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Letters from Aleppo: Ausstellung in Berlin, Interview mit Just

Eine Woche vor Weihnachten fuhr mein Buddy Just nach Syrien, fotografierte dort im Bürgerkrieg und schickte mir Reiseberichte per Mail, die ich hier auf Nerdcore unredigiert veröffentlichte (1, 2, 3, 4). Seit dem ist eine Menge passiert: Just hat eine Reihe von Interviews gegeben, ein Bericht erschien online in der Zeit (hier die Galerie dazu), die Story wird in der nächsten Ausgabe des renomierten schweizer Magazins Reportagen veröffentlicht, er ist Ende Februar vom Ausschuss für Menschenrechte und humanitaere Hilfe des Bundestags eingeladen, nachdem der Vorsitzende die Postings gelesen hatte und er organisiert grade eine Hilfsaktion für die Psychiatrie, die er dort besucht und fotografiert hatte.

Am 15. Februar eröffnet zu all dem die Ausstellung „Letters from Aleppo“ im Berliner Stattbad (FB-Event), dort werden sowohl Streetart-Bilder als auch Fotos aus Syrien zu sehen sein, während der Ausstellung läuft eine Klanginstallation von Thomas Rassloff, der das ständige Hintergrundrauschen aus Panzerschüssen und Gewehrsalven aufgenommen hat. Just hat auf seiner Website eine Slideshow online gestellt, inklusive Sounds. In der Ausstellung wird es auch ein Poster-Magazin zu kaufen geben (hier kann man das Teil online bestellen), die Erlöse fließen in die anlaufende Hilfsaktion.

Und mich freut das alles sehr, insgesamt ist aus dieser praktisch improvisierten Aktion ein wirklich rundes Paket geworden, wir haben da mit zwei Leuten und ein paar Beziehungen Journalismus gemacht, es kommt Kunst dabei raus und nicht zuletzt wurde mit der Sache auch ein bisschen Geld verdient, das noch dazu einem guten Zweck zufließt, der obendrauf eine persönliche Note hat. Und wir sind noch nicht fertig, wir haben noch was vor.

Nach dem Klick weitere Infos zur Ausstellung und ein Interview mit Just von yours truly: Gib mir den Rest, Baby…

The Security Office of the Revolution: Letters from Aleppo (4)

Just (hier auf Facebook), ein Fotograf aus Berlin, vor allem bekannt für seine Streetart-Dokumentationen, ist am Wochenende mit einem weiteren Fotografen über die Türkei nach Syrien gefahren und schickt mir immer wenn es passt Augenzeugenberichte und Eindrücke aus dem Bürgerkrieg. Ich werde die Texte hier (abgesehen von Tippfehlern und Umlauten) unverändert veröffentlichen, auf Flickr sammle ich die Bilder (unbearbeitete Screenshots), die mir der Mann zu seinen Berichten schickt (Teil 1: Inside Syria, Teil 2: „Say hello to Germany for me“, Teil 3: The Asylum), hier der vierte Teil:

Hi! Ich freue mich, dass meine Briefe gelesen werden. Sorry, wenn ich nicht dazu komme, Kommentare etc. zu beantworten.

Die letzten beiden Tage ist wieder viel zu viel passiert. Gut, dass ich mir zu allem Notizen mache, die ich jetzt versuche, durchzugehen. Schön, wie krakelig die Schrift geworden ist; und die Seiten sind alle feucht vom ewigen Regen.

Gib mir den Rest, Baby…

The Asylum: Letters from Aleppo (3)

Just (hier auf Facebook), ein Fotograf aus Berlin, vor allem bekannt für seine Streetart-Dokumentationen, ist am Wochenende mit einem weiteren Fotografen über die Türkei nach Syrien gefahren und schickt mir immer wenn es passt Augenzeugenberichte und Eindrücke aus dem Bürgerkrieg. Ich werde die Texte hier (abgesehen von Tippfehlern und Umlauten) unverändert veröffentlichen, auf Flickr sammle ich die Bilder (unbearbeitete Screenshots), die mir der Mann zu seinen Berichten schickt (Teil 1: Inside Syria, Teil 2: „Say hello to Germany for me“), hier der dritte Teil:

18.12.2012, 18:00 (Text von jetzt): Es ist seit 2 Stunden dunkel draussen und wir sind nach einem neuen Tag wieder im AMC. Gerade mischt sich der Gesang eines Muezzin zwischen die wieder vermehrt einschlagenen Mörsergranaten.

Wir haben heute etwas länger geschlafen und befinden uns erst um halb 10 im Office. Hier treffen wir auf die uns schon bekannten Fernsehjournlaisten vom französischen TV5 und weitere junge Journalisten aus Spanien und den Staaten. Wie es scheint, reisen heute alle ab. Keiner blieb viel länger als für die von ihren Sendern oder Zeitungen bezahlten Stories. Ich lausche dem Krisenberichterstatter-Talk, der sich, jetzt schon mehrmals in den letzten Tagen, um die Level der Schutzplatten in unseren Westen dreht. Level-3 schützt nicht gut genug, aber Level-4 ist einfach zu schwer um sich damit noch gut bewegen zu können. Auch hier gibt es Kompromisse. Die Franzosen verhandeln ihre letzte Fahrt mit ihrem Fahrer, der eigentlich nicht will, weil die gewünschte Stelle zu gefährlich ist, dann aber mit ein paar hundert Dollern überredet wird. Spesen.

Gib mir den Rest, Baby…

„Say hello to Germany for me“: Letters from Aleppo (2)

Just (hier auf Facebook), ein Fotograf aus Berlin, vor allem bekannt für seine Streetart-Dokumentationen, ist am Wochenende mit einem weiteren Fotografen über die Türkei nach Syrien gefahren und schickt mir immer wenn es passt Augenzeugenberichte und Eindrücke aus dem Bürgerkrieg. Ich werde die Texte hier (abgesehen von Tippfehlern und Umlauten) unverändert veröffentlichen, auf Flickr sammle ich die Bilder (unbearbeitete Screenshots), die mir der Mann zu seinen Berichten schickt, Teil 1 war hier: Inside Syria, hier der zweite Teil:

Hey. Ich hatte gestern schon angefangen Neues aufzuschrieben, aber die Ereignisse überschlagen sich. Ich weiss nicht, ob ich selbst verarbeiten kann, was hier abgeht, geschweige denn, ob ich die Eindrücke irgendwie sinnbringend in einen Text fassen kann. Ich bin aufgewühlt. Es ist jetzt dunkel und wir sitzen wieder im Buero des AMCs. Es ist kalt, aber zumindest haben die Leute hier gerad den Generator zum laufen gebracht, damit Licht und der Router fürs Satelliten-Internet funktioniert.

Heute war ich in der (ich nenne es:) Hölle, und es war nicht die Frontline mit frisch Verwundeten und Toten. Ich begreife ein bisschen, was Krieg bedeutet und ich wette, wenn ich es mehr und mehr kapiere, dass ich noch durchdrehe. Zu der Hölle, die eine von allen Ärzten verlassene Bilderbuch-Psychiatrie nahe der innerstädtischen Frontlinie ist, komme ich später. Ich beginne chronologisch, mit dem was gestern war und hoffe in dem Stil erzählerisch nicht in Chaos abzurutschen. Gestern war es noch entspannt.

Gib mir den Rest, Baby…

Inside Syria: Letters from Aleppo (1)

Am Freitag traf ich mich mit Just (hier auf Facebook), den man eigentlich als bekannten Berliner Streetart-Fotografen kennt. Wir schmiedeten Pläne für die Zukunft und gingen danach zusammen in den Hobbit. An diesem Abend hatte er mir erzählt, dass er am Wochenende mit einem weiteren Fotografen über die Türkei versuchen wird, nach Syrien zu gelangen, um dort zu fotografieren. Angesichts der Nachrichtenlage (Chemiewaffen, Brandbomben und überhaupt) hab’ ich ihm dringend davon abgeraten, aber jetzt ist er dort und schickt mir immer wenn es passt Augenzeugenberichte und Eindrücke aus dem Bürgerkrieg. Ich werde die Texte hier unverändert veröffentlichen, auf Flickr sammle ich die Bilder (unbearbeitete Screenshots), die mir der Mann zu seinen Berichten schickt, hier der erste Teil:

Hi René,

ich schreibe dir aus dem Office des AMC (Aleppo Media Center), einem alten und jetzt besetzen Science Center (mehr weiss ich nicht). Unser Zimmer ist im zweiten Obergeschoss, aber nur hier unten gibt es Strom, von dem Generator, der im Hof vor sich hin brummt. Vor 3 Tagen wurde Teilen der Stadt der Strom abgestellt und auch fliessendes Wasser gibt es keins mehr. In dem Buero nebenan wird laut auf arabisch gesprochen und ab und an rauscht der Sicherheitsposten oben von der Srasse laut durchs Walkie Talkie. Das Internet schwankt, nebenan werden gerade die Clips von heute auf Youtube geladen (AMC-Channel).

Hier angekommen sind wir (der Fotograf Thomas Rassloff (Rossi) und ich) vor ein paar Stunden. Gestern waren wir noch in Kilis in der Tuerkei, wo wir in einem runtergekommenden Hotel uebernachtet haben und heute morgen mit einem Taxi an die syrische Grenze gefahren sind.

Gib mir den Rest, Baby…

Middle East Gaming Industry

Spannender Artikel auf Ars Technica über die syrische Spiele-Industrie und Games im Mittleren Osten:

“Life for Syrian game developers has never been better,” joked Falafel Games founder Radwan Kasmiya in an e-mail to Ars Technica. “You can test the action on the streets and get back to your desktop to script it on your keyboard.”

Kasmiya’s icy humor hides a sobering truth about the troubles faced by Syria’s once-promising game development industry. The country once looked like a future technology hub, with its centralized location among the Middle East and North African (MENA) countries allowing it to easily draw programming and engineering talent from Turkey, Iraq, Iran, Jordan, Lebanon and Egypt. But that promise has been effectively squashed, first by global economic sanctions and then by more than a year of bloody civil conflict.

Now, amid the chaos in the streets, the majority of Syria’s young techies have fled for better jobs and heightened security in the neighboring countries of Jordan and Lebanon. Others have gone even further.

Game over—how sanctions and violence doomed Syria’s gaming industry

Fake Gay Girl from Damaskus flirted with a Fake Gay Girl from Ohio

Die Story um Fake-Amina aka Gay Girl from Damaskus wird immer absurder. Die hatte nämlich auf der Website Lez get real damit begonnen, über die Aufstände in Syrien zu berichten, und deren angebliche Betreiberin stellte sich jetzt als der 58jährige Bill Graber aus Ohio heraus und sowohl Tom MacMaster als auch Bill Graber haben als Fake-Lesbierinnen miteinander geflirtet, ohne vom jeweiligen Hoax zu wissen.

Just one day after the author behind a popular Syrian lesbian blog admitted to being a married, American man named Tom MacMaster, the editor of the lesbian news site Lez Get Real, with the tag­line “A Gay Girl’s View on the World,” acknowledged that he is also a man. “Paula Brooks,” editor of Lez Get Real since its founding in 2008, is actually Bill Graber, 58, a retired Ohio military man and construction worker who said he had adopted his wife’s identity online. Graber said she was unaware he had been using her name on his site. […]

He said his connection to Amina was purely coincidental and started when Amina commented on a post on the Lez Get Real site in February. It “was a major sock-puppet hoax crash into a major sock-puppet hoax.” In the guise of Paula Brooks, Graber corresponded online with Tom MacMaster, thinking he was writing to Amina Arraf. Amina often flirted with Brooks, neither of the men realizing the other was pretending to be a lesbian.

‘Paula Brooks,’ editor of ‘Lez Get Real,’ also a man (via Fefe)

Vorher auf Nerdcore:
Free Amina!
Who is „A Gay Girl in Damascus“?
Gay Girl in Damaskus „Amina“ is a Fake

Gay Girl in Damaskus „Amina“ is a Fake

Hinter „Amina“ steckt ein Amerikaner namens Tom MacMaster, der hat diesen Fake über fünf Jahre (!) lang betrieben. MacMaster hat grade folgendes auf seinem Blog „A Gay Girl in Damaskus“ gepostet:

Apology to readers
I never expected this level of attention. While the narrative voıce may have been fictional, the facts on thıs blog are true and not mısleading as to the situation on the ground. I do not believe that I have harmed anyone — I feel that I have created an important voice for issues that I feel strongly about.

I only hope that people pay as much attention to the people of the Middle East and their struggles in thıs year of revolutions. The events there are beıng shaped by the people living them on a daily basis. I have only tried to illuminate them for a western audience.

This experience has sadly only confirmed my feelings regarding the often superficial coverage of the Middle East and the pervasiveness of new forms of liberal Orientalism.

However, I have been deeply touched by the reactions of readers.

Best,
Tom MacMaster,
Istanbul, Turkey
July 12, 2011

Apology to readers

[update] Washington Post: ‘A Gay Girl in Damascus’ comes clean, NPR: ‘Gay Girl In Damascus’ Apologizes, Admits She Is An American Man (via Boing Boing)

MacMaster, a Middle East peace activist who is now working on his master’s degree at the University of Edinburgh in Scotland, wrote that he fictionalized the account of a gay woman in Syria to illuminate the situation for a Western audience. Amina’s story may have remained believable, but he wrote of her arrest, his fans — in a desire to help the woman they had grown to care about — found a trail of evidence that led back to MacMaster.

Vorher auf Nerdcore:
Free Amina!
Who is „A Gay Girl in Damascus“?

Who is „A Gay Girl in Damascus“?


(Youtube Direktamina, danke Bridgetroll!)

Vor ein paar Tagen bloggte ich über die angeblich entführte syrische Bloggerin Amina, mittlerweile werden allerdings Zweifel an ihrer Identität laut, oben ein Video der BBC, hier ein Artikel vom Wall Street Journal: Photos of Syrian-American Blogger Called into Question: „A London publicist said Wednesday that the photos circulating on the Web and in the media show someone else entirely. The photos are of Jelena Lecic, who lives in London, according to publicist, Julius Just.“ Ich lasse das Posting erstmal so, wie es ist, sollte sich die ganze Story als Fake erweisen, mache ich nochmal ein Update.

[update] spOnline hat einen Artikel dazu, hier ein Artikel auf dem NYTimes Blogs The Lede, hier die Washington Post. Hier der Twitter-Feed von Andy Carvin vom NPR, der die Story ausgegraben hat.

Free Amina!

[update] Es werden Zweifel an der Identität Aminas laut, vom Wall Street Journal: Photos of Syrian-American Blogger Called into Question: „A London publicist said Wednesday that the photos circulating on the Web and in the media show someone else entirely. The photos are of Jelena Lecic, who lives in London, according to publicist, Julius Just.“ Ich lasse das Posting erstmal so, wie es ist, sollte sich die ganze Story als Fake erweisen, mache ich nochmal was dazu.

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Im April machte ein Posting einer lesbischen Bloggerin aus Syrien die Runde, die von Milizen „abgeholt“ werden sollte und deren Vater es schaffte, sie mit den richtigen Worten da rauszuboxen. Gestern Nacht wurde sie nun entführt.

Amina was seized by three men in their early 20’s. According to the witness (who does not want her identity known), the men were armed. Amina hit one of them and told the friend to go find her father.

One of the men then put his hand over Amina’s mouth and they hustled her into a red Dacia Logan with a window sticker of Basel Assad. The witness did not get the tag number. She promptly went and found Amina’s father.

Aus einem Update auf ihrem Blog (geschrieben von ihrer Cousine):

I have been on the telephone with both her parents and all that we can say right now is that she is missing. Her father is desperately trying to find out where she is and who has taken her.

Unfortunately, there are at least 18 different police formations in Syria as well as multiple different party militias and gangs. We do not know who took her so we do not know who to ask to get her back. It is possible that they are forcibly deporting her.

From other family members who have been imprisoned there, we believe that she is likely to be released fairly soon. If they wanted to kill her, they would have done so.

Hier die Free Amina-Facebook-Seite, hier die Meldung um Guardian, hier auf Al Jazeera. (via Jens)