glauben. Deshalb: Lest Sweet Tooth!
Hier die Cover der Hefte 18-25:
Amazon-Partnerlinks:
Sweet Tooth Vol. 4: Endangered Species
Sweet Tooth Vol. 3: Animal Armies
Sweet Tooth Vol. 2: In Captivity
Sweet Tooth Vol. 1: Out of the Woods
Vorher auf Nerdcore:
Sweet Tooth: Bambi meets Mad Max
Sweet Tooth Vol. 2: In Captivity
Jeff Lemires „Essex County“ wird verfilmt
Sweet Tooth Vol. 3: Animal Armies
Jeff Lemires Original Sweet Tooth-Drawings for sale
The Walking Dead 15: We find ourselves
Kurz vorneweg: Ich werde immer wieder gefragt, wo mein Review zur zweiten Staffel von The Walking Dead bleibt, hier die Langfassung: Meh.
Der fünfzehnte Band von Robert Kirkmans Zombiesaga umfasst die Hefte 85-90 und ist, außer ein paar nebenher laufenden Zombie-Säuberungen, einer der eher gesprächigen Bände aus der Reihe und handelt vor allem von den psychischen Auswirkungen und Folgen der Geschehnisse aus dem Vorgänger. Es brechen natürlich wieder interne Konflikte aus, die natürlich wieder von Rick gelöst werden, der befindet sich natürlich wieder am Rande des Wahnsinns, Michonne ist immer noch Badass, Karl ist mal wieder angeschossen, Andrea bringt Leuten immer noch Schießen bei und so langsam würde mich das alles langweilen, wenn Kirkman nicht im neuesten Heft (Band 91) andeuten würde, der Serie mit einem nicht unerwarteten, aber einigermaßen überfälligen Twist neues Leben einzuhauchen.
Denn strenggenommen ist die Story in der Gated Community dieselbe wie im Knast, nur ohne Gefängnis oder Governor – den Roman zum Comic „Rise of the Governor“ habe ich übrigens auch noch vor mir, erwarte mir aber nicht allzuviel davon – und mit dem Unterschied, dass sie den Überfall durch die Untoten einigermaßen überleben. Und so hab’ ich mich durch diese eher langweilige Phase des Untoten-Epos gekämpft (das ist immer noch Jammern auf hohem Niveau, die Charaktere sind im Vergleich zur Serie immer noch hochinteressant, so dass man auch schwache Abschnitte des Comics einfach mal hinnehmen kann) und bin extrem gespannt, wo Kirkman mit seiner Truppe hinsteuert. Und bis zur 100sten Ausgabe sind es ja auch nur noch… 9 Monate.
„We find ourselves“ und sein Vorgänger sind sicher nicht die besten Bände aus der Reihe, da sie die Story wiederholen, ohne wirklich Repetition als Element zu nutzen (was ja für das klassische Storytelling von TWD ohnehin zu experimentell wäre), aber als langjähriger Leser muss man da eben durch. Passt scho’.
Nach dem Klick noch die Cover der Hefte 85-90.
Charlie Brookers Black Mirror S01E01
Vor zwei Woche hatte ich den Trailer zu Charlie Brookers neuer Miniserie „Black Mirror“ gepostet, gestern lief die erste Folge „The National Anthem“ und die ist, wie zu erwahrten, superfantastisch, war ein voller Erfolg und ist gerade eben bei Youtube aufgetaucht, oben Teil 1, die anderen beiden nach dem Review.
A twisted parable for the Twitter age, Black Mirror taps into the collective unease about our modern world. The first episode is a political thriller in which fictional Prime Minister Michael Callow faces a huge and shocking dilemma when Princess Susannah, a much-loved member of the Royal Family, is kidnapped.
Der englische Premierminister Michael Callow wird nachts aus dem Bett geholt, die Enkelin der Königin, „Facebook-Princess Susannah“, wurde entführt. Zusammen mit Beratern und Geheimdienst sieht man ein Youtube-Video, in dem Susannah an einen Stuhl gefesselt die Forderungen des Entführers aufzählt und ab hier zieht einen die Story in einen absurden Strudel aus 4Chan-Humor, Psycho-Thriller und Mediensatire.
Das beste an Brooker ist, dass er eben nicht nur der bissige Medienkritiker ist, der er ist, sondern dass er Geschichten erzählen kann. „The National Anthem“ ist fesselnd und hochspannend, stellt mehr Fragen als Antworten zu liefern und funktioniert auf ganz vielen Ebenen ganz hervorragend. Als Zuschauer fragt man sich natürlich „Würde ich das tun? Wenn es um ein Menschenleben geht?“ (wer die Folge kennt, weiß was ich meine), die Folge fragt nach der Rolle neuer Medien, nach der Motivation des Online-Mobs und ob oder wie man selbst daran teilnehmen würde. Und die Auflösung der Folge passt sogar fast schon zu gut zu diesem Blog hier. Oder anders ausgedrückt: Black Mirror gehört mit zum besten, was dieses Jahr über meinen Screen gelaufen ist. Bloody brillant, absolutes Must Watch.
Falls die Folge von Youtube gelöscht wird, in der Piratenbucht wird man fündig: Black.Mirror.S01E01.HDTV.XviD-RiVER.
Teil 2
Youtube Direktmirror
Teil 3
Youtube Direktanthem
William Shatner seeking Major Tom
In ein paar Tagen erscheint William Shatners Spoken Word/Metal-Album „Seeking Major Tom“ und es ist selbstverständlich eine brillante Idee des Labels in Zeiten globaler Vernetzung, das Ding bei uns eine Woche nach dem Veröffentlichungs-Termin in den USA rauszubringen. Wie auch immer, das Album kann man sich ohnehin sparen denn es ist furchtbar.
Captain Kirk kann da auch gar nix für, er singt ja ohnehin nicht, sondern spricht die Songtexte über die Musik, was auf seinem letzten Album „Has Been“ ja auch wunderbar funktionierte, aber da arbeitete er auch mit Ben Folds zusammen und ein Musiker von dessen Kaliber fehlt bei Major Tom. Die Musik selbst ist grausam, unterirdisch, beinahe schon unhörbar und die Coverversionen eigentlich toller Nummern wie Thomas Dolbys „She blinded me with Science“ oder Queens „Bohemian Rhapsody“ werden billigst runtergenudelt, da rettet auch The Shat und sein Sprechsingsang nichts mehr. Sehr schade, vor allem wenn man bedenkt, dass an der Produktion unter anderem Sheryl Crow, Alan Parsons, Peter Frampton, Ritchie Blackmore und Bootsy Collins beteiligt waren. Und Michael Schenker von den Scorpions, was diese musikalische Vollkatastrophe dann doch etwas weniger überraschend erscheinen lässt.
Ohne Mist: Die Musik auf dem Album klingt komplett wie Cover-Versionen von schlechten Hochzeits-Musikern. Alleinunterhalter-Ästhetik, oder so ähnlich. Jedenfalls: Dieses Posting ist als Warnung gedacht. Selbstverständlich kann man sich das Ding als Kuriosum ins Regal stellen und Komplettsammler müssen sowieso zuschlagen, aber man sollte keine gute Musik erwarten, die gibt’s auf dem Album nicht. Auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten verdient das hier maximal einen – für The Shat. Extrem schade, brillante Idee, grandios verschenkt.
Wer sich’s trotzdem antun will, hier der Amazon-Partnerlink: Seeking Major Tom
Nach dem Klick noch ein paar Promovideos und Infos zu dem Ding.
DC-Reboot #5: All Star Western, Superman, Justice League Dark

Mein Comicdealer Der Grobe Unfug – hier ihr Blog, hier auf Twitter, alles sehr sympathische und superkompetente Leute, bei denen man auch per Mail Serienabos verwalten und Mailorders aufgeben kann – sponsort mir dankenswerterweise alle 52 Neustarts während des Reboots der wichtigsten Serien von DC Comics, jede Woche werde ich zu allen erschienenen Ausgaben mindestens ein paar Worte verlieren. Heute: All Star Western, Aquaman, Batman – The Dark Knight, Blackhawks, Green Lantern – New Guardians, I, Vampire, Justice League Dark, Savage Hawkman, Superman, Teen Titans, The Fury of Firestorm, The Flash, Voodoo.
tl;dr: Auch der letzte Run im DC-Neustart ist eher durchwachsen, wenn auch stärker als die vorangegangene Woche mit einem richtigen Kracher (All Star Western), ein paar guten (Superman, I, Vampire, Aquaman, Justice League Dark), ein paar egalen (Blackhawks, Green Lantern – New Guardians, Teen Titans, Voodoo), zwei, die’s wirklich besser verdient hätten (Flash, Savage Hawkman, Batman – The Dark Knight) und einem blöden (The Fury of Firestorm). Abos: Superman, Aquaman, Flash, All Star Western.
All Star Western ist DCs Neuauflage ihrer klassischen Western-Serie aus den 50er und 70er Jahren. In den Siebzigern begann Jonah Hex seine Karriere als vernarbter Western-Badass in dieser Serie und auch die dritte Neuauflage des Hefts beginnt mit einer Hex-Story. Und mit was für einer! Im Gotham Anfang des 19. Jahrhunderts geht ein Jack the Ripper-ähnlicher Killer um, die Polizei tappt im Dunkeln und holt Psychiater Doktor Amadeus Arkham dazu. Obendrein heuert man Kopfgeldjäger Jonah Hex an, beide zusammen sollen den Fall lösen.
Ein sehr „schön“ erzähltes, fast grandioses Comic. Ich nehme Hex sogar seinen Klischee-Südstaatenslang ab („Ah’ll kill ya’ll!“), die Mixtur der Charaktere Psychodoktor und Badasskopfgeldjäger funktioniert fantastisch: Hex ballert und prügelt sich durch das Comic, während wird er von Arkham analysiert: „Seeking out dangerous Situations, Alcohol, Gambling and Promiscuity are likela his primary Motivating factors. In addition to his orgiastic approach to violence, it may possibly be his only means of finding enjoyment. I am fascinated and terrified by him.“
Dazu die Zeichnungen, alle westerngerecht in braun und Ockertönen gehalten, mit lockerem, schnellen, aber detailierten Strich, gezeichnet. Das alles macht ganz, ganz großen Spaß und ist eins der besten Comics des kompletten Neustarts. Definitiv abonniert.

Prinzipiell ein guter Aquaman-Neustart, schöne Geschichte mit einem zurückkehrenden Aquaman, der genervt ist, weil ihn alle für einen lamen Superhelden halten (ich übrigens nicht, ich bin Aquaman-Fan) und denken, er könne nur mit Fischen reden. Nachdem er mal flugs ein paar flüchtende Bankräuber dingfest gemacht hat und daraufhin von einem Cop gefragt wird, ob er ein Glas Wasser brauche „or something“, hüpft er erstmal aus der Stadt und setzt sich in ein Fischrestaurant (jeez!) wo er Fish’n'Chips bestellt (JEEZ!). Die Leute sind natürlich entsetzt!
Dort wird er von einem Blogger genervt, dem er seine Origin-Story erzählt und der am Ende natürlich Aquaman ans Bein pissen muss: „How’s it feel to be nobodys favorite Super-Hero?“ Prinzipiell schönes Comic, gut erzählt, aber alles zu glatt, inklusive der Zeichnungen. Bei Geoff Johns gibt’s keine Ecken, keine Kanten und damit keine echten Charaktere. Das unterscheidet ihn von richtigen Geschichtenerzählern. Aber für so ein Mainstream-Comicding: Nicht schlecht, werde ich mal eine Zeitlang abonnieren, aber ich bin auch Aquaman-Fan.
Batman – The Dark Knight ist mit einigem Abstand das schlechteste Heft aller Batman-Comics des Neustarts, inklusive des überflüssigen Nightwings. Die Story beginnt zunächst mit Bruce Wayne, der mal wieder eine Rede hält. Im Gegensatz zum tollen Batman-Neustart (der anderen Batman-Heftserie) ist die aber weder toll formuliert noch irgendwie mit der Story verwoben. Die ist nur der Anlass, einen Cop der Abteilung für Innere Angelegenheiten auftreten zu lassen, der ihn wegen der Finanzierung von Batman Inc ausfragt, was man auch nur weiß, wenn man die Serie bereits kennt. Reboot Fail. Daraufhin der Arkham-Ausbruch, der bereits in den anderen Heften thematisiert wurde und dann ein Twoface-Hulk.
Mir ist das alles zu bunt, zu blöd und zu plump erzählt. Schwach, nur für Batman-Hardcore-Fans empfehlenswert.
Blackhawks ist ein Militär-Piloten-Comic. Wer GI Joe mag, wird auch Blackhawks mögen. Mich interessiert beides genau Null.
Green Lantern – New Guardians ist tatsächlich ein Green Lantern-Heft, das mir einigermaßen gefallen hat, wenn man mal von der grundsätzlichen Blödheit des Konzepts mit den Laternen absieht – ich meine, ich kann’s nicht öfter betonen: Es gibt ein „ikonisches“ Comicpanel von Green Lantern, da fliegt er mit einer Lampe in der Hand durch’s Weltall. Mit einer beknackten Öl-Lampe in der Hand durchs All! Wie scheiße kann ein Superheld sein? Jedenfalls: Abgesehen davon hat mir dieses Comic gut gefallen.
Es beginnt damit, dass der letzte Überlebende der kleinen blauen Obermuftis und Wächter der riesigen grünen Laterna auf Oa (hrhr) auf der Erde grade die dritte oder vierte Laterne – ich kann das ja nicht unterscheiden, warum die Erde fünfhundertdreiunddreißig verschiedene Lanterns braucht, muss mir mal einer erklären, man stelle sich mal vor, es gäbe zwei Batmans… wait… –, jedenfalls wird grade eine weitere Laterne mit Ring ausgestattet, die fliegt ein bisschen rum und macht grüne Sachen
Währenddessen fliegen den andersfarbigen Laternen die Ringe weg, die ein oder andere Laterne (hrhr) stirbt daran und alle Ringe fliegen natürlich zur frischen drölften Laterne (hrhr) Kyle Rayner und wolle alle was mit ihm anfangen. Natürlich kommen die „Wächter der anderen Farben“ (ich nenn die einfach mal so) gleich mit und wollen ihm an die Gurgel. Wenn ich mir das alles nochmal so durchlese, muss ich ja schon wieder lachen… aber nein, im Ernst: Für eine Green Lantern geht das okay. Interessiert mich von allen Green Lantern-Comics am meisten, werde ich im Auge behalten.
I, Vampire ist schwierig. Das Comic erzählt die Story von Vampir Lord Andrew Bennett und Mary Seward, seinem Opfer. Er wird zum Vampir-Jäger, sie zur Vampir-Obervorsteherin, er muss sie jagen, liebt sie allerding. Einerseits ist es toll erzählt mit den abwechselnden Rückblenden und den Dialogen in der Gegenwart und es hat einen so toll-absurden Moment, als die beiden Vampire sich als Wölfe am See über „Superman and a half-dozen Green Lanterns and Wonder Woman“ unterhalten, während sie in den See latscht und als Fledermaus mit einem Schwan in den Fängen davonflattert. Das ist schön erzählt und toll gezeichnet, einerseits.
Andererseits musste ich mir die Backstory von Wikipedia holen, denn im Comic wird sie nicht verständlich gemacht, man kann aber davon ausgehen, dass sie in den folgenden Heften noch genauer erklärt wird. Schönes Ding, vielleicht ein bisschen zu twilightesk – Haunted Souls in Love und so’n Quatsch – aber definitiv gut erzählt und gut gezeichnet. Werde ich im Auge behalten, vielleicht sogar abonnieren, überlege ich mir noch.
Justice League Dark ist sowas wie das übernatürliche Pendant zur Justice League. Die Mitglieder sind Shade, the Changing Man, der sich die Welt so machen kann, widewidewidewie sie ihm gefällt und sich Freundinnen für eine Nacht erschafft, nur um sie am Morgen zu Ektoplasma zu verarbeiten. Madame Xanadu, Mystikerin, Orakel, oder sowas. Deadman, ein Geist, zuletzt vorgestellt in DC Universe presents. Zatana, die Hexe und John Constantine, der Geisterjäger haben vermutlich was am laufen.
Hier bekämpfen sie die Enchantress, die in einer Hütte in einem Briefumschlag rumliegt und mal eben Supes, Wonder Woman und Cyborg plattmacht. Währenddessen wird eine blonde Dame verdreissigtfacht und die Doppeldingse tauchen alle auf einmal auf einem befahrenen Highway auf. Das Panel macht großen Spaß, das Comic insgesamt auch so halbwegs. Werde ich im Auge behalten.
Ich bin ja Savage Hawkman-Fan und ja: Ich tendiere dazu, die Comic-Charaktere blöd zu finden, die alle toll finden (Green Lantern) und die toll zu finden, die alle blöd finden (Aquaman, Superman, Hawkman… naja, auf Batman und Flash können sich eh alle einigen). Im Neustart will Carter Hall – der ursprüngliche, erste Hawkman – nichts mehr mit seinem gravitationsaufhebenden Superheldendress aus dem sagenumwobenen Nth Metal zu tun haben, und will es im Wald verbrennen. Geht natürlich schief und das Ding verschmilzt mit seinem Körper. Ein paar Tage später erwacht Carter, trifft bei der Hebung eines Alien-Raumschiffes (der Herr ist Archäologe) auf ein Vemon-artiges Viech und ab geht die Luzie.
Ach naja, das Comic ist durchaus anständig und ich bin dem Hawkman ja immer ganz wohlgesonnen, aber wirklich gut ist das hier nicht, die Zeichnungen sind stellenweise schlampig, stellenweise beinahe toll, die Story ist auch eher so mittelinteressant. Als Fan überlege ich mir das mit dem Abo noch und ob man das hier empfehlen kann… um ehrlich zu sein: Eher nich’ so.
Superman ist sauer. Das alte Hochhaus, das seit ein paar Jahrzehnten den Daily Planet beherrbergte, wird plattgemacht. Clark Kents Arbeitgeber wurde an ein Medienimperium von Morgan Edge verkauft, Lois Lane wurde in seinem Konzern zur Top-Notch-Obernachrichtendame und Vorsteherin der Online-Sparte. Ein paar Blocks weiter steht der neue Planet, der eigentlich genauso aussieht: Kugel oben drauf, ziemlich hoch, ziemlich groß, ein paar mehr Heli-Landeplätze. Perry White sieht jetzt aus, wie ein Superheld, Jimmy Olsen sieht aus wie Justin Bieber. Der erste Gedanke vom Man of Steel ist „Bull!“ So beginnt der neue Superman.
Für neue Leser ist das Heft nicht leicht zu verstehen, sehr viele Figuren werden auf einmal eingeführt, die Exposition ist vollgestopft bis zum Platzen mit Referenzen an das Super-Universum. Alleine die ersten fünf Seiten wechseln ständig zwischen Rückblenden und Auseinandersetzungen zwischen Print-, Boulevard- und Online-Journalismus, dem in einer kontrollierten Explosion zusammenfallenden alten Planet, dem Medien-Trara drumherum, den ersten Andeutungen der eigentlichen Story und Szenen von Superman im Himmel über Metropolis. Das könnte konfus sein, ist aber bei aller fast hektischer „Komplexität“ – Komplexität zumindest für ein Superhelden-Comic – gut und verständlich erzählt. Schließlich landen wir beim Start der eigentlichen Story: Ein Terroranschlag mit Chemieabfällen beschäftigt Supes, während dem neugebauten Astrodome ein riesiges Feueralien entsteigt. Der Rest ist Heckmeck und im Epilog finden wir Clark Kent, nicht mehr verheiratet mit Lois, die mit einem ihrer TV-Kollegen rummacht. Ein fast depremierendes Ende.
Tolles Comic. Sauber erzählt, klassischer Superman-Stoff, in diesem Heft mit sehr vielen New Media-Elementen („they are all twittering“ – psst, DC, das heisst „tweeting“), die Verschachtelung mit der News-Nebenstory funktioniert prächtig und gibt dem Geschehen Dramatik. Definitiv eine Empfehlung, wenn auch kein leichter Stoff für Einsteiger. Definitiv abonniert, aber das hätte ich ohnehin getan.
Die Teen Titans sind die Superheldengruppe aus der Jugend des DC Universums. Das richtet sich natürlich an jüngeres Publikum, das erste gesprochene Wort im Comic (gleich im ersten Panel) ist „Meh“ und das ist auch meine Meinung zum Heft. Das Comic ist sicher irgendwie gut für Leute, die die Teen Titans schon immer gelesen haben, es ist beinahe toll gezeichnet und ordentlich erzählt, soweit ich das nachvollziehen konnte und das Heft hat einen wirklich schönen Cliffhanger mit Anspielung auf den Superboy-Relaunch von vor zwei Wochen. Empfehlung für Fans und solche die’s werden wollen, mich selbst haben die noch nie interessiert, auch wenn sie anscheinend wichtig für das DC Universum sein sollen. Vielleicht hab’ ich was verpasst. Meh.
The Fury of Firestorm ist die Story um Ronnie Raymond, Football-Spieler an der Highschool (noch) und Kind einer alleinerziehenden Mutter. Parallel zu dieser Geschichte erfährt man, dass eine Bande fieser Agenten auf der Jagd nach „magnetic Bottles“ sind, die das „Firestorm Protocol“ enthalten. Dafür gehen sie über Leichen, löschen ganze Familien aus und jagen ganze Wohnviertel in die Luft (letzteres wird natürlich nur erzählt und nicht gezeigt, denn wir befinden uns in einem schlechten Vertreter eines visuellen Mediums.) Ebenfalls auf der Highschool ist Jason Rusch (der im Besitz einer der „magnetic Bottles“ ist), im DC Universum ein späterer Firestorm und beide zusammen treffen Abends an der Schule auf die fiesen Agenten, eins führt zum anderen, Boom, und beide werden zu Firestorms, irgendwelchen Nuklearbombenleuten, schließlich verschmelzen sie in einer noch größeren Explosion zu Fury of Firestorm.
Die Story könnte interessant sein, wäre sie nicht so plump, simpel, unelegant und unglaubhaft erzählt, obendrauf sind die Zeichnungen maximal mittelokay bis schlecht, das Comic sieht nicht aus, als wäre es fertiggezeichnet. Ein schlechtes Comic, versammelt für mich alles, was an Superheldencomics schlecht sein kann.
The Flash ist einer meiner Lieblingscharaktere aus dem DC Universum (ich habe insgesamt 4 Lieblingscharaktere: Batman, Supes, Flash, Plastic Man), trotz seiner lamen Gegenspieler, (und trotz der immer wieder ziemlich schlechten Zeichnungen von Scott Kolins, wegen denen ich vom letzten Run drei oder vier Hefte für nahezu unlesbar halte). Wie auch immer: Der Neustart hier ist keiner, es wird keine Origin-Story erzählt. Barry Allen hängt auf einem Empfang rum, als Terroristen einfallen, Flash wird zum Flash und so weiter. Später stellt sich heraus, dass Barry einen der fiesen Jungs aus seiner Jugend kannte.
Streng genommen ist der Flash-Neustart nicht mehr als okay. Die Zeichnungen sind schlicht und nicht weiter erwähnenswert, die Story nicht uninteressant, der Cliffhanger zur nächsten Ausgabe ist toll. Ich als Fan werde mir den Flash natürlich abonnieren, ob die Serie für Neueinsteiger interessant genug ist, wage ich (leider) zu bezweifeln. Schade.
Voodoo ist Striptease-Tänzerin. She’s a private Dancer und zwei Cops sind auf sie angesetzt, der männliche davon gönnt sich eine Privatvorstellung und tappt natürlich in die Falle. Das Comic zeigt praktisch auf jeder Seite leichtbekleidete Stripperinnen, immerhin präsentiert er mit dem weiblichen Cop sowas wie eine starke Frauenfigur. Die Zeichnungen sind schlechter Durchschnitt, die Story ein ganz offensichtlicher Species-Ripoff, völlig unoriginell und sehr simpel erzählt. Komplett vergessenswert.
DC-Relaunch #4: Batman, Supergirl, Wonder Woman

Mein Comicdealer Der Grobe Unfug – hier ihr Blog, hier auf Twitter, alles sehr sympathische und superkompetente Leute, bei denen man auch per Mail Serienabos verwalten und Mailorders aufgeben kann – sponsort mir dankenswerterweise alle 52 Neustarts während des Reboots der wichtigsten Serien von DC Comics, jede Woche werde ich zu allen erschienenen Ausgaben mindestens ein paar Worte verlieren. Heute: Batman, Birds of Prey, Blue Beetle, Captain Atom, Catwoman, DC Universe presents: Deadman, Green Lantern Corps, Legion of Super-Heroes, Nightwing, Red Hood and the Outlaws, Supergirl, Wonder Woman.
tl;dr: Wieder eine sehr durchwachsene Woche mit wenigen guten (Batman, Supergirl, Wonder Woman), ein paar netten (Blue Beetle, Deadman, Red Hood and the Outlaws), ein paar egalen (Birds of Prey, Catwoman, Green Lantern Corps, Nightwing) und zwei ziemlich schlimmen (Captain Atom, Legion of Super-Heroes). Abo: Batman, Supergirl, Wonder Woman.
Toller Neustart für Batman! Scott Snyder kann einfach grandios Geschichten erzählen, die hier ist praktisch die Rede von Bruce Wayne zu seiner Vision eines zukünftigen Gothams, visuell bebildert mit Rückblenden eines Kampfes zwischen ihm und praktisch der versammelten Supervillains aus dem Batman-Universum, minus Joker. Dazu wie immer technischer Schnickschnack und Snyder gibt der Story eine typische Dreiteiligkeit, beginnend mit dem Kampf, dazu aus dem Off der Beginn seines Vortrags:
Every Saturday, the Gotham Gazette includes a small lifestyle piece calles ‘Gotham is’. In the column, random Gothamites are asked to complete the sentence ‘Gotham is…’ using three words or less. The Gazette has been running the ‘Gotham is’ column for years, ever since I was a boy.
Here are some of the words used to describe Gotham the past few weeks: Damned. Cursed. Bedlam. Murderous… Gotham is ‘vollainous’. Gotham is ‘a losing game’. Gotham is hopeless.
Diesem Auftakt zu Bruce Waynes Rede zur Zukunft Gothams folgt in der Rückblende ein einziges, kleines Panel, in dem man Batmans mittleres Gesicht sieht, und er sagt: „*sigh* There’s no place like home.“ Danach verteilt Batman Prügel. Dem folgt der zweite Teil: Bruce Waynes Rede zur Zukunft Gothams und dem wiederum folgt der Auftakt zur eigentlichen Storyline. Klassischer Dreiakter, elegant erzählt und ineinander verwoben. Toll!
Die Zeichnungen sind gut, manche Panels sogar toll, aber die mangaesken Figuren Bruce Waynes und seiner drei Ex- und aktuellen Robins verstören und wollen nicht zum dreckigen und düsteren restlichen Stil passen, auch wenn man das als gewollten Stilbruch betrachten könnte. Aber auch die stellenweise durchwachsenen Zeichnungen nehmen der Story nichts. Definitive Empfehlung, Ryder könnte mit seinem Batman ‘nen ziemlich großen Wurf landen.
Ein Wort noch zum neuen Batman-Logo: Wer diese typografische Vollkatastrophe verbrochen hat, sollte umgehend gefeuert werden. Dagegen war das bereits unpassende und schlechte vergangene Logo ein grafisches Wunderwerk.
Birds of Prey sind ein Superhelden-Team aus Batman-Protagonistinnen aus der zweiten und dritten Reihe. Ich hab’ nicht verstanden, was das Heft mir erzählen will, ich kannte die meisten der Figuren nicht, sie werden auch nicht erklärt und ich war auch zu faul, mich mit ihnen zu beschäftigen, weil mir das Comic die Charaktere nicht schmackhaft machen konnte. Durchschnittlich gezeichnet, uninteressant erzäht, vergessenswert, egal. Als Reboot äußerst schwach, für Hardcore-Fans des Batman-Universums aber wahrscheinlich ein Muss.
Blue Beetle hat mich überrascht. Eigentlich ist das Comic ziemlich durchschnittlich: Ein blauer Skarabäus landet nach galaktischem Gemetzel auf der Erde, hunderte Jahre später kloppen sich ein paar Supervillains darum und zufällig kommt ein Teenager vorbei, der sich mit dem Vieh verbindet und zum zukünftigen Blue Beetle wird. Durchschnittlich gezeichnet, die Story ist eigentlich auch nichts neues und obendrein spielt das alles im Green Lanter-Umfeld, was für mich immer ein Grund ist, ein Comic wegzulegen. Aber irgendwas an der Story hat mich angemacht und ich werde die Serie im Auge behalten.
Zu Captain Atom das „beste“ gleich zu Beginn: Die Zeichnungen sind angenehm verschroben. Das war’s. Darüberhinaus passen die Einzelteile der Panels nicht zusammen, Captain Atom selbst ist „weichgezeichnet“, der Rest in harten Farb-Flächen mit großzügigen schwarzen, ebenfalls flächigen Schattierungen ohne Outlines gezeichnet. Passt nicht, ist nicht wirklich gut, aber es ist graphisch seltsam, was nicht ganz uninteressant ist.
Die Story ist schlecht. Cap Atom ist im Reboot praktisch ein Ripoff von Dr. Manhattan aus Alan Moores Watchmen, zunächst verwandelt er einen Roboter in einen Menschen, dann siniert er zusammen mit seinem Mentor Dr. Megala (jeez!) darüber, dann bricht selbstverständlich ein Vulkan in Manhattan aus, ein Kernreaktor explodiert fast und in San Francisco passiert auch irgendwas. Der Rythmus des Storytelling ist völlig unbeholfen und willkürlich, dazu die „interessanten“ Zeichnungen. Wahrscheinlich das schlechteste Comic dieser Woche des DC Reboots.
Seufz, Catwoman. Was soll man jetzt dazu sagen. Ich hab’ ja generell nichts gegen Titten und Ärsche, aber DC Comics kann man in diesem Comic durchaus Sexismus vorwerfen. Ich meine, die Dame zeigt auf den ersten Seiten praktisch überall eine halb-entblösste Brust. Nix gegen Erotik in Superhelden-Comics, aber mit der groben Kelle muss man mir die dann auch wieder nicht einflößen. DC schreit in diesem Comic gradezu in Großbuchstaben: CATWOMAN IZ THE FUCKBABE! Wie gesagt: Seufz. Gottseidank gibt’s ab dem Mittelteil ein bisschen mehr Substanz, nur um am Ende bei einer Nummer mit Batman zu landen.
Das alles ist freilich nicht wirklich schlecht, aber das Heft wirkt wie die in Comic gegossene Form einer Dame, die ich mal vor Jahren in einem Club traf. Die war so dermaßen horny, dass sie sich wirklich so offensichtlich jedem so heftig an den Hals schmiss, dass keiner auf sie Bock hatte. Natürlich ist das alles sexy und auch gut gezeichnet, ich bevorzuge aber ehrlich gesagt subtilere Damen.
DC Universe presents wird eine Serie mit unbekannteren Figuren aus dem DC Universum. Die erste Ausgabe handelt von Deadman, einem Geist, der in problemgeplagten Menschen lebt und diesen weiterhilft, oder so ähnlich. Als Serienkonzept ist DC Presents sicher interessant, der Auftakt mit Deadman ist schön erzählt und gut gezeichnet. Kann man empfehlen, muss man aber nicht haben. Nett.
Green Lantern Corps, das Comic um Green Lanterns intergalaktische Polizeiwache, der Reboot mit jeder Menge auseinandergeschnittenen Aliens, die auch explizit gezeigt werden. Das Gemetzel macht die Grüne Leuchte hier sogar für mich interessant, aber ich muss trotzdem immer lachen, wenn ich die riesige Grüne Lampe auf dem Planeten Oa sehe. Was für ein (im negativen Sinne) beklopptes Konzept. Das Heft ist okay, die Serie wird aber trotzdem doof.
Legion of Super-Heroes sind jede Menge Superhelden aus der Zukunft, die irgendwelche Sachen können und irgendwelche Dinge damit tun. Mehr habe ich nicht geschnallt. In dem Heft trifft man auf ungefähr 1247 unterschiedliche Figuren – wahrscheinlich sind es etwas mehr! –, eine Storyline gibt es (glaube ich) nicht. Die Serie hat außerdem irgendwas mit den Legion Lost-Comics zu tun, und das war das schlechteste Heft der vergangenen Woche. Die Zeichnungen sind Durchschnitt, das Comic aber völlig uninteressant. Zweitbestes Heft der Woche von hinten.
Nightwing ist Dick Grayson, Batmans Ex-Robin, in seiner eigenen Comic-Reihe. Eigentlich ist er Batman in einem anderen Kostüm und mit Zirkus-Schnickschnack statt Technik-Schnickschnack, der Rest ist praktisch gleich. Der Reboot ist als solcher okay, Dick Grayson kommt zurück nach Gotham, kloppt sich ein bisschen und hüpft bei alten Freunden im Zirkus rum. Ein wenig ärgerlich finde ich, dass man das Ende der Story nur wirklich begreift, wenn man das erste Batman-Heft aus dem Reboot gelesen hat. Selbstverständlich ist das toll für die Hardcore-Fans, die ohnehin alles aus dem Batman-Universum lesen und deshalb auch wissen, was das erste Birds of Prey-Heft sein sollte. Nett, ja, auch okay gezeichnet, werde ich aber nicht weiter verfolgen.

Red Hood and the Outlaws haben auch irgendwas mit dem Batman-Umfeld zu tun, zumindest fällt ein paar mal das Wort „Gotham“. Roy Harper ist jedenfalls gefangen im fiktiven Land Qurac im mittleren Osten, wo er von Red Hood aka Jason Todd rausgehauen und zwar mit jeder Menge Wumms. Und auf ihrer Flucht kommt Starfire, eine rothaarige Alien-Dame, und macht 50 Panzer platt. Der Rest ist Sex mit Alien-Dame auf exotischer Insel und ein paar Cliffhanger.
Für Starfire gilt dasselbe wie für Catwoman: Äußerst sexy gezeichnet, äußerst üppig, in der letzten Hälfte des Heftes nur mit ausgestrecktem Arsch und im Bikini zu sehen. Das macht (natürlich) durchaus Spaß, aber das Wort Sexismus kriege ich beim Lesen einfach nicht aus dem Kopf. Die Zeichnungen sind stellenweise fast sensationell, die Panel-Layouts ebenso, die Story ist trotz aller Vorwürfe interessant. Sehr nett, behalte ich definitiv im Auge und zu den Sexismus-Vorwürfen sollte sich DC vielleicht mal mit die Reaktionen von Kids auf diese Figuren durchlesen. Just saying.
Supergirl hat mir trotz der minimalen Story sehr gut gefallen: Ein waschechter Reboot, Supergirl landet in Sibirien, weiß nicht, wo sie ist und was sie hier soll, als auf einmal ein paar Mechas auftauchen und sich mit ihr anlegen. Als die Sonne aufgeht, entdeckt sie ihre Superkräfte, die sie noch nicht wirklich unter Kontrolle hat und kurz bevor sie die Mechas plattmacht, letztlich nur Soldaten eines Alien-Begrüßunskommittees oder sowas, die nichts wirklich böses im Schilde führen, schwebt am Ende in der Luft: Supes.
Schnönes Comic, durchschnittlich gezeichnet und die Story… nun ja, sie kämpft während des ganzen Heftes nur gegen die Bots und entdeckt ihre Superkräfte. Dennoch sehe ich ziemlich viel Potential, werde ich auf jeden Fall weiterlesen.

Wonder Woman ist ein ziemlicher Wurf und das trotz eher nur okayer Zeichnungen. Ich bin kein Fan von Wonder Woman, obwohl ich sehr auf griechische Mythologie stehe. Was ich da bislang gelesen habe, war mir immer zu glatt und zu… golden. Außerdem: Ein unsichtbarer Jet. Das ist fast so schlimm, wie eine grüne Leuchte.
Nicht so hier: Der Reboot ist für Wonder Woman-Verhältnisse angenehm düster, eigentlich ist es strenggenommen eine Horror-Story mit Monstern, abgetrennten Pferdeköpfen und in der Luft verbrennenden Mädchen. Dabei frei an griechischer Mythologie orientiert. Ich weiß nicht, ob ich die Serie lange lesen werde, aber ich habe sie mir erstmal abonniert. Das beste Heft der Woche, zusammen mit Batman.
Craig Thompsons „Habibi“ – Review

tl;dr: Übergorgeous Work of Art. Read this. Seriously.
Der Reprodukt-Verlag hat mir vor einer Woche Craig Thompsons Habibi geschickt und ich hab’s am Wochenende praktisch in einem Rutsch durchgelesen. Das Buch ist 660 Seiten dick, ein Wälzer und für Comic-Verhältnisse ein Mammut-Werk. Und es sieht fantastisch aus, nicht weniger und viel mehr geht nicht. Habibi ist das dieses Jahr vielleicht das Comic, auf dem die größten Erwartungen liegen und zum ganz großen Teil erfüllt Thompson diese.
Habibi erzählt die Geschichte von Dodola und Zam. Sie wird als Kind einem Kaligrafen verkauft, der ihr Lesen und Schreiben beibringt und dem sie als Sklavin und Ehefrau dienen muss. Als Räuber sein Haus überfallen, schneiden sie dem Mann die Kehle durch und entführen Dodola. In der Gefangenschaft findet sie ein schwarzes Kleinkind im Lager der Räuber, das grade umgebracht werden soll. Dodola gibt sich als die Mutter aus, das Kind wird verschont und so trifft sie Zam. Sie flüchtet zusammen mit ihm aus dem Lager in die Wüste und lebt mit ihm dort fortan in einem verlassenen Boot, während sie ihren Körper an die vorbeiziehenden Kaufleute der Karawanen gegen Essen verkauft, Zam besorgt das Wasser. So leben sie neun Jahre lang zusammen, während sie ihm beibringt, wie man liest und wie man schreibt und warum sich Menschen gerne Geschichten erzählen.
Schließlich wird sie erneut entführt und landet im Harem des Sultans, während Zam kurz vor seinem Hungertod bei den Eunuchen des nächsten Dorfes landet, wo er sich selbst verstümmeln lässt und schließlich nach Jahren als Diener im Harem des selben Sultans landet. Wer Märchen kennt, weiß wie es weitergeht, allerdings liegt die Kraft dieser Story nicht in der gar nicht mal so herkömmlichen Love-Story, die diese Geschichte eigentlich ist.
Die Narration von Craig Thompson in Habibi ist schierer Wahnsinn. Die Narration mäandert von reinem Storytelling zu Einführung in arabische Kaligraphie zu Rückblenden, von dort zu Einschüben aus islamischer und christlicher Mythologie zurück zur Schriftlehre und Linguistik hin zu Zahlenrätseln, Anatomie-Lehre, Sexualkunde (!) und von dort wird die Geschichte weitererzählt. Die Story ist höchst komplex verwoben, voller Metaphorik und Thompson steigert sich im Verlauf des Buchs in einen rauschartigen Bilderwahn, der fast nicht zu beschreiben ist. Schwache Zeichnungen gibt es hier nicht, es gibt nur tolle Seiten bis hin zu Seiten, die tatsächlich so prunkvoll und üppig vor einem liegen, dass man sich minutenlang alleine mit ihnen beschäftigen kann.

Dazu kommen Sprache und Dialoge, Habibi ist Lyrik, durchsetzt von einem dermaßen leichten Humor, dass ich an mehreren Stellen im Buch laut lachen musste, etwa wenn Noah während der Story von der Arche seiner Frau den Zutritt zu eben jener verwehrt und schließlich alleine auf dem Bett sitzt und denkt „Wer braucht die schon“, im nächsten Panel auf dem Deck der Arche ruft Noah seiner halb in der Flut stehenden Frau zu: „Hätteste mal besser an Gott geglaubt!“
Zam fragt ungläubig nach, ob Noah nun seine Frau im Regen stehen ließe und im nächsten Panel wird sie doch noch von Noah eingelassen. „Kleiner Scherz, komm’ rein.“ Solche Stellen gibt es oft, ein fast naiver Humor im Umgang mit tief verwurzelten Mythen der islamischen und christlichen Kultur. Aber es ist natürlich nicht nur Humor.
Habibi nimmt kein Blatt vor den Mund. Zam schläft schonmal in Scheiße, mythologische Figuren schneiden sich Brüste ab, als ein Bibliothekar geköpft wird, weil er Dodola lesen ließ, spielen die Wachen mit seinem Kopf wortwörtlich Fußball. Als Dodola erbärmlich erkrankt, schießt ihr die Soße oben und unten raus, gottseidank nur als Silhouette. Diese komplette Darstellung von dem, was menschlich ist, ist eine der Stärken von Habibi: Liebe, Sex, Tod, Drogen, Scheiße, Blut, Hunger, Prunk und Reichtum und immer wieder Träume, Bildung, Mythos und Schrift.
Damit nicht genug: Circa ab der Hälfte schreitet die Umgebung, in der die Handlung spielt, immer weiter in die Zukunft. Zunächst spielt alles im mittelalterlichen Orient, in dem auf einmal ein Autoreifen zu sehen ist, dann eine Ölpipeline, schließlich landet man (tatsächlich) in einer nachsintflutlichen steampunk-ähnlichen Version des Kaffs, der direkt aus Waterworld entsprungen sein könnte. Am Ende spielt alles in einer modernen Stadt, wir sind im Heute angekommen. Ganz große Kunst, und hier kommt meine einzige Kritik am Buch:
Die Kunst ist grade zum Ende hin doch oft sehr verkopft und oft sehr schwermütig, da macht sich dann auch an einer Stelle seitenweise die Lyrik breit. Versteht mich nicht falsch, ich stehe selber manchmal auf die güldene Fülle des Spiels mit dem geschriebenen Wort, aber Thompson übertreibts hintenraus dann doch etwas mit dem Arthousecomiczeichnen. Und die mythologischen Strecken sind ebenfalls oft eher anstrengend, sehen dafür aber grandios aus.
Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Habibi nichts anderes als ein Meisterwerk ist und eins steht definitiv fest: Jeder, für den Comics mehr sind als Superhelden in Spandexanzügen, kommt an Habibi nicht vorbei. Alleine deshalb schon: Must Have.
Amazon-Partnerlink: Craig Thompson – Habibi

Mehr Reviews:
Tagesspiegel: Graphic Novel – Tausendundeine Pracht: „Craig Thompson erweist sich in „Habibi“ als grandioser Erzähler und leidenschaftlicher Zeichner. Mit Bild und Text eröffnet er ständig neue Ebenen der Erzählung. Er verbindet das Schicksal der Erzählung um Zam und Dodola mit den religiösen Überlieferungen aus dem Koran und der Bibel und lässt die verzaubernden Mythen aus Tausendundeiner Nacht mit einfließen. Auf diese Weise bringt er seinen Lesern die arabische Philosophie und Kultur nahe, führt sie an die gemeinsamen mythologischen Wurzeln der abrahamitischen Religionen Christentum und Islam heran und unterweist sie quasi nebenbei in der Kunst der Kalligrafie und Verzierung.“
The Harvard Crimson: ‘Habibi’ Gracefully Subverts Orientalist Tropes: „Thompson’s style, like his syncretic narrative, takes full advantage of the Islamic tradition of calligraphic and geometric design, blending Arabic imagery with his trademark fluid Western inking. It appears that Thompson is inspired by the masterful layout work of Will Eisner and his long-held love for Franco-Belgian comics. His intricate tale follows a rigid structure: using an Arab North African talisman, which Thompson compares to Sudoku, as the book’s framework, he divides “Habibi” into nine chapters, each with its own number, Arabic letter, and distinct visual design. This strict organization is also reflected in his frequent use of arabesques that merge and contrast with his characters’ bodies, an unusual juxtaposition of the sacred and profane, since artistic representation of bodies is considered a sin in Islam.“
Guardian: Habibi by Craig Thompson – This is an obsessive orgy of art, set in a timeless Middle East: „Thompson, raised in the American heartlands where anti-Arab sentiment is endemic, uses this book to emphasise the shared heritage of Islam and Christianity. Biblical stories are gorgeously depicted in their Koranic versions. The book also serves as an anti-capitalist cri de coeur. Its contemporary reality is God-forsaken, ruled instead by supply and demand. Everything is a transaction. When Zam hawks water in a town choked by sewage, a dying man protests: “You can’t sell water. It is from God.” Zam points at the muck swilling around the man’s shoes and retorts “THAT water is from God. If you want some that’s drinkable, it comes from me.” Later, Zam finds work at a water bottling plant, enriching multinationals while dispossessed villagers are literally “drowning in shit”.“
NPR: Mysterious ‘Habibi’ Cuts To The Core Of Humanity: „Habibi is a complex and multifaceted work of fiction that lingers in the memory. Once you finish it, you will be left with the distinct feeling that it hasn’t finished with you, that it is a book you could read again in a year or a decade and have it speak to you in a new voice each time, offering up new connections you were not previously able to see.“
Ein paar weitere Panels nach dem Klick, weitere Previews beim Guernica Mag, auf der Website des Verlags und The Beat, hier die Website zum Buch mit der Galerie zum Zeichenprozess, die ich schonmal vor einer Weile verlinkt hatte.
Iceages „New Brigade“: When Dead Kennedys ate Joy Division
Ich habe mir grade das 24minütige Debutalbum „New Brigade“ von Iceage angehört und… damn! Als ob die Dead Kennedys Joy Division aufgefressen hätten. No-Wave-Anarcho-Punk von Uptempo mit angedeuteten Pop-Anleihen bis Hardcore mit No-Wave-Überbleibseln. Wütender Punk von vier Jungspunden aus Dänemark, im Detail überraschend vielseitig und melodiös, ausdifferenziertes Songwriting mit Tempi- und Rythmuswechseln, die auf der Oberfläche wie Noise oder Hardcore klingen mögen, spätestens beim zweiten Durchlauf aber durchaus Tiefe und Mehrschichtigkeit offenbaren.
Mit anderen Worten: Hört sie Euch an. Tolles, energiegeladenes, dreckiges und rohes Album, 12 Songs in 24 Minuten. Toll!
Hier der Album-Stream:
Amazon-Partnerlink: Iceage – New Brigade (MP3), Iceage – New Brigade (CD)
Review des Albums auf Pitchfork, Hier eine YT-Playlist mit 13 Songs (ich habe nicht gecheckt, ob irgendwas davon not available in our country is), nach dem Klick drei Live-Clips vom Roskilde-Festival.
DC-Relaunch #3: Frankenstein, Batwoman, Batman and Robin, Superboy, Green Lantern

Mein Comicdealer Der Grobe Unfug – hier ihr Blog, hier auf Twitter, alles sehr sympathische und superkompetente Leute, bei denen man auch per Mail Serienabos verwalten und Mailorders aufgeben kann – sponsort mir dankenswerterweise alle 52 Neustarts während des Reboots der wichtigsten Serien von DC Comics, jede Woche werde ich zu allen erschienenen Ausgaben mindestens ein paar Worte verlieren. Heute: Batman and Robin, Batwoman, Deathstroke, Demon Knights, Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E., Green Lantern, Grifter, Legion Lost, Mr. Terrific, Red Lanterns, Resurrection Man, Suicide Squad, Superboy.
tl;dr: ein sehr gutes (Frankenstein), zwei gute (Batwoman, Resurrection Man), drei okay-nette (Superboy, Batman and Robin, Demon Knights), sehr viel egales Mittelmaß (Deathstroke, Mr. Terrific, Red Lanterns, Grifter) und ein paar beknackte (Legion Lost, Suicide Squad, Green Lantern). Insgesamt mitteldoofe Woche und nach der ersten Hälfte aller Reboot-Hefte zeichnet sich bereits ab: Dieser DC-Relaunch ist ein netter Versuch mit drei oder vier Ausreißern nach oben, verbleibt ansonsten allerdings im Mittelmaß. Aber die Abrechnung kommt zum Schluß. Abos: Resurrection Man, Demon Knights, Batwoman und Frankenstein.
Als Batman and Robin sind erneut Bruce Wayne und sein Sohn Damian nachts unterwegs, diesmal verhindern sie grade so einen Anschlag auf den Reaktor der Uni Gotham. Sehr nettes Comic und am Ende wird auch eins von Batmans Franchises in Säure aufgelöst, aber ein Neustart ist das nicht. Batman und Sohn kabbeln sich genau wie in den vorherigen paarundzwanzig Bänden, es geht wie immer um den Respekt vor dem Vater und das Vertrauen in den Sohn und beide sagen sich gegenseitig wie in allen paarundzwanzig Bänden zuvor dieselbe Antwort: You have to earn it. Gähn.
Aber eine Neuerung gibt es! Batman zelebriert nicht mehr den Todestag seiner Eltern, sondern will von nun an ihr Leben und ihren Hochzeitstag feiern. Tut mir leid, DC, aber wenn Batman die Zeile „From here on out, I’ll be honoring their wedding Anniversary and not their final night on this planet“, dann ist das nicht nur ein bisschen unfreiwillig komisch und raubt Batman einer seiner zentralen Eigenschaften. Darüber hinaus wird das nur erzählt, aber nicht gezeigt – es ist schlicht narrativer Mist, wenn Batman im Dialog „Say yes to life, yes to a fucking big television“ sagt, aber ansonsten der olle grimmige Rächer bleibt. Dennoch: Insgesamt nett, punktuell sogar kickass. Ein Relaunch oder sowas ist das allerdings nicht, sondern eine ganz banale neue Storyline.

Batwoman in einer schönen Ghost Story um eine weiße Frau und ertrunkene Kinder und endlich eine Standalone-Serie für DC Comics „1st High Profile Gay Character“. Kate Kane macht auch gleich mal implizit neu mit Maggie Sawyer (einer Polizistin) rum und geht schließlich mit ihrer Cousine Flamebird auf Tour. Sehr viele Anspielungen auf die Geschichte von Batwoman in diesem Comic, für Neu-Leser nicht leicht zu durchschauen, ganz klar ein Heft für Fans und kein wirklicher Reboot. Dennoch gut und mit für ein Superheldencomic sehr guten, dynamischen Zeichnungen, deren Strich und Colorierung die Handlung reflektiert. Das Panel-Layout ist stellenweise auf den großzügigen Doppelseiten beinahe sensationell.
Deathstroke ist ein Badass, sieht ein bisschen aus wie Spawn, verdingt sich aber als Auftragskiller und Bodyguard und sowas. Und er ist ein Badass. Mit einem neuen Team aus Teenagern soll er nun einen deutschen, fiesen Wissenschaftler in einem Flugzeug plattmachen, der Twist am Ende hat mich tatsächlich überrascht und – ich hatte vergessen zu erwähnen: Er ist ein Badass. Trotz des Überraschungsmoments am Ende ein ziemlich langweiliges Comic mit uninteressanten Figuren.
Demon Knights ist kompliziert. Zunächst mal das wirklich, wirklich schlechte: Die ersten vier Seiten sind völlig unverständlich erzählt. Ein Ritter kniet vor der brennenden Burg Camelot, während König Arthus von ein paar Gefolgsleuten nach Avalon geschifft wird. Der Ritter wirft sein Schwert Excalibur in’s Wasser, wo es von einer auftauchenden Hand gefangen wird. Dann versinkt Excalibur trotzdem aus irgendeinem Grund, eine Madame Xanadu springt ins Wasser, taucht danach und das Schwert verschwindet irgendwie in einem Lichtblitz – was nicht genau auszumachen ist, weil Zeichnungen die Szene verdecken. Erklärt wird hier nichts, wirklich wichtig ist das im Verlauf zumindest diesen Heftes ebenfalls nicht, die Panels wirken, als ob sie in der falschen Reihenfolge erzählen würden – das ist eine narrative Bankrotterklärung von Paul Cornell, wobei ich nicht weiß, wie er seine Comics schreibt, es könnte auch die Schuld des Zeichners sein. Jedenfalls: Die ersten Seiten sind ganz schlimm.
Danach wird das Comic okay, ab der Mitte sogar wirklich gut, ein Cut, wir sind bei Merlin, der den Dämonen Etrigan – ehemals erfunden von Jack Kirby! – in den Körper von Jason Blood of Norwich bannt. Erneut ein Cut, das Comic springt vier Jahrhunderte vorwärts, Jason und Xanadu streifen durch die Lande und treffen auf weitere Unsterbliche in einer Taverne – und so beginnt schließlich jede Fantasy-Story: In einer Taverne bei Wein, Weib und Gesang! –, während die Horde der Questing Queen nach Norden marschiert und dabei Blut und Verwüstung hinterlässt
Hier wird das Storytelling gut, der Oberfiesling wird mit einer superderben Szene vorgestellt und die Szenen in der Taverne sind stellenweise herrlich, aber: Charaktere werden einfach in die Story (bzw. die Taverne) geworfen, tauchen aus heiterem Himmel mit einem Oneliner auf und auf einmal hat man ein mittelalterliches Superheldenteam. Das ist zu schnell und zu unverständlich. Die Zeichnungen sind gut, schwanken aber zwischen sehr gut und unübersichtlich. Gute Idee insgesamt und vor allem super: The Shining Knight („The Celts have odd ways. Nod and smile.“), aber sehr durchwachsene Umsetzung und narrativ handwerklich oft einfach schlecht gemacht. Dennoch werde ich das Comic abonnieren, die Story hat extrem viel Potential und ich hoffe, dass Cornell die Kurve noch kriegt.

Frankenstein – Agent of S.H.A.D.E. ist Jeff Lemires zweite Serie im Reboot. Leider nicht ganz so gelungen wie der fast schon experimentelle Animal Man, der hintenraus dann noch extremste WTFs aus dem Hut zauberte. Aber wenn Lemire ein „nicht ganz so gelungenes“ Comic schreibt, kommt immer noch das beste dieser Woche heraus, was ja auch etwas aussagt – und das bei einem ziemlich bescheuerten Konzept (eat this, Green Lantern!)
Auf den ersten sechs Seiten werden ein angelnder Papa, sein Sohn und ihr Hund von drei riesigen Monstern gefressen, wir erfahren, dass die Spezialeinheit S.H.A.D.E. in einer Anlage namens „Ant Form“ untergebracht ist, die in einer 5 Zentimeter großen, unzerstörbaren Sphäre untergebracht ist, die grade 2 Meilen über Manhattan mit 623 Miles per Hour durch die Luft fliegt. Man erreicht sie per Teleportation und Miniaturisierung und wird betrieben von künstlichen Menschen aus synthetischer organischer Masse, die nach 24 Stunden zerfallen, wobei das Abfallprodukt als Bio-Treibstoff für die Ant Farm benutzt wird. Die Technik wurde von Dr. Ray Palmer installiert, besser bekannt als The Atom, einer der coolsten Charaktere im DC Universum. Frankensteins „Vater“ muss seinen Körper alle paar Jahrzehnte erneuern und Frank ist ganz erstaunt, dass er nun die Gestalt von… wait for it… Hitgirl aus Kickass angenommen hat. Das wird nie explizit erwähnt, die Referenz ist aber zu eindeutig.
Diese ganze, völlig irre Exposition wird von Lemire in sechs Seiten erzählt und das so dermaßen gradlinig, verständlich und klar, dass es eine reine Freude ist. Ich ziehe erneut meinen Hut vor seiner Erzählkunst, machte ich mir doch erst ein paar Sorgen, weil mir das ganze Konzept zu irre vorkam. Wie auch immer, per Mind Link Holodeck erklärt Papa Hitgirl die Situation: ein Kaff wird von einer Armee riesiger Monster überrannt, bei der ersten Mission verschwand Franks Frau (Bride of Frankenstein mit vier Armen), man fliegt flugs dort hin, besorgt sich noch schnell Franks neue Partner, die Division M (Varianten von Creature from the Black Lagoon, Wolfman, Dracula und der Mumie… womit wir alle Universal Monster versammelt hätten) und stürmt das Kaff, um noch zu retten, was noch zu retten ist.
Das ganze Heft macht einen Heidenspaß, bietet tausend Überraschungen und ist darüberhinaus noch in genau dem groben, aber exakten Strich gezeichnet, den ich so liebe. Glatte, langweilige Superheldenoptik findet man hier nicht. Super, bestes Heft diese Woche, unbedingte Kauf-, mindestens aber Anlese-Empfehlung, denn ich könnte mir vorstellen, dass das alles wirklich zu irre für manche ist.
Green Lantern ist mit Abstand die allerbeknackteste Figur, die jemals in ein Comicheft gedruckt wurde, ich sagte es bereits. Man muss bei Superhelden-Comics ja seine Albernheitstoleranzgrenze ohnehin grundsätzlich weit nach unten schrauben und ich lasse mir gerne Aliens gefallen, die unter der gelben Sonne Superkräfte erhalten, Menschen, die nach irgendwelchen Elektroschocks schneller als das Licht rumflitzen können oder Leute, die nach dem sie in einen roten Zwergstern geflogen sind, die Fähigkeit haben, sich auf mikroskopische Größe schrumpfen zu lassen. Das ist zwar zusammen mit den Spandex-Anzügen extrem albern, überschreitet aber nicht unbedingt diese Grenze, ab der es unfreiwillig komisch wird. Green Landern tut das und zwar immer.
Muss man sich mal vorstellen: Ein Jungspund bekommt einen Ring von einem auf der Erde abgestürzten Alien. Okay, von mir aus. Damit kann er die Willenskraft aller Wesen des Universums anzapfen (hier wird’s schon kritisch), die in einer riesigen Lampe auf dem Planeten Oath gesammelt wird (ab hier verließen sie ihn) und damit wir dann vollends bei Comedy landen: Er kann damit alles erzeugen, was er sich so vorstellt und so rettet er dann schonmal mit… was weiß ich… mit einem riesigen Aschenbecher die Welt, in dem er nen Asteroiden damit auffängt. Oder sowas. Mit Abstand das beknackteste Superheldenkonzept aller Zeiten. Darüber hinaus sind die Green Lantern Corps sowas wie eine Space-Polizei, außerdem gibt es Ringe in allen Farben für alle Gefühle der Welt. Was für ein riesiger Schwachsinn. Funktioniert als Comic nicht, hat als Film nicht funktioniert, und ausgerechnet den findet Geoff Johns so toll, dass er ihn in den letzten Jahren dermaßen in den DC Universums-Mittelpunkt stellte, dass denen jetzt die Leser weglaufen und einen Reboot nötig haben. In dem Green Lantern wieder sehr exponiert platziert mit drei eigenen Serien (wenn man die Red Lanterns mit dazurechnet) am Start ist. Big Fail.
Das Heft selbst: Green Lantern wurde in der letzten Ausgabe des „alten“ Universums der Ring aberkannt, ist jetzt verschuldet, landet wegen einem völlig beknackten Storyturn im Knast, verärgert wegen einer noch beknackteren Wendung seine Freundin und trifft schließlich vor seiner Wohnung, aus der er grade geflogen ist, auf Siniestro, dem beknacktesten aller Bösewichte, der aussieht wie eine Mischung aus Zorro mit lila Haut, Salvadore Dali und irgendeinem Menschen mit viel zu großem Kopf. Ein blödes Comic mit einem blöden Helden, einem blöden Bösewicht mit blöder Frisur, die Serie folgerichtig mit einem konsequent blöden Neustart, an dem die menschlichen Züge von Hal Jordan noch das interessanteste sind. Man sieht: Ich kann die Grüne Leuchte echt gut leiden.
Grifter ist Cole Cash und der ist von Beruf Hochstapler mit Indiana Jones-Hut. Ich kannte die Figur bislang nicht, der Einstieg in die Serie wird allerdings leicht gemacht. Cole Cash wird von Stimmen mysteriösen Ursprungs verfolgt, in dessen Folge er auf der Flucht nach seinem letzten Coup er aus einem fliegenden Flugzeug springen muss und hernach als Terrorist gesucht wird, während die Stimmen in seinem Kopf keine Ruhe geben. Nettes Comic, ich werde die kommenden Ausgaben mal anlesen, streng genommen aber ziemlich egales Mittelmaß.
Legion Lost ist die „Legion of Super-Heroes“ und besteht aus Superhelden aus dem 31. Jahrhundert, die mir völlig unbekannt sind und die im 21. Jahrhundert gestrandet sind. Während ein Gefangener oder Kollege oder so ein Kaff plattmacht, begibt sich einer von ihnen auf Rettungstour, der Rest versucht die „Timebubble“ wieder flott zu machen. Irgendwie sowas.
Belanglose Story und die Figuren sind superegal. Die Zeichnungen sind schlecht, zu bunt, zu unelegant, zu profillos, zu plump – und zwar nicht auf diese glatte, egale, aber dafür oft makellose Superhelden-Art, sondern auf eine beinahe dilettantische Art, die ich nur sehr selten ertragen kann. Finde ich sogar noch beknackter, als Green Lantern.
Mr. Terrific ist Wissenschaftler mit irgendwelchen Quanten-Elektro-Fähigkeiten, genau hab’ ich’s nicht verstanden. Macht ein bisschen auf Bruce Wayne nur mehr Jet-Set, so ein bisschen wie Static Shock aus vergangener Woche, nur für ein erwachseneres Publikum. Als Figur super uninteressant, ebenso die Story. Dafür aber gut gezeichnet.
Red Lanterns beginnt mit einer Aliens skalpierenden Katze und für mich die interessantere Green Lantern-Serie, da die „Helden“ die Träger der Wut-Ringe sind, die ganze Zeit nur „Rrrrrage“ vor sich hinfaseln und andere Bösewichte wortwörtlich aufschlitzen. Leider bleibt das Ring-Lantern-Konzept immer noch schwachsinnig und auch die Story reissts nicht raus, für das Setting bleibt alles dann doch zu zahm und flach.
Resurrection Man ist unkaputtbar. Wenn er stirbt, kehrt er nach einer Weile von den Toten zurück und bringt jedesmal eine neue Superheldenfähigkeit mit, weshalb eine dämonische Organisation auf seiner Spur ist. Sehr schönes Comic mit einem ungewöhnlichen Helden mit ungewöhnlichen, unberechenbaren Fähigkeiten. Die Zeichnungen sind angenehm roh und gritty, die Gegenspieler sind auf eine sehr charmante Art äußerst teuflisch. Könnte sich noch als Knaller entpuppen, bislang aber einfach nur: gut.
Suicide Squad heisst eigentlich Task Force X und besteht aus Superbösewichten (hier unter anderem Harley Quinn und King Shark), die von der Regierung zu geheimen Missionen gezwungen werden. Grob sowas wie Snake Plissken mit Supervillains. Interessantes Konzept, leider sehr durchwachsen gezeichnet – und wo es gut gezeichnet ist, ist es Torture Porn, der narrativ nichts hergibt. Beknackt.
Superboy ist in diesem Reboot ein Klon aus Superman und Lex Luthor und er wird im Prolog zur Serie, der die ganze erste Hälfte des Hefts einnimmt, als glatzköpfiges Wesen in einer Nährflüssigkeit gezeigt, der nach einem Ausbruchsversuch in einer virtuellen Realität gehalten wird. Schöne Storyline, die sich allerdings nicht wirklich wie Superboy anfühlt – was nicht unbedingt schlecht ist. Die Story ist interessant und gradlinig erzählt, die Zeichnungen sind leider höchstens Durchschnitt. Werde ich weiterhin anlesen.
Vorher auf Nerdcore:
DC-Reboot #1: Justice League
DC-Relaunch #2: Action Comics, Animal Man, Swamp Thing, Detective Comics












